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Wirtschaftsforschungsinstitut : Nachfolger für Fuest am ZEW kommt aus Köln

Achim Wambach Bild: Imago

Das Ausscheiden von Hans-Werner Sinn beim Münchener Ifo-Institut hat auch eine kleine Rochade an der Spitze des Mannheimer ZEW ausgelöst. Jetzt ist entschieden, wer dort Chef wird.

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          Die Suche nach einem Nachfolger für Clemens Fuest als Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist beendet. An das dritte große deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut neben dem Münchner Ifo und dem Berliner DIW wechselt demnächst der 47 Jahre alte Volkswirt und Physiker Achim Wambach.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Offiziell bekanntgegeben wird der Beschluss an diesem Mittwoch, wenn nach dem ZEW auch die Universität Mannheim der Personalie zugestimmt hat. Wambach hält derzeit einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften an der Universität seiner Heimatstadt Köln und ist Direktor des dort angesiedelten Instituts für Wirtschaftspolitik.

          Sein Werdegang ist ungewöhnlich. Wambach hat zunächst in Oxford Physik studiert. Erst nach der Promotion (PhD) fand er zur Ökonomie, in die er eigentlich nur kurz hereinschnuppern wollte. Doch das Studium an der London School of Economics fesselte ihn so, dass im Jahr 2000 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München noch die Habilitation folgte. Wambach ist ein Spezialist für Märkte und Wettbewerb. Er beschäftigt sich mit den Regeln für Energie- und Telekommunikationsmärkte ebenso wie mit der Frage, wie ein wettbewerblicher Ordnungsrahmen aussehen sollte für die vom Staat mit Sonderrechten ausgestatteten Freien Berufe, also Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte (F.A.Z vom 9. Oktober). Daher sitzt Wambach auch in der einflussreichen Monopolkommission, die die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät. Gerade mahnt sie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, die Übernahme von Tengelmann durch Edeka nicht zu erlauben.

          Wambach ist in der breiten Öffentlichkeit bislang kaum bekannt, sein rheinischer Tonfall bereichert noch nicht die Talk-Shows. Gleichwohl gehört er längst zum Kreis der Ökonomen, deren Rat die Politik häufig sucht. So führt er auch den Wissenschaftlichen Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium. In der deutschen Volkswirtschaftsszene ist Wambach ebenfalls anerkannt, was sich darin zeigt, dass er in zwei Jahren an die Spitze ihres Vereins für Socialpolitik rücken wird. Der Chefposten am ZEW, das mit 200 Mitarbeitern sehr gut ausgestattet ist, wird im April frei. Dann nämlich löst Clemens Fuest den bekanntesten deutschen Ökonomen Hans-Werner Sinn als Präsident des Ifo-Instituts ab, weil Sinn die Pensionsgrenze erreicht.

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