https://www.faz.net/-gqe-7kj71

Amerikas Katastrophenhilfe : Sturm und Streit können den Optimismus in Ostasien nicht brechen

Der Außenminister der Philippinen, Albert del Rosario, mit John Kerry Bild: REUTERS

Nur ein Freundschaftsdienst? Amerikas Außenminister Kerry besucht das Katastrophengebiet auf den Philippinen. Er vertieft dort auch die militärischen Beziehungen angesichts der wachsenden Macht Chinas.

          2 Min.

          Jemand, der dort war, kann die Bilder aus dem Taifun-Gebiet auf den Philippinen nicht mehr so schnell vergessen. Derzeit besuchen auch viele Prominente die zerstörten Gebiete auf der Insel Leyte, um kurz vor Weihnachten ihre Solidarität mit den Opfern zu bekunden. Sogar der Popstar Justin Bieber hat ein Konzert für die traumatisierten Kinder in der Stadt Tacloban gegeben. Am Mittwoch kam nun auch der amerikanische Außenminister John Kerry in das Katastrophengebiet. Die Verlegung des Flugzeugträgers „USS George Washington“ in die Region und der massive Einsatz von amerikanischen Hubschraubern hatten bei den nur langsam anlaufenden Rettungsarbeiten nach dem Sturm „Haiyan“ die entscheidende Wendung gebracht. Bei dem Taifun waren mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Wiederaufbau, der voraussichtlich acht Milliarden Dollar verschlingen wird, dürfte allerdings Jahre dauern. Es geht bei Kerrys Besuch 40 Tage nach dem Sturm aber nicht um Mitleidsbekundungen. Die Katastrophenhilfe hat auch für Washington Vorteile. Angesichts der wachsenden Macht Chinas vertieft Amerika die Beziehungen zu seinen Verbündeten in der Region. Manila sucht selbst wieder mehr Nähe zu Amerika, seitdem sich der Streit mit China um Gebiete im Südchinesischen Meer verschärft hat. In Manila hatte Kerry den Philippinen schon 40 Millionen Dollar für den Aufbau von Marine und Küstenschutz versprochen. Amerika will zudem mehr Streitkräfte vorübergehend in dem Land stationieren dürfen. Ähnliche Dinge hatte der Außenminister auch mit Vietnam besprochen, das 18 Millionen Dollar für seine Küstenwache bekommt.

          Gebietskonflikte schaffen Unsicherheit

          Die Territorialstreitigkeiten im Ost- und Südchinesischen bleiben einer der größten Unsicherheitsfaktoren in Ostasien. Anfang des Monats waren ein chinesisches und amerikanisches Schiff im Südchinesischen Meer beinahe miteinander kollidiert. Die ungeklärten Fragen führen auch zu einer stärkeren Aufrüstung. Nicht zuletzt wegen der wachsenden Spannungen mit China um die Inselgruppe Senkaku/Diaoyu hat Japan am Dienstag eine Erhöhung seines Militärhaushalts verkündet. Der Konflikt hatte sich wegen der Einrichtung einer chinesischen Luftverteidigungszone über dem Ostchinesischen Meer noch einmal verschärft. In Südostasien wird nun befürchtet, dass China etwas Ähnliches auch im Südchinesischen Meer vorhaben könnte.

          Börsen in Asien leicht erholt

          Weder die Spannungen noch der Taifun haben jedoch den Optimismus trüben können, der die wirtschaftliche Entwicklung der Philippinen seit einiger Zeit begleitet. Der wichtigste Aktienindex des Landes ist seit dem Sturm zwar um acht Prozent gefallen. Die Wirtschaft des Inselstaats war in den ersten neun Monaten des Jahres aber noch um 7,4 Prozent gewachsen. Das war eine der höchsten Raten weltweit. Und so wird es laut Moody’s auch im Jahr 2014 wieder sein, wenn sich das Land vom Taifun erholt und der Wiederaufbau läuft. Demnach sehe es auch für die gesamte asiatisch-pazifische Region im kommenden Jahr besser aus als in diesem. Die asiatischen Aktienmärkte haben am Mittwoch den zweiten Tag in Folge zugelegt, angeführt von den japanischen Aktien. Der Topix in Tokio stieg bis zum Mittag laut Bloomberg um 1 Prozent, der Hang Seng in Hong Kong legte zunächst 0,4 Prozent zu.

          Weitere Themen

          China, das (un)geliebte Anlegerland

          Scherbaums Börse : China, das (un)geliebte Anlegerland

          Deutsche Privatanleger interessieren sich meist für einheimische Aktien – vielleicht noch für ein paar amerikanische Tech-Werte. China haben dagegen nur wenige auf dem Schirm. Das könnte ein Fehler sein, wie ein Blick auf die aktuelle Lage sowie die Erwartungen für 2021 zeigen.

          Topmeldungen

          Ob er gerade spielt? Ramelow im Juli 2020 im Thüringer Landtag

          PR-Profis auf Clubhouse : Besser als „Bodo“

          Clubhouse gilt als Trend-App und hat in Deutschland nun das erste PR-Desaster verursacht. Wie verhält man sich richtig in den virtuellen Quasselrunden? Wie aktiv sind die PR-Agenturen schon? Und lohnt es sich, dabei zu sein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.