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Bank von Japan : Ein geldpolitischer Sturm im Sakeglas

BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda Bild: EPA

In Tokio mehren sich die Spekulationen, dass die Bank von Japan langsam einen Abschied von ihrer sehr expansiven Geldpolitik einläutet. Was ist davon zu halten?

          Plant die Bank von Japan einen Abschied von ihrer expansiven Geldpolitik? An Tokios Finanzmärkten wird darüber eifrig spekuliert. Der Sitzung der Zentralbank in dieser Woche kann damit besondere Bedeutung zu. Doch trotz aller Gerüchte könnte es das langweiligste Ereignis der Woche werden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Gouverneur Haruhiko Kuroda hat bislang nicht den Hauch eines Gedankens erkennen lassen, dass er in absehbarer Zeit an eine Straffung der expansiven Geldpolitik denke. Auch am Dienstag, wenn er vor der Presse die geldpolitischen Beschlüsse erläutern wird, dürfte sich daran nichts ändern. Kuroda ist der Meinung, dass schon das Planen einer künftigen Straffung der Geldpolitik die heutige Geldpolitik schwächt. Deshalb wird er sich aller Wahrscheinlichkeit nach hüten, falsche Erwartungen aufkommen zu lassen.

          Das stünde im deutlichen Gegensatz zu den Spekulationen an den Finanzmärkten, wonach die japanische Notenbank sich langsam an den Gedanken eines Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik gewöhnt. Als wichtigstes Signal wurde zuletzt angesehen, dass die Notenbank am Jahresbeginn zum ersten Mal seit Monaten die regelmäßigen Ankäufe langfristiger Staatsanleihen verringerte. Die Zentralbank kaufte insgesamt für 271 Milliarden Yen (rund 2 Milliarden Euro) Anleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren und mehr. Das waren rund 20 Milliarden Yen weniger als noch bei der Auktion Ende Dezember.

          Spekulationen am Jahresbeginn

          Schon die Ankündigung der kleineren Kaufofferte trieb die Renditen der längerfristigen Staatsanleihen in Japan in die Höhe und ließ den Yen an den Währungsmärkten spürbar aufwerten. Während die Bank von Japan betont, dass es nur eine kleine technische Änderung sei, wird an den Märkten über ein Signal für den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gemutmaßt. Japanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren rentierten zuletzt mit 0,08 Prozent, in etwa so hoch wie zuletzt zeitweise im Oktober und im Rahmen der vermuteten Marge um die Null-Zins-Vorgabe der Notenbanker. Das legt den Schluss nahe, dass die Spekulationen am Jahresbeginn eher ein Sturm im Wasserglas waren.

          Auch die anderen scheinbaren Indizien eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik sind keine Beweise. Im Herbst, unter anderem in einer Rede an der Universität Zürich, brachte Kuroda den Begriff des Umkehrzinssatzes ins Spiel. Das ist der Zinssatz, an dem die positiven Wirkungen von niedrigen oder Negativzinsen ins Negative umschlagen, weil sie Bankbilanzen und damit die Möglichkeiten zur Kreditvergabe belasten.

          So bemerkenswert es ist, dass Kuroda die Möglichkeit negativer Effekte von Negativzinsen anerkennt, hat er bislang freilich nicht zu erkennen gegeben, dass er die Bank von Japan in dieser Falle sehe. Derzeit fixiert die Notenbank den Zinssatz auf Einlagen von Geschäftsbanken bei ihr auf minus 0,1 Prozent und strebt zugleich an, durch Käufe von Staatsanleihen und anderer Wertpapiere den 10-Jahreszinssatz bei etwa 0 Prozent zu halten.

          Wirtschaftslage in Japan wird besser

          Auch das scheinbare dritte Indiz für eine langsame Abkehr von der expansiven Geldpolitik löst sich bei näherem Hinsehen in Luft auf. Es stimmt zwar, dass die Notenbank seit Monaten das verkündete Ankaufsziel für Staatsanleihen von rund 80 Billionen Yen im Jahr nicht mehr einhält. Zuletzt lag das Einkaufvolumen hochgerechnet auf ein Jahr eher bei 50 Billionen bis 60 Billionen Yen. Formal betrachtet entspricht das dem „tapering“, dem langsamen Abschmelzen der Ankäufe, was in Amerika und in Europa als weniger expansive Geldpolitik verstanden wird.

          In Japan liegt der Fall aber etwas anders, weil die Notenbank seit September 2016 die Zinsstrukturkurve zu steuern versucht. Das Volumen der Anleihekäufe ist deshalb nur noch eine Restgröße, nicht aber mehr Signal für eine mehr oder weniger expansive Geldpolitik. Auffällig ist zugleich, dass die Notenbank die Käufe von handelbaren Aktienfondsanteilen (ETF) nicht zurückgenommen hat. Es fällt schwer, darin im Gesamten einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik zu erkennen.

          Angesichts der sich bessernden Wirtschaftslage in Japan gibt es dennoch Erwartungen, dass die Zentralbank ihre Zinsziele schon in diesem Jahr anheben könnte. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg erwartet immer noch knapp mehr als die Hälfte der befragten Analysten und Volkswirte, dass die Bank von Japan erst im kommenden Jahr die Zinswende einleitet. Sollte es, wie eine Minderheit erwartet, doch schon in diesem Jahr der Fall sein, würde es wohl September oder Oktober werden.

          Einer geldpolitischen Wende in dieser Woche steht ein anderer Stichtag entgegen. Im April endet der Vertrag von Kuroda, der von Ministerpräsident Shinzo Abe 2013 handverlesen ausgesucht wurde, um die Zentralbank auf einen expansiven Kurs zu zwingen. Einige Bemerkungen im politischen Japan deuten darauf hin, dass Abe, der keine Änderung der Geldpolitik wünscht, Kurodas Vertrag um weitere fünf Jahre verlängern dürfte. Das ist auch die überwiegende Einschätzung in Umfragen am Finanzmarkt.

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