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Asien : Die Überschuldung von Chinas Firmen könnte dramatisch enden

Hafen in Qingdao, China Bild: REUTERS

Chinesische Unternehmen sitzen erstmals auf einem höheren Schuldenberg als die amerikanischen. Doch ist ihre Qualität im Durchschnitt deutlich geringer. Daraus könnte ein Risiko für die Weltwirtschaft entstehen.

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          China ist inzwischen weltweit der größte Markt für Unternehmensanleihen. Die Gefahr für den Weltmarkt wächst dadurch, insbesondere aufgrund der Lage in China. „Die Kombination schwächerer Finanzdaten, langsameren Wachstums, eines schwierigeren Zugangs zu Krediten und höherer Zinsen stellt chinesische Schuldner auf Unternehmensebene, insbesondere kleine und mittlere Firmen, vor große Herausforderungen. Dieses wachsende Risiko in China erhöht weltweit das Risiko für Unternehmen. Jeder größere Rückschritt für Chinas Firmen könnte schnell auf andere Länder übergreifen“, warnt die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P).

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          China hat im vergangenen Jahr – früher als erwartet – Amerika als größten Markt für Unternehmensanleihen überholt. S&P rechnet damit, dass Unternehmen weltweit bis 2018 bis zu 60 Billionen Dollar Neuverschuldung aufnehmen werden, oder bestehenden Schulden finanzieren. In der Region Asien-Pazifik wird dann in etwa die Hälfte der dafür notwendigen Schuldtitel ausgegeben werden.

          Weltmeister ist inzwischen China, wo die Unternehmen auf mehr Schulden sitzen, als diejenigen irgendeines anderen Landes. So schätzt die amerikanische Ratingagentur, dass der Schuldenberg chinesischer Firmen Ende vergangenen Jahres schon 14,2 Billionen Dollar betrug. In Amerika lag der Wert bei 13,1 Billionen. Die Neuverschuldung und Umschuldung Chinas werde bis 2018 auf 20,4 Billionen Dollar steigen – etwa ein Drittel der weltweiten Summe. „Dies bedeutet ein weltweit höheres Kreditrisiko, weil der Anteil der Schwellenländer größer wird.“ S&P warnt davor, dass die Kreditqualität der Firmen in Asien-Pazifik grundsätzlich niedriger läge als diejenige von Unternehmen in Amerika oder Europa. „In der Konsequenz könnte, ohne eine genauere Prüfung der Risiken durch Gläubiger und Investoren und eine höhere Achtsamkeit durch die Aufsichtsbehörden bei der Einschränkung dieser Risiken, künftig eine wachsende Gefahr für die Finanzmärkte von Asien ausgehen.“

          Dies ist eine gewundene Umschreibung für ein Bedrohungsszenario, das zu großen Teilen eben aus China selber stammt. „Angesichts des bedeutenden Anteils der Schattenbanken nicht nur an Chinas Unternehmensschulden sondern auch an denjenigen der Finanzvehikel der lokalen und regionalen Regierungen wäre ein scharfer Einbruch der Gesamtwirtschaft abträglich. Eine Schrumpfung würde besonders kleine und mittlere Unternehmen treffen, die nur eingeschränkteren Zugang zu Bankkrediten haben.“

          Besonders gefährdet erscheinen den Analysten Chinas Häusermarkt und der Stahlsektor. Denn das Wachstum im Immobilienbereich ist zu weiten Teilen kreditfinanziert, wobei Teile der Finanzierung eben von den Schattenbanken stammen. „Der Appetit der Immobilienentwickler bleibt hoch.“ Das Überangebot hat die Preise für Immobilien in diesem Jahr schon um 10 Prozent fallen lassen, was sich direkt auf den Baubereich auswirkt. Damit entsteht Druck auf den Stahlmarkt, der seit Jahren von Überkapazitäten geprägt ist. „Wir erwarten mehr Firmenzusammenbrüche im Stahlbereich“, bemerken die Analysten.

          Doch wie im Domino-Spiel geht die Kaskade weiter: Die Risiken im Immobiliensektor Chinas deklinieren sich über den Bau, den Stahl bis hinunter auf die Eisenerzpreise und damit auf Australien oder Brasilien: Erstmals seit 2012 fiel der Preis für eine Tonne Erz zu Wochenbeginn wieder unter 90 Dollar. Da Förderer wie die brasilianische Vale oder der australische Weltmarktführer BHP Billiton ihre Kapazitäten sogar ausweiten, hat der Preis seit Jahresbeginn schon um 34 Prozent nachgegeben. Die Lagerhalden türmen sich mit gut 106 Millionen Tonnen inzwischen fast auf Rekordhöhe.

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