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Rekordbörsengang : Alibaba-Anleger riskieren viel

Alibaba-Gründer Jack Ma bringt sein Unternehmen an die Börse Bild: dpa

Das chinesische Internetunternehmen Alibaba steuert am heutigen Freitag auf einen Rekordbörsengang zu. 68 Dollar soll die Aktie kosten. Doch eine Investition in das Unternehmen ist riskant.

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          Der chinesische Internethändler Alibaba Group Holding hat den Erstausgabepreis für seine Aktien am oberen Rand der zuvor genannten Spanne von 68 Dollar je Stück festgesetzt. Alibaba steuert damit darauf zu, an diesem Freitag beim Börsengang in New York mindestens 21,8 Milliarden Dollar aufzunehmen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Damit läge Alibaba auf Rang drei der Rangliste der größten Börsengänge. Bislang führt die Agricultural Bank of China mit 22,1 Milliarden Dollar im Jahr 2010 und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) mit 22 Milliarden Dollar im Jahr 2006. Falls die an der Plazierung beteiligten Investmentbanken ihre Zeichnungsrechte ausüben, könnte Alibaba indes noch die Rekordsumme von 25 Milliarden Dollar (19,3 Milliarden Euro) erreichen.

          Zum Preis von 68 Dollar je Stück würde Alibaba mit knapp 168 Milliarden Dollar bewertet. Damit gehörte es zu den global 40 größten Unternehmen und hätte eine größere Börsenkapitalisierung als der amerikanische Internethändler Amazon (150 Milliarden Dollar).

          In den Vereinigten Staaten findet der Börsengang Interesse, wenngleich nach einer Umfrage von Ipsos für Reuters 88 Prozent der Amerikaner nicht wissen, wofür Alibaba steht. Das könnte sich an diesem Freitag ändern. Das chinesische Unternehmen ist im Kern eine Kombination von Amazon, Ebay und Paypal und wickelt etwa 80 Prozent des chinesischen Internethandels ab.

          Als Kontrast zu der Begeisterung an der Wall Street über den absehbaren Rekordbörsengang warnt derweil das marktliberale Wirtschaftsblatt „Wall Street Journal“ in einem Leitartikel unter dem Motto Caveat Investor vor den politischen Risiken, die Investoren eingehen. Das offenbar gute Verhältnis des Firmengründers Jack Ma zur politischen Führung könne im kommunistischen China über Nacht zerstört sein. Dieses Risiko trägt um so mehr, als sich Ma und 26 Partner in einer Zwei-Klassen-Aktienstruktur ein dauerhaftes Kontrollrecht sichern.

          Riskante Vertragskonstruktion

          Abenteuerlich scheint die Anlage in Alibaba-Aktien demjenigen, der sich daran erinnert, dass in China der ausländische Besitz von Unternehmen gerade im Internetbereich streng beschränkt und reglementiert ist. Wie kann Alibaba - wie zuvor schon andere chinesische Unternehmen - dennoch in New York an die Börse gehen? Tatsächlich sichern die Aktien von Alibaba nicht einen Anteilsschein an dem Unternehmen selbst, sondern in einer komplizierten Vertragskonstruktion über eine sogenannte Variable Interest Entity (VIE) nur Anteile an einer Mantelgesellschaft, die vereinfacht gesagt Anrecht auf Gewinne Alibabas hat. Die Struktur wird genutzt, um chinesische Anteilsbeschränkungen zu umgehen, und ist doch davon abhängig, dass im Ernstfall chinesische Gerichte die Rechtmäßigkeit anerkennen. Wenn das mal nicht riskant ist.

          Im Sommer erst warnte ein Kongressausschuss in Washington, der sich mit den Sicherheitsaspekten des Handels mit China befasst, vor den Gefahren. Das Risiko für amerikanische Investoren sei, dass chinesische Anteilseigner der VIE die Einheit stehlen und die Vertragskonstruktion einfach nicht anerkennen würden. Auf einen guten Börsengang!

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