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Verbände : 368.000 Euro für den  DIHK-Chef

  • -Aktualisiert am

Martin Wansleben Bild: dpa

Was verdient eigentlich ein wichtiger Lobbyist? Die Branche ist verschwiegen, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat jetzt immerhin das Gehalt des Chefs preisgegeben.

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          Gute Lobbyisten können ihren Unternehmen sehr viel Geld sparen. Etwa wenn sie ein Gesetz, dass ihrem Arbeitgeber oder ihrer Branche schaden würde, verhindern oder zumindest abschwächen. Den Unternehmen sind solche Leute viel Geld wert, das ahnt man. Doch wie viel genau? Die Branche der Lobbyisten ist verschwiegen. Nun aber wurde bekannt: Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), verdiente im Jahr 2015 inklusive variabler Leistungsprämien rund 368.000 Euro. Dies geht aus dem Jahresbericht der DIHK hervor.

          Anlass für die neue Transparenz war unter anderem die interne und externe Kritik an den nicht öffentlichen Gehältern der IHK-Geschäftsführer im vergangenen Jahr. Zu diesem Thema wollten sich die 80 Kammern lange nicht äußern, bis der Bayerische Rechnungshof sich vor ein paar Jahren das Recht erstritt, die IHK Schwaben zu prüfen. Es folgte Kritik: Das Vergütungsniveau sei erheblich höher als im öffentlichen Dienst üblich.

          In Berlin herrscht hingegen weiterhin vornehme Zurückhaltung. Besonders begehrt für Spitzenposten sind aufgrund ihrer vielfältigen Kontakte ehemalige Politiker. Und jedes Mal gibt es auch eine große Diskussion, wenn diese in die Privatwirtschaft wechseln. Deswegen gibt es nun Übergangsfristen.

          Der ehemalige Verkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) wechselte schon vor Jahren zum Verband der Automobilindustrie, Eckart von Klaeden (CDU), ehemals Außenpolitiker, arbeitet nun für die Daimler AG, Ronald Profalla (CDU) war Kanzleramtsminister und ist nun Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, zuständig unter anderem für Regierungskontakte. Er bezieht angeblich ein rechnerisches Jahresgehalt in Höhe von 679.200 Euro. Weil Pofalla erst im August 2015 Vorstand wurde, würden ihm für 2015 anteilig 283.000 Euro Vorstandsgehalt ausgezahlt.

          Andere Verbände wollten die Gehälter ihrer Geschäftsführer nicht preisgeben. „Was die Hauptgeschäftsführung angeht: Unsere Mitglieder zahlen weitaus weniger Mitgliedsbeiträge als in anderen Verbänden, wodurch wir auch geringere Gehälter zahlen können“, sagte etwa die Sprecherin des Verbands Die Familienunternehmer. „Das heißt, wir denken da in anderen Dimensionen als der DIHK.“

          Eines scheint aber klar: Politik- und Wirtschaftsverbände zahlen ihren Mitarbeitern die höchsten Gehälter: Der Geschäftsführer eines Verbandes, der in Gesellschaft und Politik tätig ist, verdient im Schnitt 175.000 Euro im Jahr, sein Kollege in einem Wirtschaftsverband durchschnittlich 146.000 Euro. Das geht aus einer Ende des vergangenen Jahres erschienenen Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum hervor. Das Gehalt von Geschäftsführern von Verbänden aus Gesundheit, Soziales und Wohlfahrt beträgt hingegen im Schnitt nur 98.000 Euro. Auch auf Referentenebene sind die Unterschiede beträchtlich: Spitzenverdiener sind die Politikverbände mit einem Jahresgehalt von 72.000 Euro. Die in den Bereichen Freizeit und Kultur tätig sind, verdienen im Durchschnitt lediglich 44.000 Euro im Jahr.

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