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Modellauto-Affäre : Eine Zugewinngemeinschaft

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Christine Haderthauer (CSU) und ihr Mann Hubert Bild: ddp images/Lennart Preiss

Es wird immer enger für Christine Haderthauer: Mit ihrer Modellbaufirma mit psychisch kranken Straftätern hat die bayerische Staatsministerin wohl Millionen verdient. Nun steht sie vor dem politischen Ruin.

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          Regel Nummer eins für den Umgang mit Unternehmern: Obacht, wenn sie anfangen, von Idealismus zu reden – meist ist dann was faul. Ziel und Daseinszweck von Firmen ist es, Gewinn zu erzielen. Und das ist gut so.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn CSU-Ministerin Christine Haderthauer also ihren unternehmerischen Nebenerwerb adelt zum „vom Idealismus getragenen Engagement“, muss die Not groß sein. Danach sieht es auch aus. Staatsanwälte ermitteln, die Steuerfahnder sind unterwegs, die Partei wird unruhig. Auf Betrug und arglistige Täuschung lauten die Vorwürfe gegen sie und ihren Mann, sehr unschön das alles: Akute Rücktrittsgefahr!

          Nun soll es hier nicht um Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Treue zu verdienten Mitarbeitern gehen, sondern um das Geschäftsmodell einer Firma namens „Sapor Modelltechnik“, welche der wackeren Politikerin einst gehört hat und ihr all das einbrockt an miesen Schlagzeilen, was sie so bitter beklagt: „Es ist tatsächlich ungeheuerlich, was man jeden Tag so über sich erfährt!“

          Zu erfahren war von der merkwürdigen Verbindung von Hubert Haderthauer, ihrem Gatten und seinerzeit Arzt in der Psychiatrie Ansbach, mit einem Patienten, dem Schwerkriminellen Roland S. Weggesperrt in Sicherheitsverwahrung, fiel Roland S. dadurch auf, dass er Modellautos gebaut hat in einer Perfektion, die Fachleute staunen lässt: keine billige Spielzeugware, sondern edle Handarbeit im Maßstab 1 zu 8, fahrtaugliche Nachbauten historischer Wagen, die Motoren voll funktionstüchtig.

          15.000 Euro und noch mehr haben Kenner dafür pro Stück bezahlt, im Laufe der Jahre wohl mehrere Millionen insgesamt. Die Vermarktung der Modelle oblag jener Firma „Sapor“. Und die gehörte dem Ehepaar Haderthauer, zumindest für ziemlich lange Zeit. Wie lange? Bis zum Jahr 2008 oder noch länger? Schon diese Frage ist strittig.

          Wie lange war Haderthauer Geschäftsführerin?

          Die Konstruktion ist jedenfalls von Anfang an gewagt: Arzt in der Forensik betreut Patienten; die Früchte der dortigen Arbeitstherapie erntet die Firma seiner Frau. Schon geringere Anlässe haben in der Vergangenheit Karrieren beendet.

          Doch der Reihe nach, die Sache ist vertrackt genug: Anfang der 90er Jahre gründet eine gewisse Christine Haderthauer, geborene Cuntze, junge Mutter zweier Kinder, an der Schwelle vom Jurastudium ins Berufsleben, die „Sapor Modelltechnik“, von der hohen Politik ist sie damals noch weit entfernt.

          Mit an Bord sind zunächst zwei Geschäftspartner, von 1993 an nur noch einer: Roger Ponton, ein im Elsass lebender Franzose, zwischenzeitlich angeblich untergetaucht, heute jenseits der 80 und Haderthauers ärgster Widersacher: Getäuscht, belogen und betrogen sieht sich der Mann von der ehelichen Zugewinngemeinschaft aus Ingolstadt, mit Hilfe der Justiz treibt er die Haderthauers vor sich her, bringt so die Affäre erst ins Rollen. 20.000 Euro Abfindung haben ihm die Haderthauers 2011 gezahlt, nachdem er aus der gemeinsamen Firma „Sapor“ hinauskomplimentiert worden war. Der Franzose fühlt sich ausgebootet, erstattet deshalb Strafanzeige: „So wie es aussieht, waren die Modellautos ein Millionengeschäft. Mir gegenüber haben die Haderthauers dagegen von einem Verlustgeschäft gesprochen.“ Nun will der Mann sein Geld zurück, laut seinen Angaben Investitionen von 200.000 Euro. Wie hoch das eingebrachte Eigenkapital der drei Gründer wirklich war, darüber gehen die Angaben auseinander. Auch ist unklar, ob und wie lange die spätere Ministerin offiziell als „Geschäftsführerin“ amtierte oder ob sie als Miteigentümerin ohne Titel angeschafft hat. Briefe auf Geschäftspapier künden jedenfalls von einem chefmäßigen Ton, wenn sie mahnt, dass sie einen „wesentlich schnelleren Erfolg vor Augen“ habe.

          Ein Schwerverbrecher als Leistungsträger

          Geschäftszweck der Firma „Sapor“ ist der Handel mit exklusiven Modellautos, gefertigt von psychisch kranken Straftätern. Sie sind die einzigen Zulieferer. Dazu schließt die „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ (GbR) einen Vertrag mit dem Bezirkskrankenhaus, wo jener Roland S. untergebracht ist; ein hochintelligenter Mensch (IQ angeblich 145), ein begnadeter Konstrukteur und ein widerwärtiger Straftäter, verurteilt zu lebenslanger Haft. Drei Menschen hat er umgebracht, den Opfern den Penis abgeschnitten. Dieser Mann wird der Leistungsträger der Haderthauers, der Garant für das Wohlergehen der Firma „Sapor“: Der Schwerverbrecher bastelt Modelle, führt Buch, leitet in der forensischen Psychiatrie eine Patienten-Gruppe für die Autofertigung an.

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