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Angst vor reichen Asiaten : Chinesen kaufen Australien auf

Im Auftrag einer chinesischen Familie wird hier in Sydney gerade ein 106 Jahre altes Bürgerhaus abgerissen. Bild: AFP

Ein Traditionshaus in Sydney wird von Chinesen abgerissen und durch einen gesichtslosen Neubau ersetzt. Nun kocht der Ärger hoch über Geldwäsche, Immobilienpreise und Fremde, die sich am schönsten Ende der Welt einkaufen.

          Es ist ein Symbol, das keiner wollte: In Sydney wird gerade ein 106 Jahre altes Bürgerhaus abgerissen, das einen fantastischen Blick auf die berühmte Oper und die Brücke bot. An seiner Stelle entsteht dann ein moderner Stahlbau. Dahinter steht eine chinesische Familie, die sich an einer der begehrtesten Lagen der Welt Wohnraum schafft. Und damit eine ganze Nation empört. Denn ihr Verhalten schürt Ängste vor reichen Chinesen, die ihr auf oft zweifelhafte Weise verdientes Geld von Singapur bis Sydney durch Immobiliengeschäfte waschen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          lm Jahr 2008 kauften Zeng Wie und Jiang Mei das Luxusanwesen Craig-y-Mor, ein zweistöckiges Steinhaus, für 32,4 Millionen Australische Dollar (22,4 Millionen Euro). An seiner Stelle wächst für rund 4,5 Millionen Australische Dollar bald ein fünfstöckiges, nüchternes Haus. Auf Proteste der Anwohner und alteingesessener Bürger verbot ein Gericht zunächst den Abriss der Ikone. Ein Bundesrichter gab der Revision der Chinesen dann statt. Der 51jährige ist nicht irgendwer – sondern gilt als Sohn des ehemaligen Vizepräsidenten Chinas, Zeng Qinghong.

          Nun kommt in Sydney alles zusammen: Der Ärger über den Abriss des australischen Kulturdenkmals. Die Fremdenangst. Und die Sorge davor, die explodierenden Hauspreise in Australien, insbesondere in den Metropolen, als Australier nicht mehr zahlen zu können. So macht sich die Wut der Sydneysider in Protesten Luft. Denn immer öfter sind es Chinesen, die ihr Geld – oft wohl Schwarzgeld – nach Australien transferieren, um es dort zu waschen und in Sicherheit zu bringen. Die beste Anlagemöglichkeit sind dann Immobilien. Zeng Wei soll 2012 in die Privatisierung der Kraftwerksgesellschaft Luneng eingebunden gewesen sein, die mehr als 9 Milliarden Dollar wert war.

          Aus Sicht der vieler Australier sind es solche Chinesen, die das Land und seine Kultur zerstören. Ärger wird beispielsweise auch dann laut, wenn Festlandchinesen reihenweise Weingüter in Australien aufkaufen, nicht selten bezahlt in bar. Die Analysten von Credit Suisse schätzen, dass fast ein Fünftel aller neuen Häuser und Wohnungen in Sydney derzeit schon von Chinesen erworben werden. In Melbourne soll der Wert bei 14 Prozent liegen. „Eine ganze Generation von Australiern wird aus dem Immobilienmarkt ausgepreist. Viele stehen vor einem Leben als Mieter“, sagt Credit Suisse Analyst Damien Boey. In den vergangenen zwölf Monaten legte Sydneys Durchschnittspreis für ein Haus um weiter 15 Prozent auf 613000 Australische Dollar zu. Häuser mit Blick auf die berühmte Oper gehen nicht unter 10 Millionen Australische Dollar weg. Junge australische Akademiker haben kaum noch eine Chance, in der Innenstadt wohnen zu können. Neue Visaregeln verdeutlichen die Dramatik: Die Visa, die an Ausländer dank eines Investitionsvorhabens von mindestens 5 Millionen Australischen Dollar vergeben werden, übernehmen zu 90 Prozent  Festlandchinesen.

          Als wie anstößig die Geldflucht nach „down-under“ auch im eigenen Land gilt, zeigt das Beispiel von Präsident Xi Jinping selber: Augenscheinlich wies er Familienmitglieder an, Besitz im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar zu verkaufen. Direkt nach seinem Amtsantritt trennten sich seine ältere Schwester und der Schwager von einer Investitionsgesellschaft in Peking und inzwischen weiteren zehn Unternehmen. Doch sollen sie dennoch Besitz im Wert einer hohen zweistelligen Millionensumme ihr eigen nennen. Das passt ins Bild: Mindestens vier von neun Mitgliedern des Politbüros zwischen 2007 und 2012 sollen Vermögen im Wert von jeweils mehr als 150 Millionen Dollar besitzen. Durch den Verkauf nun erhofft sich Xi eine bessere Ausgangslage in seinem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft in China. Zeng und seine Gattin wird das kaum stören, wenn sie bald im Abendlicht die weiße Fassade des Opernhauses leuchten sehen. Ihre Baustellen gehört inzwischen schon zum festen Programm von Bustouren für chinesische Touristen in Sydney.

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