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Fruchtbarer Kontinent : Die Landwirtschaft könnte Afrikas Hoffnung sein

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Musterland Marokko

Andererseits gibt es viele Ansätze im Kleinen. Als Musterland für agrarische Intensivierung, die nicht auf Kosten der Kleinbauern gehen, sondern sie auf dem Land halten und ihnen bessere Einkommen ermöglichen soll, gilt Marokko. Der Staat investiert dort Milliarden Dollar, damit die Ernten sich in den kommenden Jahren vervielfachen. Das aber soll nicht mittels einer großflächigeren Landwirtschaft geschehen, sondern indem die Kleinbauern mit Dünger, Wissen und neuen Pflanzensorten unterstützt werden. Zudem wird ihnen moderne Infrastruktur finanziert, die ihre Produkte exportfähig macht. Der „Plan Maroc Vert“ und „Plan d’Accélération Industrielle“ sehen auch den Bau von Staudämmen vor, kofinanziert von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Der marokkanische Staat investiert in kleine, moderne Olivenölfabriken oder Anlagen zur Dattelkühlung und -Verarbeitung. Das macht den Anbau attraktiver. Dies schon mit Erfolg: Nach offiziellen Angaben verdoppelte sich von 2009 bis 2015 die marokkanische Olivenproduktion auf 1,5 Millionen Tonnen. Solche Projekte sind auch nach dem Gefallen deutscher Geldgeber. Zugang zum Handel sei der Schlüssel für Entwicklung, sagte der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) dieser Zeitung: „Es muss unser Ziel sein, dass diese Länder die Selbstversorgung, auch bei Fleisch, schaffen.“ Dies hält er für eine bessere Idee, als wenn deutsche Konzerne wie PHW oder Tönnies mehr und mehr Fleisch nach Afrika exportieren. Die Billig-Exporte stehen seit Jahren im Verruf, lokale Märkte und bäuerliche Strukturen in Afrika großflächig zu zerstören.

Beispielhaftes Marokko: Der nordafrikanische Staat investiert Milliarden in eine nachhaltige Landwirtschaft.
Beispielhaftes Marokko: Der nordafrikanische Staat investiert Milliarden in eine nachhaltige Landwirtschaft. : Bild: AFP

Für Projekte, die mit dem „Grünen Plan“ verbunden sind, erhält Marokko dann auch reichlich Fördergeld: von der Weltbank, dem Millennium Programme und von der staatlichen deutschen KfW-Förderbank. Und auch die private Wirtschaft engagiert sich. Zum Beispiel um ihre Rohstoffversorgung zu sichern. Schokolade soll künftig knapp werden, wenn die Nachfrage in Asien weiter so stark steigt, prognostizieren Hersteller wie Barry Callebaut aus der Schweiz. Ein wichtiges Projekt in Afrika verfolg der Schokoladenkonzern Mars: Erst im Oktober referierte dessen Botschafter Howard Shapiro, ein kalifornischer Genetiker, der für Mars Projekte zur Ertragssteigerung kleinbäuerlich genutzter Pflanzen leitet, darüber auf einem internationalen Kongress über Fortschritte in der Pflanzengenetik.

Auf Kosten der Umwelt

In dem Projekt „African Orphan Crops“ arbeiten internationale und auch lokale Forscher im Auftrag von Mars daran, das Genom von rund einhundert „verwaisten Pflanzen“ zu entschlüsselt. Mittels neuer, nicht-gentechnischer Zuchtverfahren, der Gen-Marker, geht es nun daran, für die lokale Selbstversorgung wichtige Pflanzen ertragreicher zu machen. Etwa den Afrikanischen Affenbrotbaum oder „Irvingia gabonensis“, genannt afrikanische Mango. In Angola, Kongo, Nigeria und Uganda versorgt sie die Menschen.

Auf der einen Seite gibt es solche Entwicklungsprojekte, anderseits die agrarischen Großinvestments. Dafür steht auch Algerien. Das Land wurde in den vergangenen Jahren zum großen Tomatenexporteur – jedoch auf Kosten der Ausbeutung der knappen Grundwasserresourcen. Aus der Oasenstadt Biskra und ihrer Umgebung kommt eine Jahresernte von 300.000 Tonnen. Viel Düngereinsatz und immer tiefere Brunnen, die derzeit rund dreihundert Meter tief in den Sandboden reichen, ermöglichen dies. Dafür erzeugt Algerien laut der FAO fast doppelt so viele Tomaten wie Frankreich. Auch hier sinkt der Grundwasserpegel.

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