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Öffentlicher Nahverkehr : Verkehrsminister bringen 49-Euro-Ticket auf den Weg

Bild: dpa

Die deutschen Verkehrsminister wollen ein verbilligtes Nahverkehrsticket für ganz Deutschland einführen. Es soll 49 Euro im Monat kosten. Nun müssen noch die Ministerpräsidenten zustimmen.

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          In Deutschland soll es erstmals dauerhaft ein bundesweit gültiges Nahverkehrsticket für den Preis von 49 Euro im Monat geben. Darauf haben sich die Verkehrsminister der Länder am Donnerstag gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) nach einer zweitägigen Verkehrsministerkonferenz in Bremerhaven geeinigt.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das Ticket soll, anders als das 9-Euro-Ticket im vergangenen Sommer, nur im Abonnement digital erhältlich sein und für den gesamten Nah- und Regionalverkehr in Deutschland gelten. Mit dem Angebot sollen mehr Kunden vom Auto in Busse und Bahnen gelockt werden, um den Ausstoß von klimaschädlichen Kohlendioxid zu senken.

          Das Ticket soll „schnellstmöglich“ eingeführt werden, sagte Maike Schaefer, Bremer Senatorin für Mobilität und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. Die Einführung stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass die Ministerpräsidentenkonferenz dem zustimmt.

          Diese müsse erst über eine zusätzliche Erhöhung der Regionalisierungsmittel entscheiden, um die Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) längerfristig sicherzustellen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hält es trotz der abermaligen Verzögerung für möglich, dass das Ticket schon im Januar angeboten werden könne. „Wir bringen damit eine der größten Reformen im öffentlichen Nahverkehr auf den Weg“, betonte der FDP-Politiker.

          Noch keine endgültige Entscheidung

          Wissing räumte aber ein, dass anders als erwartet von den Verkehrsministern noch keine endgültige Entscheidung getroffen werden konnte, weil die zusätzlich benötigten Mittel in Milliardenhöhe nicht ohne die Finanzminister und der Ministerpräsidenten freigegeben werden konnte.

          In der Ministerpräsidentenkonferenz werden auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) über eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel entscheiden. Der ÖPNV in Deutschland wird gemeinsam von Bund und Ländern finanziert, obwohl er Sache der Länder ist.  

          Mit der Einigung am Donnerstag ist nun ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket gefunden, das im Sommer den Bürgern in Deutschland drei Monate lang die Nutzung von Bussen und Bahnen in ganz Deutschland ermöglichte. Das neue „Klimaticket“ ist zwar deutlich teurer als das ursprüngliche Modell, aber besonders in den großen Metropolregionen noch immer günstiger als die gängigen Abo-Angebote.

          In Berlin  kostet eine Umweltkarte zum Beispiel 86 Euro, in Frankfurt 78 Euro im Monat. Viele Monatsticket werden deshalb obsolet. „Das wird das komplizierte Tarifsystem sprengen“, sagte Wissing. Das neue Abonnement könne jederzeit gekündigt werden, sagte Wissing. „Wir wollen Hürden abbauen.“ Aber man wähle ein Abo-Modell, um die Menschen längerfristig an den ÖPNV zu binden.

          Das 9-Euro-Ticket gilt als Erfolg

          Das 9-Euro-Ticket war im Sommer gemeinsam mit dem Tankrabatt Teil des ersten Entlastungspakets, das die Bundesregierung kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf den Weg brachte und war auf drei Monate begrenzt.

          Diese Rabattaktion galt gemeinhin als großer Erfolg: Mehr als 52 Millionen Menschen haben das Ticket in diesem Zeitraum gekauft, rund ein Fünftel der Nutzer seien Neukunden gewesen, wie  eine Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ergeben hat. Hinzu kamen noch einmal zehn Millionen Abonnenten.

          In rund 10 Prozent der Fälle habe der ÖPNV auch tatsächlich Fahrten ersetzt, die die Menschen ansonsten mit dem Auto getätigt hätten, betonte der VDV. Drei Monate 9-Euro-Ticket hätten etwa so viel Kohlendioxid eingespart, wie ein Jahr Tempolimit auf Autobahnen bringen würde.  Genutzt wurde das Ticket allerdings vor allem in Städten, in denen ohnehin ein intakter ÖPNV vorhanden ist.

          Schon deshalb war eine dauerhafte Lösung sowohl von den Ampelparteien im Bund als auch von den Ländern gewünscht. Der Einigung waren jedoch zähe Verhandlungen um zusätzliche milliardenschwere finanzielle Unterstützungen vorausgegangen, die weit über die Fragen der reinen Ticket-Finanzierung hinausgingen. Die Länder fordern vom Bund schon seit langem eine Aufstockung der sogenannten Regionalisierungsmittel, die die Länder jedes Jahr bei der Finanzierung des ÖPNV unterstützen.

          In diesem Jahr hat der Bund bereits mehr als 10 Milliarden Euro gezahlt, die Länder wollten aber für 2022 und 2023 jeweils  3,165 Milliarden Euro mehr um die steigenden Energie- und Personalkosten begleichen zu können und zudem den dringend notwendigen Ausbau zu stemmen. Hier konnte demnach noch keine Einigung erzielt werden, nun muss die MPK entscheiden.

          Bundesverkehrsminister Wissing hatte sich dem nicht grundsätzlich versperrt, pochte aber darauf, dass die Länder ebenfalls offenlegen, mit welchen Beiträgen sie sich an der Finanzierung des ÖPNV beteiligen. Diese Transparenz sei nun hergestellt.

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