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Amerika : Das Land der Entgleisungen

Bei einem Zugunglück nahe Philadelphia sind am Dienstag acht Menschen ums Leben gekommen, rund 200 wurden verletzt. Bild: dpa

In Amerika kommen Züge auffallend häufig vom rechten Weg ab, auch wenn sie selten so tragisch ausgehen wie das Zugunglück von Philadelphia. Woran liegt das?

          Das Timing war Schicksal. Am Donnerstag, als das Ausmaß des Zugunglücks von Philadelphia deutlich wurde, nahm sich das Repräsentantenhaus das Budget der Zuggesellschaft Amtrak vor und kürzte mit den Stimmen der Republikaner die staatlichen Zuwendungen von 1,4 Milliarden auf 1,1 Milliarden Dollar. Die Republikaner stimmten gleichzeitig einen Vorschlag der Demokraten nieder, der Zuwendungen für ein automatisches Sicherheitssystem vorsah.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Experten sagen, ein solches System hätte den Unfall verhindern können, bei dem am Dienstag acht Menschen ums Leben kamen und rund 200 verletzt wurden. Der Zugführer hatte nach Erkenntnis der zuständigen Behörde aus bisher ungeklärten den Zug kurz vor der Einfahrt in eine Kurve auf 108 Stundenmeilen beschleunigt und war damit doppelt so schnell unterwegs wie an dieser Stelle erlaubt. Der Zug war von Washington nach New York unterwegs, eine der wenigen kommerziell erfolgreichen Strecken der Bahngesellschaft Amtrak. Deren Chef Joseph Boardman  kündigte unterdessen an, nun ein entsprechendes System  bis zum Jahresende zu installieren. Auch ohne die Kürzung   galt Amtrak schon als unterfinanziert.

          Der Service ist deshalb mit Angeboten in Europa oder Japan nicht zu vergleichen. Präsident Barack Obama ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt, als es aus Camp David verlauten ließ, die Unfallursache sei zwar nicht abschließend geklärt. Aber Investitionen in Amerikas Infrastruktur seien auf jeden Fall geboten.

          Tatsächlich entgleisen in den Vereinigten Staaten Züge  relativ häufig, allerdings selten mit schwerwiegenden Folgen. Im vergangenen Jahr wurden 1241 Entgleisungen registriert.  Meistens sind es aber Frachtzüge in ländlichen Gegenden, die aus den Gleisen springen. Die Frachtzuggesellschaften haben aber in den vergangenen Jahren relativ viel Geld investiert, um die Schienen sicherer zu machen. In der Folge sank die Anzahl der Unfälle.

          Die Entgleisungen lassen sich zu 45 Prozent auf Probleme mit den Schienensträngen zurückführen und zu 29 Prozent auf menschliches Versagen. Die einzige größere Bahnstrecke, die Amtrak selbst gehört, ist ausgerechnet der sogenannte Northeast Corridor von Washington über New York nach Boston, an dem sich in dieser Woche das schwere Zugunglück ereignete.

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