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Schwächere Daten : Asiens Wirtschaft verliert Schwung

Handelshaus in Beijing Bild: AP

Der Aktienkursrutsch zum Jahresbeginn setzt sich zunächst nicht fort, dafür hat auch Chinas Notenbank gesorgt. Dafür kommen schwächere Daten auch aus anderen Ländern der Region.

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          Nach ihrem schlechtesten Jahresbeginn seit 1988 haben die asiatischen Börsen am Dienstagmorgen zumindest nicht weiter verloren. Zuvor hatte die chinesische Notenbank umgerechnet knapp 20 Milliarden Euro zur Stabilisierung in den Markt gepumpt. Der Börsenindex MSCI Asia Pacific pendelte am Dienstagmorgen in Tokio zwischen geringen Verlusten und leichten Gewinnen. Die meisten Analysten übten sich am Dienstag darin, die Anleger zu beruhigen: Die Handelsunterbrechung im chinesischen Markt am Montag nach einem Rückgang des Index um 7 Prozent hätten zu Überreaktionen geführt.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auf mittlere Sicht aber trübt sich die Aussicht weiter ein. Trotz aller Versprechen der Regierung über wirtschaftliche Wundertaten gibt nun auch der Index der Einkäufer (PMI) in Indien erstmals seit zwei Jahren nach: Hatte er noch im November bei 50,3 gestanden, sank er im Dezember auf einen Wert von 49,1. Jeder Wert unterhalb der Linie von 50 verweist auf ein Schrumpfen der herstellenden Industrie, bei einem Wert oberhalb der 50 wächst sie. Zuletzt hatte der PMI in Indien im Oktober 2013 unterhalb der Wasserscheide von 50 notiert. Analysten machten dafür die schwindende weltweite Nachfrage aber auch die Überflutungen in Südindien im Dezember verantwortlich. Der Index für den Ausstoß der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens sank auf einen Wert von nur noch 46,8. So niedrig hatte er zuletzt im Zuge der Finanzkrise Anfang 2009 notiert. Die Hoffnung lastet nun auf der indischen Notenbank , angesichts einer relativ niedrigen Inflationsrate den Leitzins um bis zu 125 Basispunkte zu senken und so die Konjunktur zu stützen.

          Auch in China, in Indonesien, der größten Volkswirtschaft Südostasiens, und in Malaysia sowie Singapur sinkt der jeweilige PMI. Allein in Südkorea lag die Ausfuhr im Dezember 14 Prozent unter dem Vorjahreswert. „Asien wirkt wirklich fad“, sagt Frederic Neumann, Chefvolkswirt für Asien bei der Bank HSBC. Südkorea schaffte es im Dezember nach Monaten des Schrumpfens erstmals wieder knapp über die Wasserlinie genauso wie Taiwan – das allerdings nach acht Monaten des Rückgangs. Unter dem Strich hat sich in ganz Asien damit die Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivität im Dezember weiter verschärft. „Geht man davon aus, dass sich die Lager noch nicht ausreichend angepasst haben, heißt dies, dass die Produktion sich in den nächsten Monaten weiter verlangsamen wird“, warnt Neumann.

          Immer lauter werden nun die Warnungen vor einem Teufelskreis: Sinkt die Produktion in Asien, verlangsamt sich das Wachstum der Löhne – in der Vergangenheit waren die jährlichen Zuwächse durchaus zweistellig. Haben die Menschen aber erst das Gefühl, nicht genug Geld in den Taschen zu haben, kaufen sie weniger. Dabei müssten die Verbraucher der so oft beschriebenen neuen Mittelschicht Asiens den langsameren Exportzuwachs ausgleichen. Indien allein aber muss im Jahr rund zwölf Millionen neuer Stellen schaffen, Indonesien mehr als fünf Millionen, und in China deutet inzwischen alles auf einen Verlust von Arbeitsplätzen hin. „Ohne, dass China den Weg weist, fällt es schwer zu erkennen, wie die Region eine überzeugende Erholung hinlegen sollte“, warnt Neumann. 

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