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Afghanistan : Opiumproduktion wieder angestiegen

  • Aktualisiert am

Schlafmohn sieht harmloser aus, als er ist Bild: REUTERS

Die schlechte Ernte im vergangenen Jahr hat den Opiumpreis in die Höhe getrieben. Das verleitet viele Bauern, Schlafmohn anzupflanzen. Die Vereinten Nationen warnen, dass die Produktion mittelfristig weiter steigt.

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          Erstmals seit vier Jahren ist in Afghanistan wieder mehr Opium angepflanzt und produziert worden. In dem am Dienstag veröffentlichten „Opium-Bericht Afghanistan“ geht das Büro für Drogen und Kriminalität der Vereinten Nationen (UNODC) davon aus, dass in diesem Jahr 5800 Tonnen Opium in Afghanistan produziert werden. Das sind 61 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Auch die Anbaufläche ist wieder gewachsen

          Auch die Anbaufläche ist nach zwei stagnierenden Jahren wieder gewachsen, und zwar um rund 7 Prozent. Demnach wird in Afghanistan auf 131.000 Hektar die Schlafmohnpflanze angebaut - eine Fläche halb so groß wie das Saarland. Afghanistan ist der weltweit größte Lieferant von Rohopium, das aus der Schlafmohnpflanze gewonnen wird und das auch zur Herstellung von Heroin dient.

          Im vergangenen Jahr war die afghanische Opiumproduktion auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2004 gefallen. Grund dafür war eine unbekannte Pflanzenkrankheit. Damals hatte sich die Schlafmohnernte halbiert. Laut dem Bericht der Vereinten Nationen hat die Knappheit den Opiumpreis stark ansteigen lasen. In diesem Jahr wird der Durchschnittspreis pro Kilogramm Trockenopium um 43 Prozent von 169 Dollar auf voraussichtlich 241 Dollar steigen.

          Das UNODC betonte, dass das hohe Preisniveau einer der Gründe dafür sei, dass die Produktion wieder angezogen habe. Während vor zwei Jahren niedrige Preise die Mohnbauern noch entmutigt hätten, Mohn anzupflanzen, lieferte der jetzige Preisanstieg in Verbindung mit niedrigen Weizenpreisen einen starken Anreiz, auch in der nächsten Pflanzsaison Schlafmohn anzupflanzen.

          Hier wächst Rauschgift heran: Ein Schlafmohnfeld in Afghanistan Bilderstrecke

          In einer Umfrage unter 379 afghanischen Bauern gaben fast 60 Prozent an, dass für sie der hohe Opiumpreis ausschlaggebend dafür sei, Mohn anzupflanzen. Mindestens 191.500 Familien seien am Opiumanbau beteiligt, schätzen die Vereinten Nationen - etwa fünf bis sechs Prozent der Gesamtbevölkerung.

          In 17 Provinzen wird Schlafmohn angebaut

          In insgesamt 17 der 34 afghanischen Provinzen werde derzeit Schlafmohn angebaut, hieß es weiter. Hauptanbauflächen sind die unsicheren Provinzen im Süden und Westen des Landes. 2010 waren noch 14 Provinzen Anbaugebiete für Schlafmohn. Der Wert der Opiumproduktion von 1,4 Milliarden Dollar entspreche etwa neun Prozent des Bruttoinlandsprodukt.  „Der Bericht sendet die klare Botschaft, dass wir es uns angesichts dieses Problem nicht leisten können lethargisch zu sein“, sagte der Direktor des UN-Büros für Drogen, Juri Fedotov, bei der Präsentation des Berichts.

          Fedotov lobte das afghanische Antidrogenministerium  und die Antidrogenpolizei des Landes. „Beide Institutionen haben daran gearbeitet, ihre Wirkung zu verbessern.“  Die Gesamtmenge der zerstörten Schlafmohnfelder sei in diesem Jahr um 65 Prozent gewachsen. „Doch während es einige Fortschritte gegeben hat, sind die mittelfristigen Indikatoren nichtsdestoweniger negativ“, sagte Fedotov. „Wir brauchen deshalb ein starkes Bekenntnis der nationalen und internationalen Partner.“

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