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Bank of America : Sonderkommando gegen Finanzbetrug

  • -Aktualisiert am

Bild: AP

Das Justizministerium ringt der Bank of America die Rekordbuße von 17 Milliarden Dollar wegen fragwürdiger Hypothekengeschäfte ab. Aber manchen Kritikern gehen die Strafen nicht weit genug.

          2 Min.

          Man sollte meinen, dass die Spitzenmanager großer Banken gewiefte Verhandler sind. Bei Eric Holder, dem amerikanischen Justizminister, bissen die Vorstandsvorsitzenden der beiden größten amerikanischen Kreditinstitute aber auf Granit.  Brian Moynihan, der Chef der Bank of America, versuchte Holder Ende Juli in einem nächtlichen Telefongespräch von einer neuen Rekordstrafe wegen unlauterer Hypothekengeschäfte im Vorfeld der Finanzkrise abzubringen. Ohne Erfolg.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Bank of America wird nach amerikanischen Medienberichten fast 17 Milliarden Dollar zahlen, um Vorwürfe des Justizministeriums sowie einer Reihe anderer Behörden außergerichtlich beizulegen – so viel wie keine Bank zuvor.  Ende September des vergangenen Jahres war Jamie Dimon, der Vorstandschef des Marktführers JP Morgan Chase, sogar zu einem Treffen mit Holder nach Washington gereist. Ein paar Wochen später zahlte JP Morgan dennoch die von der Regierung verlangten 13 Milliarden Dollar. Das war die bislang geltende Höchstmarke.

          Holder soll Moynihan in dem Telefonat mit einer bereits in der Schublade liegenden Klage gedroht haben. Ein langwieriges Gerichtsverfahren will keine Bank riskieren. Am gleichen Tag, an dem Moynihan und Holder telefonierten, hatte ein Bundesrichter in New York die Bank of America auf die Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar wegen eines dubiosen Vertriebsprogramms für Hypotheken verurteilt. Das Programm war einst von dem auf Ramschhypotheken spezialisierten Finanzdienstleister Countrywide initiiert worden. Die Bank of America, die Countrywide 2008 übernommen hatte, wollte wesentlich weniger Strafe zahlen, weil das Programm schon vor der Übernahme beendet worden war.

          Rechtsrisiken eingekauft

          Mit dem 17-Milliarden-Vergleich schafft die Bank of America nun ihre größten, im Zusammenhang mit der Finanzkrise verbliebenen Altlasten aus der Welt. Die Behörden hatten der Bank vorgeworfen, falsche Angaben zur Qualität der Hypotheken gemacht zu haben, die sie als Wertpapiere verbrieft und an Investoren verkauft hatte. Der Großteil der fraglichen Hypothekenpapiere wurde von Countrywide und der Investmentbank Merrill Lynch emittiert, die die Bank of America ebenfalls 2008 auf Druck der Regierung übernommen hatte. Damit hatte sich die zweitgrößte amerikanische Bank, die davor kaum im Geschäft mit Ramschhypotheken engagiert war, immense Rechtsrisiken ins Haus geholt. 

          Justizminister Holder, der nur noch wenige Monate im Amt sein dürfte, wird mit den Rekordstrafen für Banken sein vielleicht wichtigstes Vermächtnis hinterlassen. Die harte Linie folgte auf die öffentliche Kritik, dass Banken für ihre Rolle in der Finanzkrise nicht ausreichend zur Rechenschaft gezogen wurden. Präsident Obama hatte Holder daher vor zwei Jahren angewiesen, im Justizministerium eine Sondereinheit zusammenzustellen, die vor allem Betrug im Hypothekengeschäft untersuchen sollte.

          Es ist daher kein Wunder, dass Holder in den Verhandlungen mit Moynihan und Dimon hart blieb. Dennoch gibt es weiter Kritik, da kein einziger Spitzenmanager persönlich für die fragwürdigen Geschäfte haften musste – sieht man mal vom Verlust des Arbeitsplatzes ab. „Ich wette, dass die meisten Amerikaner lieber sehen würden, dass Bankmanager lange Gefängnisstrafen bekommen als dass Aktionäre von Banken Milliardenstrafen zahlen“, twitterte Eric Hunsader, der Gründer der Finanzinformationsdienstes Nanex, nachdem die Nachricht von der jüngsten Milliardenstrafe die Runde machte. Insgesamt haben Banken in Zusammenhang mit der Finanzkrise schon mehr als 100 Milliarden Dollar an verschiedene Aufsichtsbehörden gezahlt.

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