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Aktienkurse steigen : Börsianer freuen sich über Chinas Wirtschaftsflaute

Chinas Wirtschaft schwächelt, die Aktienkurse steigen. Bild: dpa

Chinas Wirtschaft schwächelt weiter, zur Freude der Börsianer. Obwohl keine Wende in Sicht ist, legen die Aktienkurse in Hongkong zu - aus einem einfachen Grund.

          Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde steht vor einer erneuten Lockerung der Geldpolitik. Nachdem Analysen und Daten am Montag auf eine noch schwächere Konjunktur in China hinwiesen, legten die Aktienkurse in Hongkong zu. Denn die Aktionäre wetteten darauf, dass Peking mehr Geld in den Markt drücken werde. Die Credit Suisse sekundierte: „Unsere China-Volkswirte meinen, China stehe vor einer weiteren Lockerung und diskutierten verschiedene Wege“, hießt es am Montagmorgen in Asien.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zuvor hatte das „State Information Centre“ einen Bericht vorgelegt, in dem die Analysten eine weitere Abkühlung von Chinas Wachstumsrate auf 6,8 Prozent im zweiten Quartal vorhersagen. Der Grund dafür seien die angekündigten Strukturreformen. Der Vorhersage kommt Gewicht zu, weil das Zentrum unter dem Dach der Wirtschaftsplaner der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission arbeitet.

          Schwache heimische Nachfrage

          Der Einkaufsmanager-Index der Bank HSBC weist in dieselbe Richtung: Hatte er im März noch 49,6 betragen, lag er im April nur noch bei 48,9. Jeder Wert unterhalb der Schwelle von 50 verweist auf ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. „Es war ein schwacher Start in das zweite Quartal. Das Neugeschäft sank so schnell wie nie zuvor in den vergangenen zwölf Monaten, die Fertigung stagnierte“, sagte Qu Hongbin, Chefvolkswirt für China bei der britischen Bank. Der Rückgang liege vor allem an der schwachen heimischen Nachfrage, der Einkauf aus dem Ausland scheine indessen leicht anzuziehen.

          Der offizielle Index verharrte im April weiterhin auf dem Wert von 50,1. Sowohl die Credit-Suisse-Analysten wie jene der HSBC leiteten aus ihren Einschätzungen ab, dass die Notenbank die Zügel weiter lockern werde. Die chinesische Notenbank hatte im vergangenen Monat zum zweiten Mal die Reserveanforderungen an die Banken gesenkt, um dem Markt so mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

          Von Quantität auf Qualität

          Praktisch zeitgleich sagte der chinesische Finanzminister Lou Jiwei bei der Jahrestagung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) in Baku, China werde sein stabiles Wachstum auch in „einer neuen Normalität“ beibehalten. Damit sind das weltweite Niedrigzinsumfeld und der notwendige Wandel der chinesischen Volkswirtschaft gemeint. Die Regierung verlagere ihr Augenmerk von der „Quantität“ auf die „Qualität“ des Wachstums und werde sich mehr auf die heimische Nachfrage verlassen – die aber derzeit schwächelt.

          Ein qualitativ hochwertigeres Wachstum in China könne die steigenden Arbeitskosten, eine Aufwertung und ein schwächeres Wachstum des Exports ausgleichen, sagte Lou. Allerdings müssten die Länder der Region ihre Infrastruktur, ihre grenzüberschreitende Verbindung und ihre Integration weiter verbessern. Um dieses sicherzustellen, einigten sich die japanisch und amerikanisch geführte ADB und die in Gründung befindliche, konkurrierende Asiatische Infrastruktur Investitions Bank (AIIB) unter chinesischer Führung in Baku darauf, zusammenarbeiten zu wollen, künftig gemeinsame Finanzierungen anzubieten und Informationen auszutauschen.

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