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Reformen in Asien : Warum der niedrige Ölpreis das Wachstum antreibt

Ökonomen rechnen für China nur noch mit einer Wachstumsrate von etwa 7 Prozent. Im vergangenen Jahr lag die offizielle Wachstumsrate noch bei 7,4 Prozent. Bild: AP

Die Weltbank erwartet für die kommenden Jahre ein schwächeres Wachstum in China, darunter wird die Region leiden. Dafür bietet sich den Ländern in Ostasien eine neue Chance: der niedrige Ölpreis.

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          Die Schwellen- und Entwicklungsländer der Region Ostasien und Pazifik bekommen das schwache Klima der Weltwirtschaft zu spüren, ohne es durch die Gewinne aus dem niedrigeren Ölpreis völlig ausgleichen zu können. So geht die Weltbank in ihrem am Montagmorgen in Singapur vorgelegten Ausblick für die Region davon aus, dass deren Wachstumsrate sich in den nächsten beiden Jahren abschwächen werde. Der Hauptgrund dafür liegt in der erwarteten Abkühlung der Konjunktur in China.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Ökonomen gehen von einer deutlichen Verlangsamung aus: Sie rechnen nun noch mit einer Wachstumsrate von etwa 7 Prozent für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den nächsten beiden Jahren. Im vergangenen Jahr lag die offizielle Wachstumsrate noch bei 7,4 Prozent. „Ein deutlicher Abschwung, auch wenn er unwahrscheinlich erscheint, würde die Auswirkungen insbesondere auf Bodenschatzexporteure, noch stärker ausweiten“, warnte die Weltbank am Montag in Singapur. Für Japan rechnen die Weltbankökonomen mit einer Wachstumsrate von 1,4 Prozent in den nächsten beiden Jahren nach der Stagnation der Vergangenheit.

          Bedeutung Chinas für Asien

          Die weitere Abkühlung in Asiens größter Volkswirtschaft China wird damit das Wachstum der Region auf 6,7 Prozent in den nächsten beiden Jahren drücken. 2014 hatte die Rate noch bei 6,9 Prozent gelegen. Einmal mehr zeigt sich die Bedeutung Chinas für Asien: Denn ohne das nun schwächere China wird das summierte Wachstum Ostasiens sogar spürbar zulegen. Es sollte in diesem Jahr um einen halben Prozentpunkt auf 5,1 Prozent steigen. Die gute Nachricht dabei ist vor allem, dass die Weltbank den heimischen Konsum als Treiber betrachtet. Er wird angeheizt durch ein weiterhin positives Klima in der Mittelschicht und den gebremsten Preisanstieg aufgrund des niedrigen Ölpreises.

          Die Ökonomen rechnen damit, dass der um 45 Prozent gefallene Ölpreis sich bis 2017 nur „leicht“ erholen werde. Auch der Preis für Flüssiggas (LNG),  das vor allem nach Japan geht, werde in diesem Jahr 30 Prozent unter Vorjahresniveau liegen und danach konstant bleiben. „Der niedrigere Ölpreis wird die heimische Nachfrage in den meisten Ländern Ostasien treiben. Das gibt den Politikern eine einmalige Gelegenheit, Reformen voranzutreiben, die die Staatseinnahmen steigern. Sie sollten die Ausgaben neu auszurichten auf Sektoren wie Infrastruktur und andere produktive Bereiche“, mahnte Axel van Trotsenburg, Vice President der Weltbank für Ostasien und Pazifik mit Sitz in Singapur. „Die Reformen können Ostasiens Wettbewerbskraft steigern helfen, und dazu beitragen, die Region als den Wirtschaftsmotor der Welt zu erhalten.“

          Nur die – eher kleinen – Rohstoffausfuhrländer Asiens wie Brunei-Darussalam oder die Mongolei leiden unter dem Preisverfall der Rohstoffmärkte. „Trotz des etwas geringeren Wachstums in Ostasien steht die Region weiterhin für ein Drittel des Wachstums der Welt, doppelt so viel wie alle anderen Entwicklungsregionen der Welt aufbringen“, sagte van Trotsenburg.

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