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Arbeitsgericht : Pannenbank darf Mitarbeiterin nicht kündigen

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Nur nicht einschlafen! Bild: obs

Sekundenschlaf, Sekundenkontrolle: So leicht wurden in einer deutschen Bank aus 62 Euro 222 Millionen. Das fiel auch der Kontrolleurin nicht auf. Die Bank darf dieser nicht kündigen.

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          Man wüsste ja zu gern, um welche Bank es sich handelte. Zumindest muss sie wohl in Hessen sein, war für den Fall doch das Hessische Landesarbeitsgericht zuständig. Jedenfalls zeigte sich, dass es gut ist, manche Dinge zweimal zu prüfen und vielleicht etwas mehr Zeit dafür einzuplanen.

          Ein Rentner hatte 62,40 Euro überweisen wollen. Doch in der Pannenbank nickte zuerst der Sachbearbeiter ein, der den Beleg abtippte. Dabei fiel er wohl auf die „2“ der Tastatur. Sekundenschlaf heißt es, vielleicht klemmte ja auch bloß die Tastatur. Jedenfalls lautete die Zahlungsanweisung dann auf 222 Millionen Euro, genauer gesagt 222.222.222,22 Euro.

          Sekundenprüfung

          Da solche Fälle immer mal wieder vorkommen war eine zweite Mitarbeiterin für die Überprüfung zuständig. Der fiel das aber nicht auf. Angesichts ihres Arbeitspensums kein Wunder. Am 2. April überprüfte sie nach Angaben des Gerichts 603 Belege innerhalb von weniger als 1,4 Sekunden, 105 Belege innerhalb von 1,5 bis 3 Sekunden und nur 104 Belege in mehr als drei Sekunden. Da kann man schon mal eine Millionenüberweisung mit seltsamen Beträgen übersehen.

          Später fiel der Zahlensalat bei einer systeminternen Überprüfung dann doch noch auf und wurde korrigiert. Die Bank kündigte daraufhin der Kontrolleurin mit dem Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung. Sie habe die Belege gar nicht geprüft..

          Sowohl fristlose Kündigung als auch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses kassierte jetzt das Hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt laut Mitteilung vom Montag (Az. 9 Sa 1315/12). Es habe keine vorsätzliche Schädigung vorgelegen, auch sei der Arbeitsablauf nicht vorsätzlich manipuliert worden. Der schwere Fehler reiche für eine Kündigung nicht aus. Was aus dem Mitarbeiter wurde, der auf der „2“ einschlief, ist nicht bekannt.

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