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Adventskalender : 24 Mal Bescherung

24 Türchen Zukunft: Der Star-Wars-Adventskalender Bild: Philip Lisowski

Bilder und Schokolade haben ausgedient. Hinter den Türen der neuen Adventskalender liegen Lippenstift, Lego-Yoda und Schraubenzieher.

          3 Min.

          Leuchtende Kinderaugen, gespannte Vorfreude, dann ist es so weit, der erste Dezember steht ins Haus, und stolz überreichen die Eltern ihrem Sprössling den Adventskalender, der ihm die Zeit bis zum Weihnachtsabend versüßen soll. „Och, nur so ein oller Schoko-Kalender“, nölt der Junge. „Der Torben aus meiner Klasse hat aber einen mit Darth Vader von Lego bekommen.“

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Solche Szenen könnten sich in diesem Jahr zuhauf in deutschen Kinderzimmern abspielen. Denn seit der Münchner Verleger und Pfarrerssohn Gerhard Lang 1904 den ersten gedruckten Weihnachtskalender erfunden hat, mit Engel- und Knecht Ruprecht-Bildchen zum Ausschneiden und Aufkleben, hat sich einiges getan hinter den 24 Türchen.

          Zwei Dutzend Kleinode: Schmuckkalender

          Ein Kalender, gefüllt mit Tafeln aus Alpenmilchschokolade, in Form von Tannenbaum, Glöckchen oder Weihnachtsmann, oder gar ein Exemplar aus Papier - das lockt die Kleinen mittlerweile nicht mehr hinter der Playstation hervor. Ein bisschen extravaganter sollte es schon sein. Und den Kalender selbst mit kleinen Geschenken befüllen, dafür fehlen vielen Eltern Zeit und Nerven in den Tagen vor Weihnachten - vielleicht auch Lust und Kreativität. Die Lösung: Jemand anderes erledigt das für sie, wie von Zauberhand.

          Kaufen statt selbst basteln, teures Spielzeug statt günstiger Schokolade: Spielzeughersteller wie Hasbro, Mattel oder Lego haben den Trend erkannt. Für sie ist der Adventskalender ein guter Vertriebsweg, ihre Produkte nicht erst am Heiligen Abend, sondern schon gut einen Monat früher an das Kind zu bringen. Seit zwei bis drei Jahren häufen sich bei Karstadt, Kaufhof und Woolworth Adventskalender in den Regalen, die eine ganze Palette an Spielwaren hinter den zwei Dutzend Fensterchen versteckt halten.

          Mit Vollgas zum Fest: Autokalender

          Für Mädchen gibt es etwa Schminksets von Barbie für rund 25 Euro oder vom blonden Disney-Popsternchen Hannah Montana, mit Lipgloss, Lidschatten und Nagellack. Die Schmuckmarke Me&Sue des Spieleherstellers Revell packt für 15 Euro pink-, türkis- und lilafarbene Glitzerperlen in kleine Pakete. Zu Ketten und Armbändchen können die jungen Damen die Perlen dann zusammenfädeln.

          Jungs bekommen jeden Tag eine Spiel- oder Sammelkarte aus dem Pokémon-Kalender oder eine Figur für die Piratenschatzhöhle von Playmobil. Aus den Boxen des Lego Star Wars-Kalenders grüßen für 30 Euro Darth Vader, Luke Skywalker und der grüne Jedi-Meister Yoda im Weihnachtsmann-Outfit. Etliche Raumschiffe stehen bereit, um den Kampf zwischen der dunklen und der guten Seite der Macht auszutragen - auch ein außergalaktischer Weihnachtsbaum darf nicht fehlen.

          Wer den Klischees zwischen Rosa-Mädchen-Glitzer und Räuber-Raumschiff-Jungs entkommen will, für den gibt es einen Zauberkasten mit 24 Teilen oder den Adventskalender von der „Maus“, mit Puzzle, Stickern und „Mensch ärger Dich nicht“- Spiel.

          Überraschungen für die Dame: Kalender mit Pflegemittelchen

          Die Nachfrage nach den Fertigkalendern ist groß. Einige Modelle sind schon vergriffen, wie der Schminkkalender von Barbie bei toysrus.de oder der Star Wars-Kalender von Lego bei mytoys.de. „Die Leute verwenden ja auch immer mehr fertige Saucen, anstatt sie selbst zuzubereiten“, erklärt Judith Weingart von Playmobil den Trend. Das Spielzeugunternehmen war einer der Vorreiter, die schon Ende der 90er Jahre die ersten Spielzeug-Adventskalender fertigten - damals allerdings mussten die Eltern die Figuren noch selbst in Pappschachteln füllen. Das fanden sie zu umständlich und beschwerten sich. Seit drei Jahren liegen die Figuren fertig verpackt hinter den Türchen.

          Nicht nur die Kinder, auch ihre Eltern lassen sich gern schon vor Weihnachten ausgiebig beschenken: Der Wuppertaler Werkzeughersteller Wera macht den Mann mit seinem Adventskalender in nur einem Monat zum komplett ausgerüsteten Handwerker: Für rund 50 Euro bekommt der Hobbybastler Schraubendreher, Bits und einen Flaschenöffner fürs Bier nach getaner Arbeit. Großen Jungs bietet der Hersteller von Miniaturautos Herpa außerdem 24 Pkw-Modelle zum Sammeln. Ein teuerer Spaß, der das Weihnachtsgeschenk überflüssig macht - rund 130 Euro muss der Autoliebhaber dafür berappen.

          Lokalkolorit: Sogar Hannover kann mit einem eigenen Kalender aufwarten

          Frauen gehen auch nicht leer aus: In der stressigen Adventszeit dürfen sie sich zwischen Geschenkekaufen und Plätzchenbacken jeden Tag ein Beautyprogramm gönnen. Der Kosmetikhersteller Babor hat in seinem Sortiment einen Wartezeitverkürzer mit Schönheitselixieren; sie tragen Namen wie Sea Creation oder 3D Lifting Fluid. Parfümhersteller wie Parfum de France packen selbst Düfte hinter die Türchen.

          Doch das schlechte Gewissen beim Convenience-Kalender bleibt. Wäre es nicht kreativer gewesen, 24 Jutesäckchen selbst mit Geschenken zu bestücken? Für die Kinder hätte man da noch Holzspielzeug, ein kleines Buch oder einen Bioriegel aus dem Reformhaus unterbringen können - oder etwas Praktisches für die Schule wie Radiergummi und Füllerpatronen. Ein weiterer Nachteil: Wer erst mit Glitzerschmuck-, Playmobil- und Lego-Kalendern angefangen hat, muss im kommenden Advent noch einen draufsetzen - und das wird mit den Jahren immer schwieriger.

          Vielleicht ist es da besser, von Anfang an ein wenig tiefer zu stapeln. Traditionalisten setzen zum Beispiel auf den „Weg zur Krippe“ vom Kaufmann Verlag. Jeden Tag gibt es eine Geschichte, dazu basteln die Kinder eine Figur aus der Weihnachtsgeschichte - einen Engel, die Heiligen Drei Könige, einen Esel und einen Hirtenjungen, Maria - und am Ende das Jesuskind in der Krippe. Denn: Worauf warten wir noch mal 24 Tage lang?

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