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Unternehmensberatung : Accenture trauert um Pierre Nanterme

Pierre Nanterme Bild: AFP

Bis vor drei Wochen stand der Franzose noch an der Spitze des Beratungskonzerns. Seine Amtszeit gilt als überaus erfolgreich.

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          Es ist erst drei Wochen her, da zog sich Pierre Nanterme aus gesundheitlichen Gründen vom Posten des Vorstandsvorsitzenden des Beratungskonzerns Accenture zurück. Am Donnerstag erlag der 59 Jahre alte Franzose seinem Krebsleiden. Nanterme war der erste Europäer an der Spitze von Accenture, einem der größten Technologieberatungen der Welt. Acht Jahr hatte er den Chefposten inne. Nanterme war ein klassisches Eigengewächs. Insgesamt arbeitete er 36 Jahre lang – und damit sein ganzes Berufsleben – für Accenture.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seine Amtszeit als Vorstandsvorsitzende gilt als überaus erfolgreich: Nanterme trieb das Digitalgeschäft voran, der Umsatz des Beratungsunternehmens stieg in dem Zeitraum um 55 Prozent auf fast 40 Milliarden Dollar im Jahr. Die Zahl der Accenture-Mitarbeiter hat sich in den acht Jahren mehr als verdoppelt. Als Nanterme im Jahr 2011 an die Spitze des Beratungskonzerns berufen wurde, arbeiteten etwa 205.000 Menschen rund um die Welt für Accenture, heute sind es fast 470.000 in mehr als 120 Ländern. An der Börse wird das im Aktienindex S&P gelistete Unternehmen mittlerweile mit rund 98 Milliarden Dollar bewertet. Accenture berät mehr als drei Viertel der im Aktienindex Fortune-Global-500 gelisteten Unternehmen.

          Nach dem Militärdienst in seinem Heimatland studierte Pierre Nanterme Management an der französischen Elite-Wirtschaftshochschule Essec in der Nähe von Paris. Seine Karriere als Unternehmensberater startete der Mann aus Lyon 1983 im Alter von 23 Jahren bei „Anderson Consulting“ – wie sich das Unternehmen damals noch nannte. Es war entstanden als Beratungs-Ableger des amerikanischen Wirtschaftsprüfungskonzerns Arthur Anderson. Rechtzeitig abgekapselt vom Mutterkonzern überstand Accenture später auch den Untergang der Wirtschaftsprüfung Arthur Anderson im Zuge des Enron-Skandals unbeschadet.

          Rund ein Jahrzehnt nach seinem Berufseintritt stieg Nanterme 1993 zum Partner auf. Während seiner Karriere hatte er zunächst vor allem Banken und Versicherungsunternehmen beraten. Später leitete er auf verschiedenen Posten unter anderem das globale Versicherungsgeschäft. Zeitweise war er auch Landesgeschäftsführer in Frankreich. Auch nachdem Ärzte bei ihm im Jahr 2016 Darmkrebs diagnostiziert hatten, arbeitete er weiter auf seinem Posten.

          Nanterme sei eine „außergewöhnliche Führungspersönlichkeit“ gewesen, heißt es in einem Nachruf von David Rowland, dem bisherigen Finanzvorstand, der seit dem Rücktritt Nantermes am 11. Januar das Beratungshaus als Interims-Manager durch eine schwierige Phase führt. Nanterme habe mit seiner Arbeit ein „außerordentliches Erbe“ hinterlassen und habe „Accenture für Generationen stärker gemacht“. Kurz nachdem die Nachricht vom Tod Nantermes am Donnerstagabend bekannt wurde, kondolierten auch etliche internationale Spitzenmanager – unter anderem Apple-Chef Tim Cook, Microsoft-Chef Satya Nadella, SAP-Chef Bill McDermott und Salesforce-Gründer Marc Benioff.

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