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Digitalwirtschaft : Abschied von den Cookies

  • -Aktualisiert am

Blick auf den Google Campus: Mit der Initiative „Privacy Sandbox“ will das Unternehmen seine gesammelten Erkenntnisse frei zugänglich machen. Bild: AFP

Mit Cookies ist ab 2024 Schluss. Deswegen will der Internetriese Alternativen entwickeln. Die Werbebranche ist darauf nicht vorbereitet.

          6 Min.

          Was Google über eine Person weiß, war lange Zeit ein Geheimnis. Seit einiger Zeit können sich Nutzer das eigene Werbeprofil anzeigen lassen. Wer personalisierte Werbung einschaltet, kann dabei zuschauen, wie sich in Minutenschnelle ein Nutzerprofil aufbaut. Erst findet Google Informationen wie Alter, Geschlecht, Beruf und Bildungsgrad. Nach ein paar Minuten verfeinert sich das Profil. Falsche Informationen werden korrigiert, Beziehungsstatus, Interessen und Kaufwünsche spürt der Algorithmus schnell auf.

          Alphabet, der Mutterkonzern von Google, macht damit Milliarden. 2021 generierte Alphabet einen Umsatz von über 250 Milliarden Dollar, über 80 Prozent der Einnahmen kamen aus der Werbung. Der Erfolg liegt nicht zuletzt daran, dass Google Werbung auf persönliche Interessen zuschneiden kann, mittlerweile nur, wenn es der Nutzer erlaubt. Google verkauft Werbeplätze in der Suchfunktion und auf anderen Internetseiten. Das alles wird gespeist durch Informationen, die Google selbst oder seine Partnerseiten erheben.

          Doch die Art und Weise, wie diese Daten gespeichert und ausgetauscht werden, wird sich schon bald grundlegend verändern – mit weitreichenden Konsequenzen dafür, wie Werbung im Internet funktioniert.

          Die Problematik der Drittanbietercookies

          Denn das alles funktioniert nur dank Cookies. Sie wurden in den Neunzigerjahren für den Onlinehandel entwickelt, um den Inhalt von Warenkörben oder Log-in-Daten von Nutzern zu speichern – und so den Nutzer wiedererkennbar zu machen. Das Prinzip ist bis heute dasselbe geblieben. Wenn der Nutzer eine Website besucht, wird der Cookie auf dem Browser des Endgeräts gespeichert. Wenn er dieselbe Website wieder aufruft, signalisiert der Browser dem Server der Seite, dass der Nutzer mit demselben Endgerät schon mal die Website besucht hat. Und verknüpft sie mit den Daten des letzten Besuchs.

          Wenn der Betreiber einer Website Daten aus Cookies selbst verwendet, nennt man diese Erstanbieter-Cookies. Die Diskussion um Datenschutz entfacht sich hingegen an sogenannten Drittanbieter-Cookies. Sie heißen so, weil der Betreiber der Internetseite die erhobenen Daten an Werbeunternehmen oder Google, also an Dritte abgibt. Wenn die Cookie-Daten eines Nutzers von unterschiedlichen Seiten beim selben Dritten zusammenfließen, entsteht ein Profil. Der Nutzer ist dann nicht irgendein Besucher einer einzelnen Website und wird möglicherweise wiedererkennbar. Das geht mittlerweile nur, wenn Nutzer bei der Cookie-Abfrage per Klick allen Cookies zustimmen.

          Google sammelt Daten über beide Cookie-Arten. Wenn jemand im Browser sucht oder eine Anwendung wie Youtube benutzt, sammelt Google Erstanbieter-Cookies, weil Google Betreiber der Website ist. Zusätzlich erhält Google Daten aus Drittanbieter-Cookies für sein Werbegeschäft von externen Internetseiten. Google ist also Browseranbieter, Websitebetreiber und Werbeunternehmen in einem.

          Die Drittanbieter-Cookies möchte Google bis 2024 abschaffen. „Der Third-Party-Cookie ist eine veraltete Technologie“, sagt Sebastian Grantz, der sich bei Google um die Beziehungen zu Industrieverbänden kümmert. „Man sieht, dass dort das Vertrauen nachlässt. Die Nutzer fühlen sich nicht mehr wohl damit, wie ihre Daten im Internet genutzt werden, und haben eine kritischere Einstellung bekommen“, meint Grantz. Seiten, die über den Google-Browser Chrome angesteuert werden, können dann keine Drittanbieter-Cookies mehr erheben. Die nervigen Cookie-Banner werden dadurch aber nicht verschwinden. Nutzer müssen ihr Einverständnis immer noch für die Erstanbieter-Cookies geben.

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