https://www.faz.net/-gqe-7pp2e

Achtzigster Geburtstag : Donald Ducks Dilemma

Am 9. Juni 1934 erschien Donald Duck zum ersten Mal in einem Disney-Film Bild: dpa

Der Unglücksvogel spielt seit achtzig Jahren Millionen ein. Dennoch beruht der Erfolg von Disney überwiegend auf Riesenprojekten, in denen die Zeichentrick-Helden kaum eine Rolle spielen.

          In der gegenwärtigen Verrentungsdebatte wird oft nach einer Lebensbilanz im monetären Sinne gefragt: Was erwirtschaftet ein Arbeitnehmer für die Gesellschaft, was bekommt er von ihr zurück? Im Falle eines Mannes, der bald seinen achtzigsten Geburtstag feiert, stellt sich die Frage nicht: Donald Duck denkt gar nicht erst an Ruhestand, und er hat seinem Arbeitgeber viel Geld eingebracht und wird das weiter tun.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dennoch ist Walt Disney nie ganz warm geworden mit ihm. Denn noch im selben Jahr, in dem Duck sein Filmdebüt in dem Kurztrickfilm „The Wise Little Hen“ feierte – der Tag der Premiere am 9. Juni 1934 gilt seither als Geburtstag –, begann der als bloße Nebenfigur konzipierte Neuling auch schon am Mythos von Disneys Liebling zu kratzen: In „Orphan’s Benefit“ trat Duck erstmals neben Micky Maus auf, und er stahl dem Altstar die Show. Fortan wollte das Publikum lieber die jähzornige Ente sehen als den braven Mäuserich, dem die Jugendkapriolen mit Rücksicht auf seine Popularität ausgetrieben worden waren. Disney wollte einen familienfreundlichen Helden, dazu passten derbe Streiche nicht. Die übernahm also jetzt Donald Duck – mit der Folge, dass der Stern von Micky Maus sank.

          Für Micky war Disney nichts zu teuer

          Das brach Walt Disney das Herz. Die Maus hatte ihn 1928 gerettet, als er mit seinem Verleiher in einen Streit um die Zeichentrickserie „Oswald the Lucky Rabbit“ geraten und erpresst worden war: Entweder lieferte Disney neue „Oswald“-Folgen für einen Preis von 1800 statt bisher 2000 Dollar, oder der Verleiher, der sich das Copyright an der Figur gesichert hatte, nahm ihm seine Figur weg. Der damals erst sechsundzwanzigjährige Trickfilmpionier sah sich außerstande, so billig zu produzieren, und gab Oswald ab. Auf der Rückfahrt vom entscheidenden Gespräch, so will es die Legende, dachte er sich Micky Maus aus. Sie wurde erfolgreicher als der Vorläufer, machte Disney unabhängig und reich. Deshalb liebte er sie.

          Als ihr nun im eigenen Haus von einer dahergelaufenen Ente, die Disney nicht einmal selbst erfunden hatte, die Schau gestohlen wurde, wurden ambitionierte Gegenmaßnahmen ergriffen. Micky Maus sollte bessere Rollen bekommen, und das hieß in Disneys Augen: teurere Filme. Schon 1932 waren seine Produktionskosten für einen einzelnen Kurzfilm auf mehr als 15000 Dollar gestiegen, und damit steckte er mehr Geld in die Herstellung, als ihm der neue Verleih bezahlte. Ohne die Lizenzeinnahmen für die Vermarktung seiner Figuren wäre Disney pleitegegangen. Doch für die Maus war ihm nichts teuer genug.

          Held der bis dato erfolgreichsten Comic-Serie

          Ende der dreißiger Jahre, als nicht nur Donald Duck, sondern auch Goofy und Pluto populärer geworden waren als Micky Maus, plante Disney ein großes Comeback für seinen Liebling: als Zauberlehrling nach dem Gedicht von Goethe. Der Film wurde teurer und teurer. Als er fertig war, hatte er 160000 Dollar gekostet. Das war mit einem Kurzfilm nie einzuspielen, also ließ Disney ein ganzes abendfüllendes Werk darum herum konzipieren, das 1940 als „Fantasia“ in die Kinos kam und satte zweieinhalb Millionen Dollar kostete. Alles nur, um eine Maus vor dem Vergessenwerden zu retten.

          Weitere Themen

          Moleküle gegen Staaten

          Istanbul-Biennale : Moleküle gegen Staaten

          Die Kulturszene der Türkei lässt die Knochen knacken: ein Besuch in Istanbul, wo auf der Biennale und im neuen Museum Arter die Teilchen den Aufstand proben.

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen.

          Heimdebakel in Europa League : Am Ende fällt die Eintracht auseinander

          Achtbarer Auftritt, bitteres Resultat: Frankfurt erspielt sich beim Start in die Europa League Torchancen in Hülle und Fülle, muss sich aber dem FC Arsenal geschlagen geben. In der nächsten Partie wird ein wichtiger Spieler fehlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.