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Bahnfahren : Das nächste Bahnchaos

Da geht noch mehr rein. Oder? Bild: dpa

Für 9 Euro im Monat durch Deutschland – das klingt gut. Doch es drohen überfüllte Züge und reichlich Negativwerbung für Bahn und Bus. Nur ein paar Menschen könnten sich freuen.

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          Jetzt gibt es keine Ausreden mehr: Vom 1. Juni an sollen wir alle zu Bahnfahrern werden. Von der Regierung verordnet, vom Bundesrat am Freitag endgültig beschlossen. Mit einem Monatsticket für gerade mal neun Euro werden wir gelockt. Es gilt in ganz Deutschland, für jeden Regionalzug, jeden Bus, jede Straßenbahn, jede U-Bahn. Spätestens von Montag an gibt es das schon vorab zu kaufen. Niemand muss sich mehr mit Tarifzonen und Spezialtarifen in der eigenen oder einer fremden Stadt auseinandersetzen. Eigentlich traumhaft. Ein Ticket fürs ganze Land: Das ist ein Wunsch, den viele Fahrgäste seit Jahren haben. Ein Wunsch, den die Verkehrsunternehmen aber bisher wegen ihrer schieren Anzahl und der daraus folgenden Komplexität der Verhandlungen seit Jahren nicht erfüllen konnten. Jetzt klappt es, zumindest für drei Monate. Weil der Bund alles bezahlt. Dass ICE und IC ausgenommen sind, verzeihen wir da gerne.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch dann endet die Freude im Herzen. Und das Gehirn beginnt zu denken. Klar, der Preis ist unschlagbar günstig. Je mehr Menschen das ähnlich sehen, desto voller werden Züge und Busse. Erinnerungen werden wach an das Jahr 1995. Damals sorgte ein anderes Billigticket für Aufsehen. Es war noch günstiger, kostete umgerechnet nur 7,60 Euro, galt aber auch nicht einen Monat, sondern nur an einem Wochenende, dafür gleich für bis zu fünf Personen. Das Schönes-Wochenende-Ticket sollte die damals leeren Regionalzüge füllen.

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