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Neuer Ärger : Ostdeutsche Raffinerien kämpfen wieder mit verschmutzem Rohöl

  • -Aktualisiert am

Sachsen-Anhalt, Leuna: Stahlrohre transportieren Rohöl aus Russland in die von der Abendsonne angestrahlten Produktionsanlagen einer Raffinerie. Bild: dpa

Wieder landet verschmutztes Öl in ostdeutschen Raffinerien. Die Quelle der Verunreinigung wird diesmal aber in Polen vermutet.

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          Das Aufatmen war groß, als die Ölversorgung der ostdeutschen Raffinerien in Schwedt an der Oder und in Leuna nach achtwöchiger Unterbrechung pünktlich zum Start der Hauptreisezeit mit den Sommerferien vor zwei Wochen wieder aufgenommen wurde. Weil zuvor die „Freundschafts“-Leitung mit verschmutztem Öl aus Russland blockiert war, mussten Raffinerien andere Ölquellen erschließen und Benzin, Diesel und Flugtreibstoff teils über weite Strecken herbeischaffen. Nun wollte man zügig zum Normalbetrieb zurückkehren.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Doch offenbar droht eine Neuauflage des Konfliktes. Diesmal zwischen dem polnischen Leitungsbetreiber Pern und seinen Abnehmern in Deutschland. Letztere beschweren sich nach Informationen der F.A.Z. darüber, dass das Öl, das in Deutschland ankomme, von schlechterer Qualität sei als jenes, das Polen von Russland über Weißrussland erhalte.

          Hinter vorgehaltener Hand wird berichtet, dass das Öl wieder – wenn auch weniger stark – mit Chloriden versetzt sei. Die Verunreinigung könne ihren Ursprung aber nicht mehr in Russland haben, sondern müsse aus Polen stammen. Die einfachste Erklärung lautet, dass dort das frische Öl mit dem in Tanks gelagerten verschmutzten Öl aus alten Lieferungen verschnitten werde. Raffineriebetreiber reagieren verärgert. Mit Mischungen und überhöhten Chloridwerten haben sie in den letzten Monaten schlechte Erfahrungen gemacht, als ihre Anlagen teils durch ätzende Säuren beeinträchtigt wurden.

          „Garantieren vollständige Versorgungssicherheit“

          Das Thema beunruhigt offenbar die Eigner der deutschen Raffinerien, das sind Rosneft, Shell und Eni in Schwedt sowie Total in Leuna. Es wird auch bei einem Arbeitsbesuch des Vorstandsvorsitzenden des russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, am Mittwoch in Schwedt zur Sprache gekommen sein. Setschin, ein Wegbegleiter von Präsident Wladimir Putin, tritt dabei in doppelter Funktion auf: Als Lieferant russischen Öls und als Verarbeiter in Deutschland.

          Der Rohöltransport werde seit den jüngsten Zwischenfällen auf allen Stufen professionell überwacht, beteuert Rosneft. „Europäische sowie russische Verbraucher können sicher sein, dass das Rohöl, das sie erhalten, den Qualitätsstandards des Öls entspricht, das Rosneft in das Pipelinesystem einleitet“, hieß es in einer Mitteilung. Rosneft garantiere Kunden „in Russland und Deutschland die vollständige Versorgungssicherheit und die Qualität des Öls und der Ölprodukte“. Das hieße, dass andere Lieferungen im Zweifel abgelehnt würden.

          „Heute“ arbeite die Raffinerie in Schwedt mit der maximal möglichen Kapazität, die Versorgung des deutschen Marktes könne voll erfüllt werden, hieß es. Das lässt offen, wie die Lage „morgen“ aussieht, falls die Probleme fortbestehen. Wegen der eingeschränkten Ölversorgung über das Druschba-Pipelinesystem beziehe man zusätzliches Öl über den Rostocker Hafen. Der Chef von Rosneft Deutschland, Brian Chesterman, sagte, das Bundeswirtschaftsministerium habe anerkannt, dass es anders als in anderen von der Verunreinigung betroffenen Ländern in Deutschland gelungen sei, die Situation auf dem ostdeutschen Markt bisher zu stabilisierten und dass „die Inanspruchnahme der Erdölreserve vermieden werden konnte“.

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