https://www.faz.net/-gqe-36zj

Abfallwirtschaft : Rosinenpicken im Plastikmüll

  • -Aktualisiert am

Der Grüne Punkt ist mehr ist als eine Gewissensberuhigung. Doch preisgünstig arbeitet der bisherige Monopolist Duales System Deutschland nicht.

          2 Min.

          Vor 15 Jahren klebte Gerd Billen Plakate gegen den Grünen Punkt, um ihn als Mogelpackung zu enttarnen. Heute ist der Geschäftsführer des Naturschutzbund NABU voll des Lobes für das Logo: „Der Grüne Punkt wird immer grüner“.

          Er ist fest verankert in der grünen Seele der Deutschen. Rund 90 Prozent der Bundesbürger stecken ihren Verpackungsmüll in die Gelbe Tonne. Insgesamt ist das Müllaufkommen durch die Zwangsrücknahme der Kleinverpackungen aus dem Einzelhandel zurückgegangen. Nach einer Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der Duales System Deutschland (DSD) haben sich seit Einführung des Grünen Punktes 1991 Bruttoinlandsprodukt und Verpackungsverbrauch entkoppelt. Ohne den Grünen Punkt würden sonst bei Fortschreibung der alten Entwicklung heute 18 Prozent mehr Plastikabfall anfallen.

          Grüner Punkt unter Druck

          Eigentlich könnten sich die Müll-Manager vom DSD entspannt zurücklehnen, wenn es nicht konkurrierende Entsorger gebe. Seit im vergangenen Jahr vier Drogerieketten, darunter DM und Schlecker, dem DSD den Rücken gekehrt haben, herrscht erstmals Wettbewerb. Der Ex-Monopolist hat Konkurrenz durch Firmen wie Belland Vision bekommen, die ihre Kunden durch niedrigere Preise anlocken. Die EU-Kommission stärkt ihnen dabei den Rücken. Sie hat dem DSD ausdrücklich untersagt, von Kunden Gebühren für den Grünen Punkt einzuziehen, wenn diese nicht vom DSD entsorgt werden.

          Kein Geld zurück

          Kein Wunder, dass DSD-Chef Wolfram Brück der Konkurrenz „Rosinenpickerei“ vorwirft. Sein Unternehmen würde nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien agieren, immer den „günstigsten Weg“ zu gehen. „Das DSD geht den teureren Weg, wenn es um die ökologische Wirkung geht.“

          Damit bestätigt er indirekt den Vorwurf, den Kunden gegen den Monopolisten erheben: Er ist zu teuer. Es fehlt jeder Anreiz für Kostensenkungen, weil der Endverbraucher an der Ladenkasse für den Grünen Punkt bezahlt. Zwar haben die Mitgliedsunternehmen des DSD im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro zurückbekommen, aber die Endverbraucher gingen bei dieser Kostenerstattung leer aus.

          Der Mix macht`s

          Bislang war das DSD erfolglos, sich Konkurrenten juristisch vom Leib zu halten. Der Europäische Gerichtshof hat den Zwang zur Marktöffnung durch die EU-Kommission bestätigt. Klaus Kaindl, Geschäftsführer von Belland Vision aus dem fränkischen Pegnitz, ist mit seiner Geschäftsidee zufrieden. Er entsorgt Drogerien, bei denen Verpackungen mit dem Grünen Punkt anfallen und verrechnet diese Mengen mit Großkantinen, die viel lizenzfreie Verpackungen haben.

          Über einen Mengenausgleich halten alle Kunden die vorgegebene Recycling-Quote ein, selbst wenn in den Drogeriemärkten nur ein geringer Anteil Müll entsorgt wird. „Entscheidend ist die Mischung der Kunden“, sagt Kaindl. Ein schwacher Trost bleibt dem DSD. Am Ende muss auch Belland Vision Verpackungen mit dem Grünen Punk von den Großkantinen entsorgen, für die das DSD Lizenzgebühren bekommt, ohne dafür was zu tun.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zur Verteidigung gegen China bereit: Taiwans Präsidentin  Tsai Ing-wen bei einer Militärübung.

          Chinas Konflikt mit Amerika : Nach Hongkong jetzt Taiwan?

          Auch die militärischen Spannungen zwischen China und Amerika nehmen gefährlich zu. Ein gewaltsamer Konflikt der beiden Supermächte im südchinesischen Meer scheint nicht mehr ausgeschlossen.

          Neuer und Flick mahnen : Die gefährliche Lage beim FC Bayern

          Vor den entscheidenden Spielen in der Champions League herrscht beim FC Bayern große Zuversicht. Doch es gibt auch kritische Töne. Torhüter Manuel Neuer äußert sich derweil zu seinem umstrittenen Urlaubsvideo.
          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.