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Nummer eins der Börse : Alphabet stößt Apple vom Thron

Die Google-Mutterholding ist zum teuersten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Bild: AP

Die Google-Mutterholding erfreut die Börse mit besser als erwarteten Quartalszahlen und wird zum teuersten Unternehmen der Welt. Dabei gibt es außerhalb des Kerngeschäfts Milliardenverluste.

          Die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google hat einen Meilenstein erreicht: Nach der Vorlage von besser als erwarteten Quartalszahlen hat Alphabet am Montag im nachbörslichen Handel den Elektronikkonzern Apple bei der Marktkapitalisierung überholt. Wenn sich dies am Dienstag im regulären Börsenhandel bestätigt, wird Alphabet zum teuersten Unternehmen der Welt. Der Kurs der Alphabet-Aktie legte nachbörslich zeitweise um mehr als 8 Prozent zu, womit der Börsenwert auf mehr als 550 Milliarden Dollar anstieg. Apple liegt derzeit um 535 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Alphabet-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 40 Prozent an Wert gewonnen, während der Apple-Kurs in diesem Zeitraum um fast 18 Prozent gefallen ist. Apple wurde im August 2011 zum am höchsten bewerteten Unternehmen der Welt und löste damals den Ölkonzern Exxon-Mobil ab.

          Die Zahlen von Alphabet wurden nicht nur wegen des Rennens mit Apple um den Titel des teuersten Unternehmens der Welt mit Spannung erwartet. Denn zum ersten Mal gab es Einblicke in die Struktur der im vergangenen Herbst geschaffenen Alphabet-Holding. In diesem Mutterkonzern ist Google selbst nur noch eine von mehreren Tochtergesellschaften. Zu Google gehört dabei nicht nur die gleichnamige Suchmaschine, sondern auch Produkte wie der Videodienst Youtube und das Betriebssystem Android. Separat davon sind die anderen Alphabet-Einheiten, zum Beispiel Nest, ein Hersteller von internetfähigen Produkten für den Haushalt, oder das Gesundheitsunternehmen Calico. Diese anderen Einheiten werden nun zusammengefasst unter dem Namen „Other Bets“ separat von Google ausgewiesen.

          Andere Alphabet-Einheiten hochdefizitär

          Wie sich dabei nun herausgestellt hat, bringen diese Aktivitäten bislang nur wenig Umsatz und sind hochdefizitär. Im Gesamtjahr 2015 lag ihr Umsatz bei 448 Millionen Dollar und ihr operativer Verlust bei 3,6 Milliarden Dollar. Das Kerngeschäft von Google kam dagegen auf einen Umsatz von 74,5 Milliarden Dollar und einen Betriebsgewinn von 23,4 Milliarden Dollar.

          Finanzvorstand Ruth Porat sagte in einer Telefonkonferenz, dass die Umsätze der „Other Bets“ bislang vor allem von den drei Gesellschaften Nest, Fiber und Verily kommen. Fiber ist eine Initiative, mit der Google Haushalten in einer Reihe amerikanischer Städte schnelle Internetzugänge liefert. Verily ist auf Medizintechnik spezialisiert und arbeitet zum Beispiel an einer intelligenten Kontaktlinse für Diabetiker, die Blutzuckerwerte in der Tränenflüssigkeit misst. Viele andere Alphabet-Einheiten erzielen nach Porats Worten bislang noch gar keine Umsätze. Weiter sagte sie, von allen „Other Bets“ investiere Alphabet derzeit am meisten in das Fiber-Projekt. Sie wies aber auch darauf hin, dass die „weit überwiegende Mehrheit“ der Investitionen noch immer in das Kerngeschäft von Google fließe.

          Mehr Kostendisziplin

          Porat kam erst im vergangenen Jahr zum Unternehmen. Seit ihrem Antritt hat sie mehr Kostendisziplin in Aussicht gestellt. Das kam an der Wall Street gut an, wo Google oft vorgehalten wurde, sein Geld allzu sorglos auszugeben. Auch diesmal schlug Porat ähnliche Töne an und sagte, gerade mit Blick auf die „Other Bets“ verfolge Alphabet einen „rigorosen Ansatz“ im Kostenmanagement.

          Im Gesamtkonzern baute Alphabet seinen Umsatz im vergangenen Quartal um 18 Prozent auf 21,3 Milliarden Dollar aus. Analysten hatten im Schnitt mit 20,8 Milliarden Dollar gerechnet. Währungsbereinigt hätte es sogar ein Wachstum von 24 Prozent gegeben. Der Nettogewinn betrug 4,9 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 8,67 Dollar war um 57 Cent besser als erwartet. Wie Porat sagte, profitierte der Konzern im vergangenen Quartal vor allem von einem guten Geschäft mit Internetsuche auf mobilen Geräten mit Smartphones und einem „sehr signifikanten Umsatzwachstum“ von Youtube.

          Apple hat seine Zahlen schon in der vergangenen Woche vorgelegt und dabei für eine Enttäuschung gesorgt. Apple lieferte zwar Rekordzahlen, aber das Wachstum ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Verkaufszahlen für das iPhone, das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns, sind so wenig gestiegen wie noch nie seit der Einführung des Geräts im Jahr 2007. Für das kommende Quartal sagte das Unternehmen sogar seinen ersten Umsatzrückgang seit mehr als einem Jahrzehnt voraus.

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