https://www.faz.net/-gqe-85d31

Unregelmäßigkeiten : „Whole Foods“ und das Übergewicht

„Whole Foods“ - Amerikas bekannte Supermarktkette für gesunde und möglichst natürliche Lebensmittel steht in der Kritik Bild: AP

Amerikaner kaufen gerne bei Whole Foods, weil sie dort gesunde Lebensmittel vermuten. Nun werfen Verbraucherschützer dem Händler vor, systematisch zu viel berechnet zu haben – durch Unregelmäßigkeiten beim Abwiegen.

          2 Min.

          „Whole Foods“ ist der englische Begriff für Vollwertkost. Es ist auch der Name einer sehr erfolgreichen amerikanischen Supermarktkette, die mehr als 400 Läden betreibt und sich als Spezialist für gesunde und möglichst natürliche Lebensmittel versteht. Für die Verbraucher hat das freilich seinen Preis. Deshalb nennen viele Amerikaner die Kette scherzhaft „Whole Paycheck“, womit sie suggerieren, ein Einkauf dort zehre das ganze Gehalt auf. Wer sich also am Wochenende für seine Grillparty zum amerikanischen Nationalfeiertag bei „Whole Foods“ eingedeckt hat, wird womöglich tief in die Tasche gegriffen haben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das New Yorker Verbraucherschutzamt hat nun eine neue Erklärung dafür, wenn Kunden das Gefühl haben, wieder einmal zu viel Geld bei Whole Foods gelassen zu haben. Die Behörde beschuldigt die Kette, den Kunden in ihren New Yorker Filialen „systematisch“ und „routinemäßig“ überhöhte Beträge berechnet zu haben. Dies sei geschehen, indem das Gewicht von abgepackten frischen Produkten wie Fleisch, Gemüse oder Backwaren zu hoch ausgewiesen worden sei. Die Inspektoren der Behörde reklamierten, dies sei der „der schlimmste Fall von Falschetikettierung“, dem sie jemals begegnet seien.

          Bei allen 80 getesteten Produkten seien Fälle von falschen Gewichtsangaben entdeckt worden. Beispielsweise seien für eine Packung Garnelen fast 15 Dollar zu viel verlangt worden, und für acht inspizierte Packungen mit frischem Gemüse sei im Schnitt mehr als 10 Prozent zu viel berechnet worden. Auf die Schliche kamen die Verbraucherschützer dem Lebensmittelhändler unter anderem deshalb, weil bei vielen getesteten Produkten das ausgewiesene Gewicht verschiedener Packungen identisch gewesen sei, und dies sei „praktisch unmöglich“.

          Whole Foods stand nun also auf einmal nicht mehr nur als Händler mit Apothekenpreisen da, sondern sogar als Betrüger. Das Krisenmanagement des Konzerns war nicht allzu geglückt. Ein Sprecher wies zunächst die Vorwürfe zurück und sagte, Whole Foods werde sich „energisch“ dagegen verteidigen.

          Aber nach einigen Tagen gab sich das Unternehmen doch auf einmal kleinlaut und schuldbewusst. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Walter Robb und John Mackey wandten sich in einer Videobotschaft an ihre Kunden und gaben zu: „Wir haben Fehler gemacht.“ Diese Fehler habe es beim Abwiegen von Produkten gegeben. Mackey beteuerte aber, das sei nur in einem „sehr, sehr kleinen Prozentsatz“ der Fälle passiert. Zudem habe dahinter keine Absicht gestanden, was daran erkennbar sei, dass die Fehler nicht immer zu Lasten der Kunden gegangen seien, sondern manchmal auch zu ihren Gunsten.

          Jedenfalls wolle Whole Foods seine Mitarbeiter nun besser schulen und außerdem externe Prüfungen durchführen lassen. Und sollten Kunden künftig noch immer zu teuer ausgewiesene Lebensmittel finden und dies reklamieren, würden sie die Ware umsonst bekommen. Ob sich Kunden genauso wie die Inspektoren der New Yorker Behörde die Mühe machen, ihre Einkäufe noch einmal nachzuwiegen, ist dabei freilich eine ganz andere Frage.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

          Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

          Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
          Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

          Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

          Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.