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Autokonzern General Motors : Zündschlossdefekt mit Todesfolge

GM musste wegen eines Zündschlossdefekts Millionen Autos zurückrufen. Bild: AP

General Motors musste Millionen Autos wegen eines Zündschlossdefekts zurückrufen. Der Defekt verursachte Unfälle mit 35 Toten. Nun hat ein Richter ein Urteil gegen eine Frau aufgehoben, die für den Unfalltod ihres Verlobten vor zehn Jahren verantwortlich gemacht wurde.

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          Der Zündschlossdefekt, der den amerikanischen Autokonzern General Motors in diesem Jahr zum Rückruf mehrerer Millionen Fahrzeuge veranlasst hat, wird bisher mit 35 Todesfällen in Verbindung gebracht. Und er lässt auch die Schuldfrage in Unfällen mit den betroffenen Fahrzeugen in einem ganz neuen Licht erscheinen. Das unterstreicht jetzt die Entscheidung eines Richters in Texas. Der Richter hob ein Urteil gegen die 30 Jahre Candice Anderson auf, die für den Unfalltod ihres Verlobten vor zehn Jahren verantwortlich gemacht wurde. GM hatte zuvor zugegeben, dass der Zündschlossdefekt bei dem Unfall eine Rolle gespielt haben könnte. Für Anderson, die jahrelang mit dem Gefühl lebte, den Tod ihres Verlobten verschuldet zu haben, ist das eine späte Genugtuung.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Anderson hatte vor zehn Jahren die Kontrolle über ihren Saturn Ion verloren und fuhr in einen Baum. Die Airbags öffneten sich nicht, sie und ihr Verlobter waren nicht angeschnallt. Ihr Verlobter starb, sie selbst trug schwere Verletzungen davon. Bei den Ermittlungen der Polizei kam heraus, dass Anderson zum Zeitpunkt des Unfalls Spuren des Beruhigungsmittels Xanax in sich hatte. Anderson bekannte sich schließlich der fahrlässigen Tötung für schuldig. Sie wurde zu einer Geldstrafe und mehrjähriger Bewährung verurteilt. Die Bestrafung machte es schwierig für sie, Arbeit zu finden.

          In die „Aus“-Position gesprungen

          Die Rückrufe haben nun dafür gesorgt, dass der Fall noch einmal neu aufgerollt wurde. GM gab in diesem Jahr zu, dass der Defekt den Zündschlüssel in die „Aus“-Position springen lassen kann. In dem Fall könne sich nicht nur der Motor abschalten, sondern auch elektrische Komponenten wie Airbags. GM wurde vorgeworfen, die Autos viel zu spät zurückgerufen zu haben, denn die Schwierigkeiten mit den Bauteilen waren offenbar seit Jahren bekannt.

          GM hat den prominenten Anwalt Kenneth Feinberg mit der Entschädigung von Unfallopfern und deren Hinterbliebenen beauftragt. Feinberg hat gesagt, dass die Hinterbliebenen bei einem Todesfall mindestens eine Million Dollar bekommen sollen. GM hat ursprünglich von 13 Todesopfern gesprochen, die im Zusammenhang mit dem Zündschlossdefekt stehen. Feinberg hat diese Zahl seither mehrmals auf mittlerweile 35 nach oben korrigiert. Candice Anderson sagte jetzt der Zeitung „Wall Street Journal“, sie wolle womöglich vom Feinberg-Fonds eine Entschädigung beantragen. Sie wolle GM aber nicht selbst verklagen, um sich Wiedergutmachung für ihre Verurteilung zu erkämpfen.

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