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Bericht der Vereinten Nationen : Freihandel für die Drogenmafia

Mohnanbau in Südostasien Bild: AP

Offene Grenzen helfen nicht nur ehrbaren Kaufleuten. Die Vereinten Nationen warnen, dass ein Ende der Kontrollen den Heroinhandel im Goldenen Dreieck förderte.

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          Weder Soldaten noch Geld können das lukrative Geschäft mit dem Anbau von Mohn und dem Kochen von Heroin in Asien aufhalten. Nun könnte die Öffnung von Grenzen im Zuge der geplanten Freihandelszone in Südostasien den Drogenhandel sogar noch massiv fördern. Davor warnen die Vereinten Nationen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Opiumproduktion im „Goldenen Dreieck“ zwischen Burma (Myanmar), Thailand und Laos nimmt trotz aller Versprechen und Versuche, den Mohnanbau einzudämmen, seit acht Jahren kontinuierlich zu. Dabei hatten sich die zehn Länder des südostasiatischen Staatenbundes Asean 2012 darauf geeinigt, bis 2015 ein „drogenfreies Asean“ zu erreichen. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: Die Anbaufläche für den Grundstoff des Heroins ist allein im vergangenen Jahr von 61200 auf nun 63800 Hektar gewachsen.

          Damit ist die Region das zweitgrößte Anbaugebiet nach Afghanistan, wo die Suchtpflanze trotz aller Militäreinsätze auf inzwischen 224000 Hektar kultiviert wird. „Das Goldene Dreieck ist die geographische Mitte der Mekong Region und es wird geplant, dort die Transportwege auszubauen, die Handelsschranken und Grenzkontrollen abzubauen“, warnt das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in seinem Drogenbericht. „Die organisierten Netzwerke, die von Südostasiens verbotenem Drogenhandel profitieren, warten nur auf die regionale Integration“, warnt Jeremy Douglas, Repräsentant des UNODC für die Region.

          Schon jetzt werden Dutzende Tonnen von Chemikalien, die zum Heroin-Kochen benötigt werden, von Vietnam aus über die Grenzen nach Burma und Laos transportiert. Der Handel mit den harten Drogen dürfte in der Region inzwischen ein jährliches Volumen von mehr als 16 Milliarden Dollar erreicht haben. Rechnet man den illegalen Handel mit Amphetaminen hinzu, dürfte das Volumen bei mehr als 30 Milliarden Dollar jährlich liegen.

          Hauptabnehmermarkt ist China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde steht für 70 Prozent der Heroinkonsums in Asien und ist der größte Einzelmarkt der Welt. Mit dem Wohlstand kam die Sucht: Seit 2007 ist die Zahl der Abhängigen um eine halbe Million Menschen auf nun mehr als 1,3 Millionen Chinesen gestiegen. „Ein stärkerer Heroinverbrauch wurde auch in Singapur, Laos und Myanmar bemerkt“, heißt es im Bericht der Vereinten Nationen. „Die mit dem Handel verbundenen großen Geldströme haben eine schlechten Einfluss auf die Länder, sie unterminieren das Gesetz, und zwingen die Regierungen, Gelder zu nutzen, die ansonsten der Entwicklung und der öffentlichen Hand zur Verfügung stünden.“

          Enorme Beträge aus dem Drogenhandel werden vor allem im Immobiliengeschäft gewaschen. Die Preise für Grundstücke und Häuser in der Wirtschaftsmetropole Rangun haben seit der Öffnung Burmas das Niveau Manhattans erreicht. Im Drogenhandel sind traditionell neben den armen Bauern in den Bergregionen und einigen Provinzfürsten auch die Familien der früheren Generäle aktiv. Viele von ihnen sind durch das Drogengeschäft Multimillionäre geworden.

          Die Bauern am Anfang der Produktionskette sind nicht etwa gierig, sondern sie brauchen den  illegalen Anbau, weil er die einzige Möglichkeit ist, ihre Familien zu ernähren. Hinzu kommt das Vakuum im Nordosten des Landes: Der dortige Wa-Staat gilt als das wichtigste Drogenanbaugebiet der Region. Die burmesische Armee und die Wa-Armee (UWSA) hatten 1989 ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Seitdem hat die Regierung nur sehr geringen Einfluss auf das Gebiet, das an China grenzt. Die Wa haben eine Armee von rund 20000 Mann unter Waffen und sind quasi autonom, mit großen Abhängigkeiten von China. So nutzen sie das chinesische Telefonnetz und verkaufen neben Drogen auch Bodenschätze, Holz, aber auch Zigaretten und Schnaps nach China.

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