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Amerika und China : Alibaba-Gründer im Trump-Tower

Deal? Jetzt ist auch Alibaba-Gründer Jack Ma im Trump-Tower gewesen zu einem Gespräch mit dem künftigen Präsidenten. Bild: dpa

Während Chinas Staatspresse Amerika „Rache“ androht, verspricht der chinesische Alibaba-Gründer dem kommenden Präsidenten eine Million Arbeitsplätze. Von den Chinesen wird Ma dafür als Friedensengel gefeiert.

          Als Jack Ma, Gründer des größten E-Commerce-Anbieters Alibaba und der nach Mao Zedong wohl bekannteste Chinese, am Montag im minus fünf Grad kalten New York in eine hutzelige Kapuzenjacke eingehüllt in den Trump-Tower eilte, hatten die Beziehungen zwischen Amerika und China ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht.  

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die „Rache des chinesischen Volkes“ hatte Pekings Parteizeitung „Global Times“ dem kommenden Präsidenten Donald Trump angedroht, sollte dieser von der „Ein-China-Politik“ abrücken, die ausländischen Nationen verbietet, die Insel Taiwan als unabhängigen Staat zu behandeln. Zuvor hatte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua Trump aufgefordert, endlich Schluss mit den teilweise täglichen Ausfällen gegen China per Kurznachricht auf dem Smartphone zu machen: „Eine Besessenheit mit ‚Außenpolitik per Twitter‘ ist nicht wünschenswert!“

          Zeit für den Auftritt von Chinas inoffiziellem Chefdiplomaten Jack Ma. Eine gute halbe Stunde sprach der Unternehmer mit Trump am Montag in dessen goldenem Turm, fuhr mit dem kommenden Präsidenten per Fahrstuhl ins Erdgeschoss und verkündete an dessen Seite vor Fernsehkameras und Zeitungsreportern, was er als Gastgeschenk mitgebracht hatte: über seine Verkaufsplattform Alibaba werde er helfen, in den Vereinigten Staaten eine Million neue Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen zu schaffen, versprach Ma.

          Dieser Plan klingt so vage wie die Arbeitsplatz-Versprechen früherer ausländischer Besucher im Trump-Tower, etwa die des Vorstandsvorsitzenden der japanischen Bank Softbank Masayoshi Son, der dem kommenden Präsidenten die Aussicht auf 50.000 neue Stellen durch Milliardeninvestitionen in den Vereinigten Staaten als Mitbringsel übergeben hatte.

          Jack Ma for President

          Die Arbeitsplatz-Rechnung des Alibaba-Gründers Ma lautet wie folgt: indem die Plattform eine Million amerikanische Händler aufnehme, die chinesischen Kunden unter anderem mehr landwirtschaftliche Produkte wie Dünger aus Amerikas Mittlerem Westen verkaufen könnten, schaffe das bei den Kleinunternehmern in den Vereinigten Staaten mindestens einen zusätzlichen Arbeitsplatz je Betrieb. „Jack und ich werden zusammen großartige Dinge veranstalten“, sagte Trump nach dem Treffen denn auch gönnerhaft und deutete mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf seinen kleinwüchsigen Nachbarn: guter Mann.

          Machte Trump seine Ankündigung aus dem Wahlkampf war, auf chinesische Importprodukte künftig Einfuhrzölle in Höhe von 45 Prozent zu erheben, hätte Alibaba ein Problem: auf seiner Seite AliExpress verkauft der Konzern amerikanischen Kunden allerlei im Reich der Mitte hergestellte Produkte, die weniger nachgefragt werden dürften. In kein anderes Land exportiert China mehr als nach Amerika. Vor allem aber würde es Alibaba treffen, sollte China als Reaktion auf Trumps Protektionismus ebenfalls die Zollschranken hochfahren. Das würde den Import amerikanischer Produkte in China verteuern. 7000 amerikanische Marken haben vergangenes Jahr nach Angaben von Alibaba auf den Plattformen des Konzerns Waren im Wert von 15 Milliarden Dollar an chinesische Kunden verkauft.

          Angesichts des heraufziehenden Handelskrieges zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt betätigte sich Jack Ma im Trump Tower folgerichtig als Friedensengel: „Wir glauben, dass die chinesisch-amerikanischen Beziehungen gestärkt werden und freundlicher werden sollten“, sagte Ma nach dem Treffen in der Lobby des Turms.

          In seiner chinesischen Heimat wurde der Unternehmer dafür von seinen Landsleuten im Internet gefeiert: Ma solle der „nächste Handelsminister“ der Volksrepublik werden, schrieb der Nutzer „Meatball110“ auf dem Kurznachrichtendienst Weibo, Chinas Gegenstück zu Twitter. Und Nutzer ZhaoShiGuYeJeffery forderte Ma trotz der Abwesenheit freier Wahlen in China gar zur Bewerbung um hohe, ja höchste Ämter auf: „Jack Ma sollte der Präsident Chinas werden!“

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