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Auch Thyssen bietet : Brisanter U-Boot-Verkauf an Australien

U-Boote nahe Rockingham in West-Australien Bild: AFP

Australien will neue Unterseebote kaufen. In dem Land ist ein bizarres Ringen losgebrochen darüber, wer den Zuschlag bekommt. Ein bisschen wie im Film.

          Die Jagdsaison ist eröffnet. Innerhalb von vier Tagen hat die konservative australische Tageszeitung „The Australian“ dreimal lang und breit darüber berichtet, dass meist ungenannte Quellen Amerika und Australien bevorzugten, wenn die Regierung in Canberra Unterseeboote in Japan kaufte. Es geht um einen Auftrag von zunächst acht, später vielleicht zwölf Booten für eine Summe von rund 50 Milliarden Australischen Dollar (32,4 Milliarden Euro) über die Lebensspanne der Schiffe. Im Rennen sind neben den Japanern auch die Staatswerft DCNS aus Frankreich und die Marinesparte von Thyssen-Krupp (TKMS).

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bis zum Sommer sollte eine erste Auswahl unter den Bewerbern getroffen sein. Deshalb kommen nun die Spin-Doktoren ins Spiel, die großen Geschichten-Erzähler. Es werden Gerüchte lanciert, um die Öffentlichkeit und die Politiker zu beeinflussen. Aus dem japanisch-amerikanischen Lager heißt es, dass die Amerikaner sich scheuten, die deutschen Boote für Australien wie geplant zu bewaffnen, weil China leichter deutsche Waffentechnologie ausspionieren könne.

          Um trotz dieses Kampfes mit harten Bandagen auf weltpolitischer Bühne bestehen zu können, haben die Bundesregierung und TKMS die Reihen geschlossen. Das mag mancher als anrüchig empfinden. Aber Berlin hat erstmals für einen solchen Auftrag garantiert, dass der im Angebot an die Australier genannte Preis jenem entspräche, den auch die deutsche Marine für solche Boote zahlen müsste. Und TKMS seinerseits erklärt sich bereit, die führende australische Marinewerft ASC auch vollständig zu kaufen, würden dies die Australier bei der Auftragsvergabe verlangen.

          Für TKMS geht es um viel: Das Unternehmen wüchse in eine völlig neue Dimension, würde es in Australien gewinnen. Schlecht stehen die Chancen nicht. Auch weil die Spin-Doktoren aus Japan und dem konservativen Lager um den früheren australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott in diesen Tagen einen miesen Job machen: Am Montag berichtete „The Australian“, die Amerikaner würden sich weigern, den Australiern ihre neuesten Waffensysteme zu verkaufen, entschiede Canberra sich für deutsche Boote.

          Dass dies Unsinn ist, lässt sich leicht erkennen: Zum einen hat der Stadtstaat Singapur zwei Boote von TKMS erworben und ist der engste Partner der Amerikaner, ausgestattet mit deren Technologie. Zum anderen würde Amerika mit einem solchen Verhalten Deutschland als Partner in der Nato vollkommen brüskieren.

          So ruderte „The Australian“ am Dienstag denn auch schnell zurück – hatte der amerikanische Botschafter in Canberra vielleicht zuvor den Chefredakteur angerufen? Heute war aus der Feder seines wichtigsten politischen Kommentators zu lesen: Die Amerikaner seien nun doch plötzlich willens, ihre neueste Technologie auch in TKMS-Boote einbauen zu lassen. Die japanischen wären ihnen nur noch lieber.

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