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Neue Handelswege nach Europa : Überweist Peking bald Milliarden an Griechenland?

Der Containerhafen von Piräus Bild: dpa

China greift laut einem Bericht in seinen Schatz an Währungsreserven und will mit 62 Milliarden Dollar chinesischen Konzernen Handelswege aus dem Reich der Mitte in die Welt bauen. Auch Griechenland könnte einen Teil abbekommen.

          Vergangenes Wochenende hatten Zeitungsmeldungen aus Griechenland für Aufsehen gesorgt: Das hochverschuldete Land könnte bald eine Überweisung über 10 Milliarden Euro aus China erhalten, schrieben die Wochenzeitungen „Agora“ und Karfi“ unter Berufung auf Athener Regierungskreise. Peking könnte diese Summe als eine Art Vorauszahlung leisten, um den Hafen von Piräus zu nutzen und um als Teilhaber in die griechische Eisenbahn einzusteigen, berichteten die Zeitungen. Kann sich Athen also Hoffnungen machen, anstatt seine Schulden zu bedienen und das Land zu reformieren, sich als Alternative von den zahlungskräftigen Chinesen aushalten zu lassen?

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Bis zum heutigen Dienstag gibt es auf die griechischen Zeitungsmeldungen in China keinerlei Reaktion, weder vonseiten der Regierung noch in der chinesischen Staatspresse. In geopolitischer Hinsicht ist es für die überwiegende Mehrheit der politischen Beobachter in China nur schwer vorstellbar, dass die Volksrepublik direkt Milliardenbeträge an Euro an Griechenland überweist und damit faktisch Europa finanziert.

          „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass China einen Bailout für Griechenland finanzieren würde“, sagt der Griechenland-Experte Yu Nanping vom Europa-Zentrum der East China Normal Universität im Gespräch mit der F.A.Z. „Die griechische Schuldenkrise ist eine interne Angelegenheit der EU. China wird sich in diese nicht direkt einmischen.“ Allerdings pflege das Land traditionell zu den Griechen eine enge Freundschaft. „Es ist möglich, dass China Griechenland über Investitionen helfen wird. Das ist in Einklang mit der Expansionsstrategie der chinesischen Regierung.“

          Chinas Regierung ist Scheckbuchpolitik nicht fremd: mit milliardenschweren Investitionen möchte sich Peking etwa in Lateinamerika Einfluss erkaufen. In der Nacht zum Montag sagte der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro,  im Staatsfernsehen, China werde dem krisengebeutelten Land 5 Milliarden Dollar für Entwicklungsprojekte überweisen. Bisher flossen aus Peking insgesamt 46 Milliarden Dollar nach Venezuela, das die Schulden mit Öllieferungen begleicht. Und in Pakistan will Peking 45 Milliarden Dollar in Infrastruktur investieren.

          Mehr Einfluss in Europa

          An größerem Einfluss in Griechenland ist Peking ebenfalls interessiert: das Land soll als „Tor“ für den Handelsweg vom Reich der Mitte nach Europa dienen. Am heutigen Dienstag schreibt die Staatszeitung „China Daily“ in einem allgemein gehaltenen Stück über die verstärkte Zusammenarbeit zwischen China und Europa, Griechenland besitze „alle geopolitischen Vorteile“, die auch die Hafenstadt Hongkong aufweise: „Warum also nicht Athen mit Hongkong zusammenbringen?“

          Am Montag lud Griechenlands Regierung chinesische Firmen ein, sich um die Förderung von Öl- und Gasfeldern zu bewerben. Im Hafen in Piräus hat die chinesische Staatsrederei Cosco zwei Piers gepachtet und will auch die restlichen zwei Drittel des Hafens kaufen, das Personen- und Autoterminal.

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