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800-Millionen-Einigung vom Tisch : Deutsche Bank: Kein  Vergleich mit Kirch-Erben

  • Aktualisiert am

Am Ende siegten die Kritiker: Nach langem Ringen hat die Deutsche Bank entschieden, den von ihrem Chef ausgehandelten Vergleich mit den Kirch-Nachkommen nicht abzuschließen. Bild: dpa

Der Vorstand der Deutschen Bank hat einen Vergleich mit den Kirch-Erben abgewiesen. Er sah vor, den Erben rund 800 Millionen Euro zu zahlen, um den Streit über die Kirch-Insolvenz zu beenden.

          Der zehnjährige Rechtsstreit der Deutschen Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch geht nun doch weiter. Der Bank-Vorstand lehnte einen fertig ausgehandelten Vergleichsvorschlag einvernehmlich ab, teilte das größte deutsche Geldhaus am Donnerstag mit. Dabei sei auch der Rat interner und externer Juristen berücksichtigt worden.

          Kirch und in der Nachfolge seine Erben haben oder hatten die Bank in rund drei Dutzend Verfahren auf Schadenersatz von insgesamt bis zu 3,5 Milliarden verklagt. Hintergrund ist ein Fernsehinterview des damaligen Deutsche-Bank-Vorstandssprechers Rolf Breuer im Februar 2002, in dem dieser die Kreditwürdigkeit Kirchs anzweifelte. Kirch sah in der Äußerung den Grund für die Insolvenz seines Medienimperiums, das wenige Wochen nach dem Interview zahlungsunfähig wurde.

          Am Ende siegten die Kritiker

          Der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte ursprünglich ausgehandelt, dass das Institut den Kirch-Erben 812 Millionen Euro zahlt, um den Rechtsstreit beizulegen. Nachdem dies Mitte Februar bekannt geworden war, meldeten viele Vorstandskollegen jedoch Zweifel an. Ihnen war die Summe zu hoch, da sie der Bank gute Chancen einräumen, am Ende der Verfahren als Sieger dazustehen. Die Erben Kirchs wollten aber einen deutlich geringeren Betrag nicht akzeptieren.

          Der verstorbene Leo Kirch (l.) sagte einst über den früheren Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer: “Erschossen hat mich der Rolf.“

          Unter den Kritikern innerhalb der Bank soll auch Breuer gewesen sein, der angeblich seinen Einfluss geltend machte, um den Vergleich abzuwenden. Unter Juristen besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Bank ihren früheren Vorstandssprecher auf Schadenersatz hätte verklagen müssen, wenn der Vergleich zu Stande gekommen wäre. Darüber hinaus zweifelten Kritiker, ob ein solch teurer Vergleich Klagen der derzeitigen Aktionäre Stand halten würde.

          Das Haus bleibt dreckig

          Der nun gescheiterte Vergleich ist allerdings nicht der erste außergerichtliche Lösungsvorschlag, der im Verlauf des Rechtsstreits scheiterte. „So nah wie dieses Mal war man sich aber noch nie“, sagte ein Beteiligter der Nachrichtenagentur Reuters. Ackermann wollte seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Bank Ende Mai eigentlich „besenrein“ übergeben, wie er jüngst sagte. Auch deshalb hatten viele erwartet, dass der Vergleich von allen Seiten akzeptiert wird. Die nun auch offizielle Ablehnung hatte sich indes in den vergangenen Tagen immer deutlicher abgezeichnet.

          Zufälligerweise verkündete die Bank ihre Entscheidung just an einem Tag, an dem sie mit dem Versuch scheiterte, ein wichtiges Zivilverfahren am Münchner Oberlandesgericht zu stoppen. Die zuständigen Richter wiesen am Donnerstag einen Befangenheitsantrag zurück, den die Anwälte der Deutschen Bank Mitte November nur Minuten vor der Aussage von Verlegerin Friede Springer gestellt hatten. Mit dem für Zivilverfahren eher ungewöhnlichen Vorgang war der Rechtsstreit endgültig eskaliert.

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