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Absonderliche Policen in China : Versicherung gegen Trunkenheit und Prügel in der WM

Einige Versicherungsgesellschaften in China bieten Policen an, die absonderliche Risiken während der Fußballweltmeisterschaft absichern. Bild: dpa

In der Volksrepublik konnte man sogar das Ausscheiden der eigenen Mannschaft absichern - bis die Aufsichtsbehörde einschritt. Auch die Aktienmärkte gleichen heute einem Glücksspiel.

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          Die Dienstleistungswirtschaft in China gilt als unterentwickelt, ähnliches wird von der Innovationsfähigkeit chinesischer Unternehmen gesagt. Einige Versicherungsgesellschaften in der Volksrepublik strafen diese Vorurteile derzeit Lügen. Sie bieten Policen an, die absonderliche Risiken während der Fußballweltmeisterschaft absichern.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Das Unternehmen Zhong An in Schanghai vertreibt zum Beispiel für 3 Yuan (0,40 Euro) eine „Trunkenheitsversicherung“. Falls der Kunde während des Turniers eine Alkoholvergiftung erleidet, erhält er 200 Yuan. Sofern er ins Krankenhaus muss, sind es 2000 Yuan, im Todesfall winken den Erben 10.000 Yuan (1200 Euro).nIn der Version „Nachteule“ zu ähnlichen Bedingungen kann sich ein Fußballfan gegen Erkältungen absichern, etwa in zugigen „Public-Viewing-Zonen“. Bis zu 2000 Yuan kann auch erhalten, wer die „Hooligan-Versicherung“ eingeht und während des Sportwettbewerbs verprügelt oder überfallen wird.

          Alle diese Verträge werden über die Plattform T-Mall im Internet verkauft, dort sind die Konditionen einsehbar. Das Unternehmen gehört zur weltgrößten Online-Handelgruppe Alibaba. Offenbar laufen die absonderlichen Geschäfte recht gut. Chinesische Medien berichten, Zhong An habe dafür in wenigen Tagen 300 bis 1000 Abnehmer gefunden.
          Allerdings haben die Behörden schon einige Angebote aus dem Verkehr gezogen. Dazu gehört das Produkt „WM-Leiden“ der Gesellschaft Ancheng aus der westchinesischen Metropole Chongqing.

          Hier konnten Sportfreunde für 8 Yuan (einen Euro) auf das Weiterkommen einzelner Mannschaften in den unterschiedlichen Spielrunden setzen. Im Falle das ausgewählte Team ausschied, versprach die Versicherung die Zahlung von 49 Yuan (6 Euro). Doch die Versicherungsaufsicht hat den Verkauf dieser Verträge gestoppt. Sie hätten eher den Charakter eines Glücksspiels und seien daher nicht zulässig, hieß es in einer Mitteilung.

          Einer Lotterie gleichen heute auch die asiatischen Aktienmärkte, die Kurse schwanken zwischen Gewinnen und Verlusten. Bis zum Mittag büßt der Regionalindex MSCI Asia Pacific 0,3 Prozent ein, nachdem er am morgen zunächst um 0,1 Prozent geklettert war hatte. Erklärt wurde die Verunsicherungen mit einer Nachricht aus den Vereinigten Staaten. Dort hatte ein Notenbank-Manager gesagt, möglicherweise werde man bis zum kommenden März die Zinsen erhöhen. Vielleicht bieten chinesische Assekuranzen ja künftig auch Versicherungen zur Entwicklung der amerikanischen Geldpolitik an. Viel berechenbarer als Fußballergebnisse ist die auch nicht.

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