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40-Stunden-Woche : "Wir erwarten einen Beitrag der Belegschaft"

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Immer wieder gibt es Stimmen gegen eine Anhebung der Arbeitszeit Bild: dpa

Zahlreiche Unternehmen verhandeln mit ihren Arbeitnehmern über eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Die Deutsche Telekom aber geht einen anderen Weg. Eine Übersicht.

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          Bei MAN sind Gespräche mit dem Betriebsrat über eine Arbeitszeitverlängerung von 35 auf 38 Stunden festgefahren, da die Vertreter der Arbeitnehmer bisher nicht zu mehr Arbeit für den gleichen Lohn bereit sind. Ende April hatte Vorstandsvorsitzener Rudolf Rupprecht mit der Überlegung überrascht, wie in der Bussparte in den vergangenen Jahren nach Polen und in die Türkei auch Arbeitsplätze in anderen Geschäftsgebieten ins Ausland zu verlagern.

          Er begründet dies mit "zum Teil erheblichen Kostennachteilen". Stark ist der Druck vor allem auf die Produktion von Dieselmotoren sowie von Rollendruckmaschinen, beide in Werken in Augsburg. Besonders zum Ende des vergangenen Jahres habe MAN Aufträge zu Preisen, die unter den Kosten lägen, angenommen, um einen weiteren Personalabbau zu vermeiden. "Jetzt erwarten wir dafür einen Beitrag von der Belegschaft", sagte Rupprecht.

          Als einer der Vorreiter der Arbeitszeitverlängerung darf sich das Heizungsbauunternehmen Viessmann in Allendorf in Nordhessen bezeichnen. 1996 entschied sich Viessmann zur Erweiterung seines Angebots um Gaswandgeräte. Um die neue Produktionslinie nach Nordhessen zu holen, erklärten sich die Mitarbeiter in Allendorf bereit, drei Stunden länger zu arbeiten ohne Lohnausgleich. Sie arbeiten seither 38 Stunden. Durch diese Maßnahme haben sie dazu beigetragen, daß 600 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden sind.

          Eine variable Arbeitszeiterhöhung hat sich der Gartenartikellieferant Gardena ausgedacht. Die Mitarbeiter arbeiten je nach Bezugshöhe zwischen 1,5 (untere Lohngruppen) und 4 Stunden mehr in der Woche. Im Tarifbereich ist damit die wöchentliche Arbeitszeit von einheitlich 35 auf 36,5 bis 39 Stunden erhöht worden. Teamleiter arbeiten künftig 42 und Bereichsleiter "42plus" Stunden. Im Gegenzug versprach der Vorstand der Gadena, innerhalb der kommenden 28 Monate keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen vorzunehmen. Zudem verpflichtet sich das Unternehmen, weiterhin über den eigenen Bedarf hinaus Lehrlinge auszubilden.

          Bei Daimler-Chrysler ist die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich kein Thema. Die Unternehmensleitung stört vor allem, daß die Personalkosten im Mercedes-Werk Sindelfingen ungleich höher sind als im Werk Bremen, etwa weil es in Baden-Württemberg drei Feiertage mehr gibt, Spätzulagen schon ab mittags fällig werden und die Nachtzuschläge deutlich höher sind.

          Zur Diskussion steht offenbar ein Teil der Era-Strukturkomponente, die eigentlich dazu gedacht ist, eine Angleichung der Einkommen von Arbeitern und Angestellten zu ermöglichen. Bis zum Jahr 2006 sollten laut Tarifvertrag Gehaltserhöhungen im Umfang von 2,69 Prozent in dem Strukturtopf eingesammelt werden. Der Verzicht auf diesen Entgeltzuwachs würde für Daimler jährliche Einsparungen von 180 Millionen Euro bedeuten, rechnet der Betriebsrat vor.

          Die 40-Stunden-Woche brächte Daimler-Chrysler dagegen nicht weiter: Durch die Mehrarbeit wären weitere 4200 Arbeitsplätze überflüssig. Die so erzielten Kosteneinsparungen könnten aber allenfalls Investitionen für 3500 Stellen schaffen - letztlich wäre die Bilanz also negativ. Auslandsverlagerung ist bei Mercedes-Benz nicht das Thema.

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