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Trotz Testerlaubnis : Amazon beklagt strenge Drohnen-Regulierung

Eine Drohne von Amazon wird getestet. Bild: AP

Die amerikanische Flugaufsicht hat dem Online-Händler kürzlich Drohnen-Tests erlaubt. Das Unternehmen beklagt sich trotzdem. Ein Land in Europa sei deutlich aufgeschlossener als die Amerikaner.

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          Es sah zumindest nach einem kleinen Erfolg für Amazon.com aus: In der vergangenen Woche genehmigte die amerikanische Flugaufsicht FAA dem Online-Händler, Drohnen im Freien zu testen. Es war ein kleiner Schritt auf dem Weg, den Plan des Unternehmens zur Auslieferung von Bestellungen mit solchen unbemannten Fluggeräten Wirklichkeit werden zu lassen.

          Verbote verhindern Drohnen-Einsatz

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jenseits technischer Herausforderungen stehen diesem Vorhaben Verbote zum kommerziellen Einsatz von Drohnen gegenüber. Und auch die Testerlaubnis für Amazon war mit einigen Auflagen verbunden. So dürfen die Drohnen nur tagsüber und nur bis zu einer bestimmten Höhe fliegen, und sie müssen in Sichtweite der Person bleiben, von der sie bedient werden.

          Aber wie bei einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongress in Washington am Dienstag herauskam, hat diese Genehmigung für Amazon wenig praktischen Nutzen. Der für politische Fragen bei Amazon zuständige Paul Misener sagte, die von der FAA für den Testbetrieb zugelassene Drohne sei schon jetzt „veraltet“ und werde vom Unternehmen gar nicht mehr getestet. Stattdessen habe Amazon schon „fortgeschrittenere Designs“ entwickelt, die auch schon getestet würden, allerdings im Ausland. Bei der FAA sei gerade ein Antrag auf Genehmigung dieses neuen Designs eingereicht worden.

          Der Amazon-Manager nutzte seinen Auftritt für scharfe Kritik an der Behörde, die er offenbar für viel zu schläfrig hält. Mehr als ein halbes Jahr habe es gedauert, um die jetzt weitgehend wertlos gewordene Freigabe zu bekommen. Nirgendwo außerhalb der Vereinigten Staaten habe Amazon länger als zwei Monate warten müssen, um Tests beginnen zu dürfen. Außerdem würden im Ausland die Genehmigungen für eine ganze Kategorie unbemannter Fluggeräte erteilt und nicht wie in Amerika für nur ein spezifisches Modell.

          Vorreiter Großbritannien

          Das gebe Amazon Spielraum, die Drohnen schnell weiterzuentwickeln, ohne jedes Mal eine neue Testerlaubnis beantragen zu müssen. Das langsame Tempo bei der Regulierung von Drohnen in Amerika sei verglichen mit anderen Ländern „unzureichend“, und der FAA mangele es an „Impetus“. Lobend erwähnt wurden von Misener dagegen Regulierer in Großbritannien, eines der Länder, wo Amazon seine Drohnen testet.

          Misener stört an der FAA besonders, dass sie sich nach seiner Meinung noch nicht ausreichend mit dem künftigen Einsatz von Drohnen außerhalb der Sichtweite ihrer jeweiligen Piloten beschäftigt. Genau das ist aber eine entscheidende Frage für den geplanten Lieferdienst von Amazon. Denn das Unternehmen will seine Drohnen nach Miseners Worten über Strecken von 16 Kilometer und mehr fliegen lassen und somit deutlich jenseits der Sichtweite.

          Dichter Luftraum in Amerika

          Vertreter der FAA verteidigten ihren behutsamen Ansatz bei der Anhörung damit, dass der Luftraum in den Vereinigten Staaten komplexer und stärker genutzt sei in anderen Ländern.

          Zu den großen Sorgen der Regulierungsbehörden gehört die Sicherheit, aber auch die Wahrung der Privatsphäre. Denn schließlich sind die Drohnen in der Regel mit Kameras ausgestattet. Misener gab zu, dass Drohnen Datenschutzfragen aufwerfen, und er versprach, Amazon werde die Privatsphäre jeder Person respektieren und dazu strenge Regeln aufstellen. Amazon plane „einen Lieferdienst, keinen Überwachungsbetrieb“.

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