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Apple : Sind in China iPhones explodiert?

Apple-Laden in Peking: Die Smartphones aus dem Silicon Valley dürften dort nicht mehr verkauft werden. Bild: AP

Apple steht in China unter Druck: Batterien des iPhone 6 sollen Feuer gefangen haben. Jetzt hat sich das Unternehmen erstmals dazu geäußert.

          Das Video, das bis heute Millionen Chinesen angeschaut haben, ruft Erinnerungen wach an die Bilder ausgebrannter Smartphones des Typs Galaxy Note 7. Nur, dass es dieses Mal nicht um den Hersteller Samsung geht, sondern um Apple.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Ein Mann aus der zentralchinesischen Provinz Henan hält ein zerstörtes Mobiltelefon in die Kamera. Angetan mit schwarzer Sonnenbrille und schwarzer Baseballmütze, erklärt er gestenreich, wie sein gerade erst neu gekauftes Telefon angeblich an seinem Ohr explodiert sei: „Boom!“.

          Dann zeigt er vermeintliche Schürfwunden an Händen und Wangenknochen, links unterhalb der linken Augenpartie. Kameraschwenk auf eine Rechnung, die dem Anschein nach schwarz auf weiß den Beweis liefert, dass ein sehr großer amerikanischer Konsumgüterhersteller ab sofort ein sehr großes Problem hat: „iPhone 7, Rose Gold, 32 GB“ ist unter einem chinesischen Stempel zu lesen.

          „Meine Hände waren komplett taub“, sagt der Mann in dem Video. „Auf meinem Gesicht war zerbrochenes Glas.“ Über 6000 Yuan (807 Euro) habe er für das Originalgerät ausgegeben, aber der Apple-Kundendienst habe ihm nicht weitergeholfen und allein darauf verwiesen, dass man die Angelegenheit an die Zentrale in Kalifornien weitergebe. „Ich bin sehr wütend.“

          Gedreht und auf dem Videokanal Miaopai eingestellt hat den Film eine Internetnachrichtenseite namens Yishou Video, was auf Deutsch so viel wie „Aus erster Hand“ bedeutet. Im chinesischen Internet hat sich der professionell gemachte Bericht über den angeblichen Vorfall, der im Oktober stattgefunden haben soll, rasend schnell verbreitet. Es ist bei weitem nicht das größte Problem, was Apple auf seinem zweitgrößten Markt China derzeit hat.

          Der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV hat jüngst einen Bericht ausgestrahlt, wonach im März 2015 eine „sehr loyale“ Apple-Kundin ein iPhone 6s gekauft habe. Im Sommer dieses Jahres sei es dann „explodiert“, und zwar „genau neben meinem Bein“, als sie im Auto gesessen habe. Zum Glück habe sie das brennende Gerät mit einem Fußtritt augenblicklich nach draußen befördern können, so dass ihr Körper keinen Schaden genommen habe.

          Erinnerungen ans Galaxy 7

          Als Samsung nach wiederholten Berichten über explodierende und brennende Galaxy-7-Modelle 2,5 Millionen Geräte vom Markt nahm und deren Produktion einstellte, prognostizierte der koreanische Konzern, dass sein operativer Gewinn im dritten Quartal um nicht weniger als ein Drittel einbrechen werde.

          Die Bank Credit Suisse schätzte den entgangenen Umsatz auf 17 Milliarden Dollar. Kein Wunder, dass Apple aufmerksam zuhörte, als sich vergangene Woche in Schanghai die örtliche Verbraucherschutzbehörde namens „Consumer Council“ mit einem Report über die Sicherheit von iPhones in der Öffentlichkeit meldete.

          Die Batterien von acht iPhones chinesischer Kunden hätten laut Kundenberichten Feuer gefangen, behaupteten die Beamten – allerdings handele es sich nicht um das neueste Modell 7, sondern um das Vorvorgängermodell 6. Außerdem würden sich manche Apple-Telefone von selbst abschalten. Der kalifornische Konzern solle sich den Kunden gegenüber „verantwortungsbewusst“ zeigen. „Ein großer Teil der Beschwerden wird nicht effizient bearbeitet.“

          „Thermischer Vorfall“

          Kann das iPhone  - welcher Baureihe auch immer – tatsächlich Feuer fangen oder gar explodieren? Das wäre zunächst eine Gefahr für Leib und Leben seiner Kunden oder deren Umgebung. Dann folgte der wirtschaftliche Schaden: Nicht auszudenken, was dies für den Apple-Konzern, seine Aktionäre und Zulieferer bedeuten würde. Es wäre ein Szenario, das weit größer wäre als Unmut über „nicht effizient bearbeitete“ Beschwerden einzelner Apple-Kunden in China.

          Am Dienstag hat sich Apple gegen die Vorwürfe aus dem Reich der Mitte zum ersten Mal öffentlich geäußert – und hat diese entschieden zurückgewiesen. „Die Geräte, die wir bisher untersucht haben, haben klar gezeigt, dass sie eine externe physische Beschädigung erlitten haben, die daraufhin zu dem thermischen Vorfall geführt haben“, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters. Die bereits laufenden Untersuchungen des Vorfalls mit sich selbst abschaltenden Geräten würden daneben ausgeweitet.

          Ob dies die Kunden beruhigen wird, ist nicht ausgemacht. Bekommt Apple ein China-Problem? Nachdem die Verkäufe im Jahr zuvor um 84 Prozent in China und Hongkong angestiegen waren, sind sie im Vergleich dazu im Ende September geendeten jüngsten Geschäftsjahr um 17 Prozent gefallen. Das neue iPhone 7 sollte die Verkaufszahlen eigentlich wieder nach oben treiben. Diese Hoffnung hat nun zumindest einen Dämpfer erlitten. 

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