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Actavis will Warner Chilcott kaufen : Pharmabranche vor Milliarden-Übernahme

  • Aktualisiert am

Generika sind billige Nachahmungen von Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist. Bild: dpa

In der Pharmabranche bahnt sich wieder eine Milliardenübernahme an: Der amerikanische Generikahersteller Actavis will den Konkurrenten Warner Chilcott für 8,5 Milliarden Dollar übernehmen.

          In der amerikanischen Pharmabranche rollt die Übernahmewelle weiter: Der Generika-Hersteller Actavis will nach eigenen Angaben vom Montag für 8,5 Milliarden Dollar die irische Pharmafirma Warner Chilcott erwerben. Die Transaktion werde einen Konzern mit einem Jahresumsatz von insgesamt rund elf Milliarden Dollar hervorbringen.

          Actavis ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Nachahmer-Medikamenten nach der israelischen Teva  und der Schweizer Novartis-Tochter Sandoz. Das Unternehmen selbst war vor einem Jahr aus dem Zusammenschluss der amerikanischen Generika-Firma Watson mit dem Schweizer Rivalen Actavis hervorgegangen. In Deutschland wurde Actavis 2010 in Zusammenhang mit dem Übernahmekampf um den Ulmer Konkurrenten Ratiopharm bekannt. Nach monatelangem Ringen entschied letztendlich der Branchenriese Teva den Bieterkampf um Ratiopharm für sich und Actavis ging leer aus.

          Warner Chilcott hatte sich vor mehr als einem Jahr zum Verkauf gestellt. Auch Bayer wurde Interesse nachgesagt. Warner Chilcott stellt überwiegend Arzneimittel für die Frau her, darunter Verhütungsmittel und Hormontherapien. Dazu kommen Medikamente gegen Hautkrankheiten und Magendarm-Erkrankungen.

          Die Pharma-Branche ist derzeit stark in Bewegung. Viele große Konzerne suchen wegen auslaufender Patente und sinkender Margen nach neuen Feldern oder Partnern. Aus diesem Grund kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu milliardenschweren Übernahmen. So hatte der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer erst Ende April die Übernahme des amerikanischen Unternehmens Conceptus für etwa 1,1 Milliarden Dollar angekündigt.

          Zudem läuft zurzeit um das irische Biotechunternehmen Elan ein Übernahmepoker. Der amerikanische Konzern Royalty Pharma will für die Iren bis zu 7,3 Milliarden Dollar zahlen. In Deutschland ranken sich immer wieder Gerüchte um den Generikahersteller Stada. Das Bad Vilbeler Unternehmen wird von einigen Analysten als mögliches Übernahmeziel genannt.

          Chronik: -Die jüngsten Übernahmen in der Generikabranche

          Schon seit einigen Jahren findet unter den Herstellern von Nachahmermedikamenten weltweit eine massive Konsolidierung statt. Eine Chronik der größten Übernahmen in den vergangenen Jahren:

          2005 - Der Schweizer Pharmariese Novartis kauft für rund acht Milliarden Dollar die Holzkirchener Hexal sowie das US-Unternehmen Eon Labs.
          Damit verdrängt Novartis mit seiner Generikatochter Sandoz zeitweise den israelischen Generikahersteller Teva
          Pharmaceutical von der Spitzenposition in der Branche. 

          2005 - Teva kontert und übernimmt den US-Wettbewerber Ivax für rund 7,4 Milliarden Dollar. Damit werden die Israelis wieder die Nummer eins
          unter den Generikaherstellern.  

          2006 - Der indische Generikahersteller Dr. Reddy’s  erwirbt für rund 480 Millionen Euro die Augsburger Generikafirma Betapharm. Mit dem Kauf setzt sich Dr. Reddy’s gegen den indischen Rivalen Ranbaxy durch, der ebenfalls an Betapharm interessiert
          war.  

          2006 - Deutschlands drittgrößter Generikaproduzent Stada übernimmt die serbische Firma Hemofarm für mehr als 490 Millionen Euro. Hemofarm ist nach eigenen Angaben Marktführer in Serbien und Montenegro.  

          2006 - Der amerikanische Konzern Barr Pharmaceuticals übernimmt nach einem monatelangen Übernahmekampf mit dem isländischen Wettbewerber Actavis für rund 2,4 Milliarden Dollar die Mehrheit am größten osteuropäischen Generikahersteller Pliva aus Kroatien. Damit steigt Barr in die weltweite Spitzengruppe unter den Generikaherstellern auf.  

          2006 - Der amerikanische Generikahersteller Watson Pharmaceuticals kauft für rund 1,9 Milliarden Dollar den heimischen Wettbewerber Andrx und wird damit in den Vereinigten Staaten  die Nummer drei in der Branche. 

          2007 - Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck verkauft sein Geschäft mit Nachahmermedikamenten für rund 4,9 Milliarden
          Euro an den amerikanischen Pharmakonzern Mylan.  

          2008 - Der Branchenführer Teva übernimmt für 7,5 Milliarden Dollar den US-Rivalen Barr Pharmaceutical. Mit dem Schritt baut Teva sein
          Geschäft in Amerika und Europa aus und untermauert seine weltweite Führungsposition.  

          2008 - Japans drittgrößter Pharmakonzern Daiichi Sankyo kauft für umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro die Mehrheit am führenden indischen Generikahersteller Ranbaxy.

          2008 - Der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius übernimmt für insgesamt 3,7 Milliarden Dollar den amerikanischen Hersteller von intravenös verabreichten Generika APP.  

          2009 - Der französische Pharmariese Sanofi kauft für umgerechnet rund 1,51 Milliarden Euro das tschechische Generikaunternehmen Zentiva. 

          2009 - Der amerikanische Generikahersteller Watson übernimmt für 1,75 Milliarden Dollar den nicht börsennotierten Rivalen Arrow Group.   

          2010 - Teva baut seine Spitzenposition in der Generikabranche aus und schluckt für rund 3,8 Milliarden Euro den Ulmer Generikahersteller
          Ratiopharm. Damit bleibt unter den großen drei der Branche in Deutschland, Ratiopharm, Hexal und Stada, nur noch der Bad Vilbeler Hersteller Stada als unabhängiges Unternehmen übrig. 

          2011 - Der amerikanische Konzern Watson übernimmt für 562 Millionen Dollar die in Griechenland ansässige Pharmafirma Specifar Pharmaceuticals und baut damit sein Europa-Geschäft weiter aus.  

          2011 - Der amerikanische Generikakonzern Par Pharmaceuticals  kauft für 410 Millionen Dollar die nicht börsennotierte kalifornische Firma Anchen Pharmaceuticals.

          25. April 2012 - Der amerikanische Konzern Watson kündigt an, für mindestens 4,25 Milliarden Euro den in der Schweiz ansässigen Generikarivalen Actavis zu schlucken. 

          3. Mai 2012 - Novartis erwirbt für 1,5 Milliarden Dollar in bar die amerikanische Generikafirma Fougera Pharmaceuticals und wird damit zum größten Anbieter von dermatologischen Nachahmerpräparaten. 

          20. Mai 2013 - Der amerikanische Generika-Riese Actavis will für fünf Milliarden Dollar in Aktien die irische Pharmafirma Warner Chilcott kaufen - und kommt damit Experten zufolge seiner eigenen Übernahme zuvor. Die Transaktion im Gesamtwert von 8,5 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) soll einen Konzern mit einem Jahresumsatz von rund elf Milliarden Dollar schaffen.

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