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Insolvenzantrag : Defekte Airbags brechen Takata das Genick

Insolvenz bekanntgegeben, Kotau gemacht: der Takata-Vorsitzende Shigehisa Takada auf der Pressekonferenz in Tokio Bild: Reuters

Es ist die größte Insolvenz Japans: Der Autozulieferer Takata verkauft sich an den Autozulieferer Key Safety Systems. Die Verhandlungen über die millionenfachen Rückrufe defekter Airbags sind aber nicht zu Ende.

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          In einem der größten Insolvenzfälle Japans hat sich der Autozulieferer Takata am Montag in Japan und in den Vereinigten Staaten unter Gläubigerschutz gestellt. Takata brach das Genick, dass es mit seinen fehlerhaften Airbags seit Jahren im Mittelpunkt der größten Rückrufwelle in der weltweiten Automobilwirtschaft steht. Der Gläubigerschutz soll eine geordnete Umstrukturierung des Unternehmens ermöglichen. Nach japanischen Medienberichten haben die Autobauer darauf bestanden, während Takata eine außergerichtliche Einigung angestrebt hatte.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Unternehmen präsentierte am Montag eine Grundsatzeinigung mit dem amerikanisch-chinesischen Autozulieferer Key Safety Systems, der für rund 175 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) den Großteil von Takata übernehmen wird. Ausgenommen sind die Teile des Geschäfts, mit denen das Restunternehmen die Airbag-Rückrufe abwickeln will. Auch die finanziellen Ansprüche rund um die defekten Airbags bleiben bei dem Restunternehmen.Die Börse in Tokio erklärte, dass Takata am 27. Juli vom Kurszettel genommen werde.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Die Airbags von Takata, die nach einigen Jahren unter ungünstigen Witterungsbedingungen zu heftig auslösen können, werden weltweit mit 17 Todesfällen und mehr als 180 Verletzungen in Verbindung gebracht. Aufseher und Autobauer haben seit 2008 mehr als 100 Millionen Airbags zum Austausch zurückgerufen.

          Die Rückrufe wurden bislang von den Autobauern finanziert. Am schwersten betroffen ist Honda, das den Autozulieferer in den siebziger und achtziger Jahren zur Entwicklung und Produktion von Airbags angeregt hatte. 14 Autobauer arbeiten nach Angaben Takatas mit dem Unternehmen zusammen, um nach Japan auch in den Vereinigten Staaten eine Lösung zu finden, die eine Umstrukturierung ermöglicht.

          Das Interesse der Autobauer an einer Rettung Takatas besteht darin, dass sie die Rückrufe weiter abwickeln wollen. Im Kern geht es bei den Gesprächen darum, wie die Kosten aufgeteilt werden, ohne dass Takata, das auch Sicherheitsgurte oder Kindersitze herstellt, untergeht.

          Honda erklärte am Montag, dass es mit Takata weiter über die Verantwortung für die Rückrufe diskutiere. Toyota, das für die Rückrufe schon Geld zurückgelegt hatte, berichtete, es werde etwa 570 Milliarden Yen (4,6 Milliarden Euro) von Takata wohl nicht zurückerhalten. Subaru war noch am Rechnen, wie viel mehr Geld es werde beiseitelegen müssen.

          Nissan erklärte, es werde wahrscheinlich für frühere und künftige Airbag-Rückrufe nicht entschädigt werden. Man habe angemessene Rückstellungen gebildet. Von den Rückrufen betroffen sind unter anderem auch Mazda, Ford, Chrysler und BMW.

          Takata macht keine Angaben zu den erwarteten Gesamtkosten der Rückrufe, doch belaufen sich diese nach Schätzungen auf eine Billion Yen (8 Milliarden Euro) oder mehr. Takata stehen zudem mögliche Ansprüchen aus Entschädigungsklagen in Amerika und anderswo bevor. Im Januar hatte das Unternehmen sich in einem Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium darauf geeinigt, ein Bußgeld und zwei Entschädigungsfonds von insgesamt 1 Milliarde Dollar zu finanzieren.

          Die amerikanische Tochtergesellschaft von Takata, die ihren Antrag auf Gläubigerschutz noch am Sonntag in Delaware einreichte, bezifferte die Verbindlichkeiten mit 10 bis 50 Milliarden Dollar. Die europäische Tochtergesellschaft Takatas agiert rechtlich und finanziell eigenständig und ist von der Insolvenz der Muttergesellschaft in Japan direkt nicht betroffen. Sie wird aber ebenfalls mit an Key Safety Systems verkauft. Das amerikanische Unternehmen war 2016 vom chinesischen Zulieferer Ningbo Joyson Electronic Corporation gekauft worden.

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