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APEC-Konferenz : Gipfelsturm in Manila

Nicht alle lieben den APEC-Gipfel Bild: Reuters

Wenn Obama und Xi beim APEC-Gipfel anreisen, müssen alle anderen den Atem anhalten. Und lächeln, wie Jose und Garry.

          Normalerweise berichten wir an dieser Stelle mit großer Ernsthaftigkeit über die Ereignisse, die die Welt schon bewegen, während Deutschland noch schläft. Heute aber lüften wir ein wenig den Vorhang, um zu zeigen, wie solche Berichte zustanden kommen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Beispielsweise aus Manila. Da treffen in diesen Tagen Barack Obama, Chinas Präsident Xi Jinping Japans Shinzo Abe, um über die Zukunft der Pazifikregion zu verhandeln. Das ist in einer armen Stadt mit geschätzten fast 19 Millionen Einwohnern ein gewagter Plan. Denn der Apec-Gipfel spült rund 10.000 Delegierte und wohl dieselbe Zahl an Journalisten in die Stadt.

          Der Slogan hier heißt: Apec bringt den Philippinen mehr Spaß. Das sieht nicht jeder so. 9 Milliarden Peso, rund 180 Millionen Euro, hat der Gipfel die scheidende Regierung mindestens gekostet – zu viel Geld, und das auch noch falsch eingesetzt, monieren die Kritiker. Besser wäre es gewesen, dies den Millionen von Armen zukommen zu lassen, sagen sie. Die Konferenz sei nichts anderes als ein Abschiedsgeschenk, das sich der scheidende Präsident Benigno Aquino zum Ende seiner Amtszeit selber mache.

          Nur der Gipfel fährt noch in Manila

          Sollte das stimmen, hat er es richtig krachen lassen. Vor dem Tagungszentrum stehen Flugabwehrkanonen und Militärhubschrauber. Panzer und Feuerwehrfahrzeuge warten in den Straßen darum herum. Mehr als tausend Flüge nach Manila wurden gestrichen, um Obama und Co. die ungestörte Einreise zu ermöglichen. Und unzählige Polizeikohorten parken ihre teils abenteuerlichen Wagen an den Straßenkreuzungen, unterstützt von Zoll, Küstenwache und Menschen in Zivil mit Trillerpfeifen, die den Verkehr regeln. Wann immer die „Führer“ einer der 21 teilnehmenden Nationen in ihren gepanzerten Kolonnen von einem Tagungsort zum anderen rauschen, werden die Straßen vollständig gesperrt. Auf den großen Tangenten werden Spuren offengehalten, um den Apec-Limousinen und den Bussen der Delegationen freie Fahrt zu gewähren.

          Deshalb kann sonst niemand mehr in Manila fahren. Menschen berichten, sie hätten wegen Apec mehr als fünf Stunden im Stau gestanden – um 7 Kilometer zurückzulegen. Gut, dass sie auf dem Gipfel auch über „Die Zukunft unserer Städte“ sprechen. Die Büros in Manila haben in diesen Tagen geschlossen, die Schulen auch. Nun stehen die Menschen am Straßenrand und staunen, wenn die Limousinen mit den Führern dieser Welt vorbeibrausen.  

          Die besten Jobs im Land der Millionen von Arbeitslosen sind in diesen Tagen Busfahrer, Polizist oder Sprengstoffhund. Als Busfahrer muss man einen Bus fahren können, dazu später mehr. Als Polizist braucht man eine Schirmmütze. Als Sprengstoffschnüffelhund aber muss man nur ein ernstes Gesicht machen und darf ansonsten meist in der Sonne dösen. Hunderte Hunde haben ihre Chance genutzt. Kein Zweifel, in ihrem ersten Leben waren sie Straßenköter. Immer noch sehen sie so aus, als hätten sie über Monate allenfalls Sprengstoff gefressen. Abgemagerte Tiere, die Rippen drücken sich durchs räudige Fell. Aber tapfer marschieren sie entlang der Taschen und Koffer, um ihre Arbeit zu erledigen. Und dann endlich wieder in der Sonne dösen zu dürfen.

          Traumjob Busfahrer

          Jose ist da ganz anders, aktiv, voller Freude über seinen Arbeitsplatz. Er steuert einen Bus chinesischer Fertigung, in dem er von einem Hotel zum Tagungszentrum braust. Das ist stressig. Manchmal muss er seinen Bus quer durch die Reihen im Stau steckender Autos lenken, um die freie Apec-Spur zu erreichen.

          Platz kann ihm niemand machen, denn weder nach vorn noch nach hinten gibt es Raum zum Rangieren. Doch Jose lenkt vor und zurück, fädelt ein, schiebt sich zentimeterweise voran. Immer die freie Spur vor Augen. Und er lacht die ganze Zeit. Ihm macht seine Arbeit Spaß: „So schnell kommen wir hier sonst nie voran.“

          Hat er die Spur dann erreicht, geht es richtig los. Sein Beifahrer hat immer die rechte Seite im Auge. Steuern sie auf eine Kreuzung zu, an der von rechts keine Gefahr droht, klopft er mit einer leeren Plastikflasche dreimal von innen gegen die Tür. Jose kann so die Straße im Auge behalten, nach rechts muss er nicht blicken. Er gibt Gas. Und lacht.

          Wieso hilft Bestechung nicht?

          Auch Garry lacht. Ihn muss kennen, wer vom Gipfel berichten will. Garry kommt immer im schwarzen Anzug daher, die Haare streng zurück gegelt, das unterstreicht seine Bedeutung. Garry ist so ein Mensch, der auch Papst oder Bundespräsident hätte werden können. Er ist aber wichtiger, irgendwie.

          Denn Garry verteilt die Einlasskarten für die Auftritte von Obama und Xi an Journalisten. Morgens um sechs müssen sie vor ihm Schlange stehen. Es gibt sechs Tickets für rund 200 Bewerber. Garry ist die Ruhe selber, erklärt in breitem Amerikanisch, dass nur jene eine Chance hätten, deren Name auf seiner Liste stehe.

          Bestechen, die sonst einfachste Art, in Manila voranzukommen, hilft bei ihm nicht. Das verwirrt. Die Bewerber verfallen in Panik, Garry lächelt mit Engelsgeduld. Die sechs Karten würden sowieso verlost, sagt er. Es mache eigentlich also gar nichts, wenn man nicht auf seiner Liste stünde. Das klingt schon irgendwie überzeugend.

          Dann klingelt Garrys Mobiltelefon. Das Lächeln wird für einen Augenblick etwas schmaler. Nun sei klar, sagt er, es gäbe überhaupt keine Karten für den Konferenzraum. Das White-House-Press-Korps, die mit Obama eingereisten amerikanischen Journalisten, bekämen automatisch alle Plätze.

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