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Absatzschwierigkeiten : Audi hält die Produktion an

A8 in Schieflage: Noch rollen die Bänder in Neckarsulm. Das soll sich in der nächsten Woche ändern. Bild: dapd

Weil in Europa die Bestellungen für die Limousinen A6 und A8 fehlen, stehen in Neckarsulm die Bänder still. Dessen ungeachtet bekräftigt der Vorstand die Jahresziele.

          In Paris gewährt Audi einen Ausblick auf die Modelle von morgen: Ein bisschen kleiner dürfen sie sein, auf jeden Fall sparsamer und doch immer noch sportlich, ganz so wie das nur 4,21 Meter lange und immerhin 1,51 Meter hohe Konzeptauto „Crosslane Coupé.“ Solch ein Sports-Activity-Vehicle könnte eines Tages als Audi Q2 auf den Markt kommen und all jene Käufer ansprechen, denen die leistungsstarken Oberklassemodelle mit den vier Ringen schlicht zu groß und zu teuer sind.

          „Punktuelle Anpassung“ und „vorausschauende Planung“

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          So schön die Zukunftsaussichten auch sein mögen, in der Gegenwart häufen sich die Schwierigkeiten. In diesen Tagen zeichnet sich bei Audi gerade eine sinkende Nachfrage nach den großen Limousinen A6 und A8 ab. Sie laufen im zweitgrößten Audi-Werk in Neckarsulm vom Band und dort ruht in der kommenden Woche zeitweise die Produktion. Es handele sich um „eine punktuelle Anpassung“, sagte ein Unternehmenssprecher, sprach von einer „vorausschauenden Planung“ und davon, dass sich A8 und A6 in China und den Vereinigten Staaten „nach wie vor glänzend“ verkauften. Allerdings werde für Europa auf Bestellung gebaut - und einige Bestellungen sind jetzt ausgeblieben.

          Offenkundig reicht die hohe Nachfrage aus den Märkten in Übersee nicht mehr aus, um die sinkenden Verkaufszahlen in Spanien oder Italien auszugleichen. Stärker als Audi ist der Konkurrent Daimler betroffen. Erst vor wenigen Tagen warnte der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche vor einem Gewinnrückgang und kündigte ein Sparprogramm an. Zum Auftakt des Autosalons in Paris folgte dann die Nachricht, dass im größten Lastwagen-Werk die Bänder im Oktober jeden Freitag angehalten werden. Und im Personenwagenbau wird derzeit mit dem Betriebsrat über eine Drosselung im Stammwerk Sindelfingen verhandelt. Dort soll die Mercedes S-Klasse übergangsweise im Ein-Schicht-Betrieb produziert werden. Die Luxuslimousine steht am Ende ihres Modellzyklus’ und findet nur noch wenige Käufer.

          250 der 1400 Leiharbeiter müssen gehen

          Audi stellt sich auf die Zurückhaltung europäischer Kunden ein, indem die A6-Produktion im Spätschichtbetrieb zurückgefahren. Rund 250 der 1400 Leiharbeiter müssen gehen. Neu ist das nicht. Auf diese Nachricht durften sich die Mitarbeiter schon im Juli einstellen, als sogar noch von einem Abgang von 500 Leiharbeitern die Rede war, wie die „Heilbronner Stimme“ berichtete. Nun sollen die nach der Rekordproduktion im vergangenen Jahr gut gefüllten Zeitkonten der Audi-Mitarbeiter abgebaut werden.

          Die Produktionsanpassung in Neckarsulm wird das Gesamtziel der Volkswagen-Tochtergesellschaft nicht in Frage stellen. Bis zum Jahresende sollen in Neckarsulm 271.000 Fahrzeuge gebaut werden, ein Wert, der nach Aussage des Audi-Sprechers nahe an der technischen Kapazitätsgrenze liegt.

          In Paris bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler denn auch die Prognose, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos zu verkaufen. Lediglich in Westeuropa liefe es nicht so wie gewünscht: „Ich glaube, dass wir dort bei den Gesamtmärkten schon mit einem Rückgang von 5 bis 10 Prozent zu rechnen haben.“ Audi hat in diesem Jahr fast 2000 Mitarbeiter neu eingestellt und beschäftigt derzeit mehr als 64.000 Menschen in aller Welt, davon 48.000 in Deutschland und 14.500 an seinem Standort in Neckarsulm. Im vergangenen Jahr wurden so viele Autos verkauft wie nie: Der Absatz stieg auf 1,3 Millionen Fahrzeuge.

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