https://www.faz.net/-gqe-9vfca

Neue Regelung gefordert : 500 Bons am Tag sind genug

  • -Aktualisiert am

Ein Brötchen, ein Bon. Bild: dpa

Die Bonpflicht im Einzelhandel erregt seit Jahresbeginn die Gemüter. Nun wendet sich der Handelsverband HDE mit einem Brief direkt an Bundesfinanzminister Olaf Scholz und fordert eine Lockerung.

          1 Min.

          Es ist eines der Aufregerthemen des noch jungen Jahres: die neue Pflicht des Einzelhandels, für jeden Einkauf einen Kassenzettel auszudrucken. Jetzt wendet sich der Handelsverband HDE direkt an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), um die für den Handel lästige Regelung wieder loszuwerden. In einem Brief an den Minister bittet HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth darum, dass es eine Ausnahmeregelung für Läden geben sollte, bei denen im Durchschnitt mehr als 500 Bons an einem Tag anfallen. „Bei einer Ladenöffnungszeit von 9 Stunden pro Tag entspricht dies nahezu einem Kassenbon pro Minute“, schreibt er an Scholz. Das Schreiben liegt der F.A.Z. vor.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Bei Unternehmen, die „nachweislich um eine korrekte Steuerbefolgung bemüht sind“ bringt der Verband eine weitere Absenkung der Schwelle ins Spiel. „Weiterhin wäre eine Befreiung von der Bonpflicht sinnvoll, wenn ausschließlich bargeldlose Zahlungen ohne jegliche Möglichkeit zur Barzahlung und Einbeziehung von Personal abgewickelt werden, wie zum Beispiel in vielen Betriebskantinen“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Bei allen oben genannten Ausnahmefällen würde der Kunde auf Wunsch natürlich immer einen Beleg erhalten.“

          Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland die sogenannte „Belegausgabepflicht“. Einzelhändler müssen nun für jeden Verkaufsvorgang einen Kassenbon ausdrucken. Vor allem die Bäcker regen sich darüber auf, schließlich haben sie eine besonders hohe Kundenfrequenz und entsprechend viele Kassenzettel, die sie jetzt ausdrucken müssen – und in den meisten Fällen direkt in einen Mülleimer werfen. Etliche Bäckereien haben ihre Kunden gebeten, die Bons mitzunehmen, zu sammeln und dem Finanzamt in den Briefkasten zu werfen, in der Hoffnung, die Regelung so doch noch kippen zu können.

          Beschlossen wurde diese schon Ende 2016, unter der Ägide des damaligen Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU). Lange Zeit interessierte sich kaum jemand dafür, kurz vor dem Inkrafttreten warnte jedoch im Dezember Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in einem Brief an Scholz vor „einem erheblichen Mehraufwand an Bürokratie“. Zudem werde die Umwelt belastet, weil die Bons häufig auf Thermopapier ausgedruckt werden.

          Der HDE hofft nun auf eine mögliche Härtefallregelung für Betriebe, bei denen sowohl die Kosten als auch die Umweltgesichtspunkte besonders ins Gewicht fallen. Bislang hat Scholz jedoch Änderungen ausgeschlossen. Es gehe darum, um Umsatzsteuerbetrug in Milliardenhöhe zu verhindern, argumentiert er. Außerdem stelle die Bonpflicht in Ländern wie Österreich, Italien und Portugal auch kein Problem dar.

          Weitere Themen

          Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs Video-Seite öffnen

          Davos : Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs

          Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos ist der amerikanische Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs zur Klimaaktivistin Greta Thunberg gegangen. „Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen“, sagte er.

          Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

          Smartphone des Amazon-Gründers : Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

          Einem Bericht zufolge soll der Amazon-Chef von Muhammad Bin Salmans persönlichem Konto eine infizierte Whatsapp-Nachricht bekommen haben. Das wirft Fragen auf, ob es einen Zusammenhang zum ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi gibt. Und zu einem Boulevardskandal um Bezos.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.