https://www.faz.net/-gqe-7tr3s

Konkurrenz-Diplomatie : Hase und Igel in Asien

Das nächste Schwergewicht zu Besuch: Chinas Präsident Xi (links) besucht in Indien Ministerpräsident Modi. Bild: AFP

Derzeit läuft die Besuchsdiplomatie in Asien auf Hochtouren. Ob Japan, China und Amerika - sie alle umwerben den Süden der Region, um ihre eigene Macht zu stärken.

          2 Min.

          Die Reisediplomatie in Asien strebt einem neuen Höhepunkt entgegen: Der chinesische Präsident Xi Jinping wird in der nächsten Woche in der indischen Hauptstadt Neu Delhi erwartet. Zuvor hatte Indiens neuer Ministerpräsident Narendra Modi seinen japanischen Kollegen Shinzo Abe besucht. Die beiden Demokratien wollen enger zusammenarbeiten, Japan ist einer der großen Investoren in die Infrastruktur Indiens. Die enge Umarmung von Abe und Modi wurde von vielen als Symbol für die Zusammenarbeit der beiden Länder – unter Ausschluss Chinas – gewertet. Australiens Ministerpräsident Tony Abbott hatte zwischenzeitlich bei seiner Visite in Delhi die Lieferung von Uran als Brennstoff für Kernkraftwerke zugesagt.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Modis große Chance liegt darin, die Interessenten an Indien gegeneinander auszuspielen. Gelingt ihm dies, darf Indien die dringend benötigten Investitionen gleich von mehreren Seiten erwarten. Auch die Sicherheit der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens würde steigen. Bis jetzt scheint die Strategie zu greifen: Aus Japan, von seiner ersten großen Auslandsreise, kehrte Modi mit einer Zusage über Investitionen im Gesamtwert von 35 Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren heim. Zudem vereinbarten Abe und Modi eine „spezielle strategische und globale Partnerschaft“ ihrer Länder. Dahinter könnten sich auch Waffenlieferungen verbergen.

          Auch Xi wird die Taschen voll haben, wenn er nach Delhi kommt. Wie schon den Generälen in Thailand wird Xi auch den Indern den Bau von dringend benötigten Schnellzugstrecken anbieten. Schon damit brächte er die Inder in eine angenehmen Situation der Wahl: Denn auch Japan hat ihnen das eigene Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz offeriert. Xi hat dem ehemaligen Kriegsgegner, mit dem es immer noch Territorialstreitigkeiten gibt, die Hand gereicht: Auf dem Gipfel der großen Schwellenländer Brasilien, China, Indien, Russland und Südafrika, wo sich die beiden erstmals trafen, erklärte der chinesische Präsident: „China und Indien sind viel eher langjährige strategische und Partner, die zusammenarbeiten, als Rivalen.“  China ist bemüht, möglichst viele Partner in Asien an sich zu binden, da es den Druck insbesondere von Japan, Vietnam und den Philippinen im Verbund mit Amerika als Antwort auf sein Vorpreschen im Südchinesischen Meer zu spüren bekommt.

          China ist Indiens größter Handelspartner

          Schon heute ist China Indiens größter Handelspartner, allerdings verbuchen die Inder dabei ein Defizit von 34 Milliarden Dollar. China steht für rund 9 Prozent des Handelsvolumens Indiens. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 6 Prozent. Der Anteil des Handels mit Japan sank im selben Zeitraum von 3 auf 2 Prozent.

          Dass er – wohl auch gezwungenermaßen - offen ist, zeigt Xi allerdings auch mit der Visite in Sri Lanka auf derselben Reise, mit dem Indien ein schwieriges Verhältnis verbindet. Erwartet wird Xi ab Freitag auch in Tadschikistan, später noch auf den Malediven. Pakistan hingegen lässt der Chinese aus, weil es dort zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung kommt. Eigentlich hätte Xi im notleidenden Pakistan Investitionsabkommen im Gesamtwert von 34 Milliarden Dollar unterzeichnen sollen.

          Erst in der vergangenen Woche hatte Japans Ministerpräsident Abe seinerseits Bangladesch und Sri Lanka besucht. Abes und Xis Besuchsliste erinnert an Hase und Igel: die beiden nordasiatischen Kontrahenten ringen um die Nähe der Entwicklungsländer Südasiens, um ihre Machtgefüge zu stärken. Wirklich interessant wird die asiatische Diplomatie allerdings erst Ende September: Nachdem ihm ab 2005 aufgrund seiner ungeklärten Rolle in einem Massaker an Muslimen in Indien 2002 das amerikanische Visa vorenthalten worden war, empfängt Präsident Barack Obama Modi dann in Washington.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.