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Weltpolitik : Die globalen Machtspiele der Gipfelstürmer

Willkommen in China, Mr. President: Barack Obama an diesem Montag in Peking Bild: Reuters

In Asien beginnt ein Reigen von Spitzentreffen, bei denen es um die Zukunft der Welt geht. Amerika versucht, Chinas wachsenden Einfluss einzudämmen.

          Es ist ein beispielloser Gipfelmarathon, durch den sich Asien in dieser Woche quält. Auf die Konferenz der Pazifik-Anrainer in Peking (Apec) folgt diejenige der südostasiatischen Staaten (Asean), an der auch ihre wichtigsten strategischen Partner teilnehmen werden. Am nächsten Wochenende gipfeln die Gipfeltreffen dann mit dem Treffen der 20 führenden Industriemächte (G20) im australischen Brisbane. Dort wird neben den Präsidenten Amerikas, Russlands und Chinas, Obama, Putin und Xi, auch Bundeskanzlerin Merkel anreisen. 

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Spitzentreffen der Politiker und an deren Rande der Unternehmer und Manager führen zu bisweilen obskuren Entwicklungen: In Peking hat die Regierung seit Tagen die Industrie heruntergefahren, um die Luft erträglicher zu machen. In Brisbane wurde bekanntgegeben, dass in der Innenstadt während der Gipfelzeit niemand mehr ein Surfboard transportieren darf – auch wenn Brisbane an einem Fluss und nicht am Meer liegt, ein Sakrileg für Australier. Nur in Naypyidaw, der Hauptstadt von Myanmar, besser bekannt als Burma, wo die Südostasiaten zusammentreten, kommt es kaum zu Einschränkungen, weil dort sowieso kaum Menschen leben.

          Peking will die Region leiten

          Doch jenseits allen Geplänkels geht es auf den Gipfeln um viel. Nicht nur, dass Putin und die westliche Allianz der Regierungschefs zusammenkommen. Auch China und Japan haben die Chance, sich wieder anzunähern. In Burma wird Obama auf weitere Reformen drängen, da der Reformkurs dort ins Stocken geraten ist. Bei G20 könnte der amerikanische Präsident direkt auf Putin treffen. Zudem hat er für Brisbane eine grundlegende Rede über Amerikas künftige Rolle in Asien angekündigt. Keine Frage, dass dabei die engen Partner Japan und Australien die wichtigste Rolle spielen sollen, Indien und Südkorea aber eingebunden werden müssen.

          Fraglos steht in dieser Woche einmal mehr China im Mittelpunkt. Mit seiner Aussage, es gebe zwar Risiken in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde, die Lage sei aber nicht furchterregend, hatte Präsident Xi Jinping am Sonntag schon einen ersten Pflock eingerammt. China will weiter als Hort der Stabilität der Region angesehen werden. Damit wollen die Chinesen Amerikas Einfluss und die Macht von Barack Obama dort eindämmen – Peking will die Region leiten, Amerika wird aus seiner Sicht dafür nicht benötigt, sondern schafft Unruhe. Im vergangenen Jahr, als Obama den Apec-Gipfel hatte ausfallen lassen müssen, reichten die Chinesen den Nachbarländern die Hände wie ein großer Bruder. In dieser Woche dürfte es zu Machtspielen kommen.

          Chinas Konkurrenz zur Weltbank

          Dabei sind die Nadelstiche fein gesetzt. So will China neben einer eigenen Entwicklungsbank auch noch einen „Seidenstraßen-Fonds“ gründen, der mit 40 Milliarden Dollar den dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur in Asien fördert. Damit stehen der vom Westen bestimmten Weltbank und der japanisch geführten Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) bald zwei asiatische Entwicklungsbanken, eine der Schwellenländer und ein chinesischer Fonds, entgegen. Noch offensichtlicher wird die Konfrontation beim Ringen um eine amerikanische und eine chinesisch bestimmte Freihandelszone.

          Wichtig sind auch diejenigen Treffen, auf die die Weltöffentlichkeit weniger schauen wird. So betreten der seit Ende Mai amtierende indische Ministerpräsident Narendra Modi und der gerade ins Amt gekommene indonesische Präsident Joko Widodo erstmals beim Gipfelreigen die Weltbühne. Sie sind gesuchte Gesprächspartner, da sowohl Amerika als auch China um die Unterstützung der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens (Indien) und der größten Volkswirtschaft Südostasiens (Indonesien) ringen. Widodo kommt zusätzlicher Einfluss zu, da er das mit 250 Millionen Menschen größte muslimische Land der Erde führt.

          Hoffnung auf Südkorea und Japan

          Auch wird der Westen, vertreten bei Apec vor allem durch Obama und den australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott, sich bemühen, den japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und die Präsidentin Südkoreas, Park Gen-hye an einen Tisch zu bringen: Die Nachbarn müssen wieder zusammenfinden, soll die Allianz gegen China gestärkt werden. Offen ist der Ausgang der Treffen zwischen Abe und Xi – von ihnen aber hängt der Frieden in der ganzen Region ab.

          Die Verlagerung der Gewichte rund um den Pazifik in Richtung China lässt sich an Zahlen ablesen: Als China die Apec-Konferenz 2001 ausrichtete, lag seine Wirtschaftsleistung bei 2,1 Billionen Dollar. Heute sind es gut 9 Billionen. „Damals, 2001, fragte China höflich, ob es auch den Verhandlungsraum betreten dürfe. 2014 will China die Bühne bestimmen“, fasst Chen Fengying, Wissenschaftler am China Institute of Contemporary International Relations, die Lage treffend zusammen. Im vergangenen Jahr hatte Obama diese Bühne Xi überlassen. Nun ist der amerikanische Präsident zurück. Und wird zu kontern versuchen, was der chinesische Präsident zwischenzeitlich an Boden gut gemacht hat.

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