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Absatzkrise : Opel streicht 1000 Stellen

  • -Aktualisiert am

Durchbruch oder Verfall? Ein altes Opel-Plakat blättert von der Wand Bild: Wresch, Jonas

Der Personalabbau bei Opel, der beim mittleren Management längst angekommen ist, erreicht nun auch die Beschäftigten in der Verwaltung. Am Stammsitz des Autobauers in Rüsselsheim sollen 1000 Arbeitsplätze in administrativen Bereichen wegfallen.

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          Der Personalabbau bei Opel erreicht nach der Streichung Hunderter Stellen im mittleren Management nun erstmals auch die Beschäftigten in der Verwaltung. Am Stammsitz in Rüsselsheim sollen 1000 Arbeitsplätze in administrativen Bereichen abgebaut werden. Das haben zwei Mitglieder des Aufsichtsrats, die namentlich nicht genannt werden wollen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet. Das Unternehmen selbst wollte die Information nicht direkt kommentieren. „Wir haben wiederholt mitgeteilt, dass unsere Organisationsstruktur schlanker und beweglicher werden muss. Darüber hinaus haben wir derzeit nichts anzukündigen“, sagte ein Sprecher.

          Personalabbau erfolgt „zeitnah“

          Den Angaben der beiden Aufsichtsräte zufolge soll der Personalabbau „zeitnah“ erfolgen. Insgesamt arbeiten in der Verwaltung in Rüsselsheim 3300 Beschäftigte. Es werden also 30 Prozent der administrativen Stellen in den Lohnbüros und in der Finanzbuchhaltung abgebaut. Den Angaben zufolge erfolgt der Abbau einerseits über Altersteilzeit: Die Beschäftigten der Geburtsjahrgänge 1955 bis 1957 würden dann in der aktiven Phase 100 Prozent arbeiten, aber nur 85 Prozent Nettoentgelt erhalten. In der passiven Phase wird nicht gearbeitet. Zudem sollen den Mitarbeitern auch Abfindungen im Gegenzug für ein freiwilliges Ausscheiden angeboten werden. Nicht geplant sind dagegen betriebsbedingte Kündigungen.

          Der umfangreiche Stellenabbau in der Verwaltung ist Teil einer insgesamt angestrebten Einigung zwischen den Beschäftigten und der Unternehmensleitung über die dringend notwendige Senkung der Kosten. Die Betriebsräte der vier deutschen Standorte und Vertreter der IG Metall haben am Dienstag mit Opel-Personalchef Holger Kimmes und Produktionschef Peter Thom verhandelt. Es geht um eine Stundung oder sogar einen Verzicht auf die Tariferhöhung um 4,3 Prozent. Das würde Opel etwa 40 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen. Im Gegenzug hoffen die Gewerkschafter auf erweiterte Standortgarantien für die vier deutschen Werke bis Ende 2016 sowie auf Perspektiven für die Zeit danach.

          Es droht der fünfte Milliardenverlust in Folge

          Hintergrund der Verhandlungen ist die schwierige Lage des Autoherstellers. Im laufenden Jahr droht Opel der fünfte Milliardenverlust hintereinander. Seit 1999 hat der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) knapp 17 Milliarden Dollar mit Opel verloren. Der Absatz von Opel in Europa ist in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um 15 Prozent gesunken - ein doppelt so starker Rückgang wie am Gesamtmarkt. Binnen zwanzig Jahren hat sich der Marktanteil auf 7 Prozent halbiert. Das Unternehmen steht mit den aktuellen Absatzschwierigkeiten indes nicht allein da: Auf dem europäischen Markt, der seit fünf Jahren schrumpft, werden so wenige Autos verkauft wie seit 1995 nicht mehr.

          Opel wird im laufenden Jahr voraussichtlich nur noch eine Million Autos verkaufen. Mehr als 10.000 der 40.000 Beschäftigten des Unternehmens lässt Opel an den Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach schon ein Viertel weniger arbeiten als normalerweise, um so die Produktion zu drosseln. Der Staat übernimmt dabei in Form des Kurzarbeitergeldes einen Teil der Lohnkosten. Ausgerechnet am Standort Bochum, der 2017 geschlossen werden soll, läuft derweil in drei Schichten rund um die Uhr der Familienwagen Zafira vom Band.

          „Eine Milliarde Verlust ist nicht okay“

          Die Belegschaften und Fabriken von Opel in ganz Europa könnten eigentlich 1,5 Millionen Autos im Jahr produzieren - also um die Hälfte mehr, als tatsächlich verkauft werden. Entsprechend drängt GM-Vizechef Stephen Girsky, der seit November vergangenen Jahres dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt und dort über die Strategie bestimmt, auf eine Anpassung der Kapazitäten an die gesunkene Nachfrage, die nach Einschätzung von Fachleuten auch in den kommenden Jahren weiter niedrig bleiben dürfte. „Wir werden dieses Unternehmen und die Marke unterstützen, und wir werden Opel Mittel an die Hand geben, die ihnen helfen, erfolgreich zu sein“, sagte Girsky der Nachrichtenagentur Bloomberg, übte aber auch Kritik an den Rüsselsheimern: „Man kann nicht eine Denkweise pflegen, dass es okay ist, eine Milliarde im Jahr zu verlieren. Das ist die Denkweise, die wir zu ändern versuchen.“

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