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49-Euro-Ticket : Das Deutschlandticket hat Verspätung

Nach dem 9-Euro-Ticket soll das 49-Euro-Ticket dauerhaft kommen. Bild: dpa

Das einheitliche ÖPNV-Ticket für 49 Euro im Monat wird wohl erst im Frühjahr erhältlich sein. Viele Details sind noch zu klären – auch mit der EU.

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          Das bundesweit einheitliche Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), das „Deutschlandticket“, wird voraussichtlich nicht zum 1. Januar, sondern erst einige Monate später eingeführt. „Wir wissen alle, dass wir es nicht zum 1. Januar hinkriegen werden“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Dorothee Martin, am Montag auf einer Tagung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Berlin.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es müssten noch einige Gesetze geändert und beihilferechtliche Fragen auf EU-Ebene geklärt werden. Das sei ein viel größerer Reformprozess, als die Kunden ahnten, betonte sie. „Ich wäre mega happy, wenn es der 1. März wird“, jedenfalls „deutlich vor Ostern“. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wollte sich nicht zu einem konkreten Datum äußern. Er hat stets betont, dass Deutschlandticket soll „schnellstmöglich“ eingeführt werden.

          Ebenso sicher scheint zu sein, dass der Abopreis von 49 Euro im Monat nur der Einführungspreis sein wird, der womöglich wegen der anhaltenden Inflation bald angehoben werden könnte. Die Branche habe ein großes Interesse an einem Erfolg des Deutschlandtickets, bekräftigte Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Verkehrsbetriebe. Je mehr Tickets verkauft werden, desto höher sind die Erlöse für die Verkehrsunternehmen. Sie hatten zuletzt kritisiert, dass die staatlichen Zuschüsse in Höhe von 3 Milliarden Euro zu niedrig veranschlagt seien für einen Preis, der deutlich niedriger sei als der aktuelle Durchschnittspreis in den Verkehrsverbünden liegt.

          „Es ist verständlich, dass 49 Euro forever nicht gehen“

          Er sei froh, dass das Deutschlandticket nicht 49-Euro-Ticket heiße, damit sich dieser Preis nicht in den Köpfen der Menschen festsetze. „Wir können den Preis nicht einfrieren, wenn links und rechts die Kosten dramatisch in die Höhe gehen.“ Sonst steige der Bedarf an öffentlicher Finanzierung weiter und es gebe keinen Haushalt, der mit Steigerungsraten von bis zu 8 Prozent dynamisiert wäre, sagte Middelberg mit Hinweis auf die prognostizierte Inflationsrate von mehr als 8 Prozent in diesem Jahr.

          Für Diskussion sorgt zudem die Frage, ob das neue Ticket vor allem digital erhältlich sein soll oder ob es auch eine Papiervariante geben wird, die an Automaten oder an den Service-Schaltern gekauft werden kann. Verkehrspolitikerin Martin verwies darauf, dass mit dem Deutschlandticket in einem föderalen System mit Dutzenden unterschiedlichen Verkehrsverbünden erstmals ein einheitlicher Preis eingeführt werde. Dies führe zu einem völlig neuen System der Finanzierung, in dem die Verluste der einzelnen Verkehrsverbünde ausgeglichen werden müssten. Deshalb müsste der Wohnort des Käufers digital nachvollziehbar sein. „Das spricht gegen die Papiervariante“, erläuterte sie. Um auch Menschen ohne Internetzugang den Kauf eines Deutschlandtickets zu ermöglichen, ist eine Chipkarte geplant.

          Die Vorständin des Verbraucherschutzverbandes VZBV, Ramona Popp, forderte dagegen, nicht nur ein digitales Ticket anzubieten. Man könne sich nicht einerseits den Erfolg des Tickets wünschen und auf der anderen Seite die Wege einschränken, auf denen die Menschen das Ticket kaufen könnten. Sie äußerte Verständnis dafür, dass der Preis in absehbarer Zeit steigen werde. „Es ist verständlich, dass 49 Euro forever nicht gehen“, sagte sie.

          Dann aber müsse man ein Angebot zur Verfügung stellen, das verbraucherfreundlich ist.“ Unterdessen werden die Forderungen laut, dass es neben dem Deutschlandticket auch eine kostengünstigere Variante für bedürftige Menschen geben müsse. Dies hatte jüngst etwa der Sozialverband VdK gefordert. In vielen Kommunen wie zum Beispiel Berlin gibt es diese Sozialtickets bereits, allerdings gelten diese nur für den jeweiligen Verkehrsverbund, also nicht bundesweit.

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