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30 Millionen Tests am Tag : Wie Nobelpreisträger Paul Romer Amerikas Wirtschaft retten will

Eine fast komplett verwaiste Straße in New York Bild: EPA

Aktuell werden in den Vereinigten Staaten bis zu 175.000 Personen am Tag geprüft. Wie sollen daraus mehrere Millionen werden? Nach Analyse des Ökonomen gilt es zwei Probleme zu beseitigen.

          3 Min.

          Für den Ökonomen Paul Romer gibt es nur einen Weg, Amerikas Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, solange kein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden und für alle verfügbar ist: Alle müssen getestet werden, und zwar so schnell wie möglich. Der Träger des Nobel-Gedächtnispreises für Ökonomie hält 30 Millionen Tests am Tag für produktionstechnisch machbar. Die Träger des Virus‘ müssten isoliert werden.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Romer sieht keine Alternative zu seinem Plan. Solange die Menschen befürchten müssten, sich anzustecken, zögerten sie Konsum- und Investitionsentscheidungen und die Rückkehr an Arbeitsplatz hinaus, selbst wenn die Gouverneure die Auflagen lockerten. Beschränkungen aufzuheben ohne wirklichen Exit-Plan berge die Gefahr, dass das Virus auf seinen Pfad des exponentiellen Wachstums zurückkehre mit katastrophalen Folgen für Konjunktur und neuen tödlichen Gefahren für die Menschen. Ängste und Unsicherheit würden bei einem solchen Comeback der Pandemie die Leute paralysieren, selbst, wenn ihnen wieder unbeschränkte Mobilität erlaubt wäre.

          Testen, bis jeder geimpft ist?

          Die schiere Zahl an Tests, die Romer für nötig hält, wirkt utopisch. Aktuell werden in den Vereinigten Staaten zwischen 150.000 und 175.000 Personen am Tag geprüft. Nach Analyse des Ökonomen hemmen zwei Probleme die Massenproduktion der Tests: Die Auflagen und die bürokratische Zähigkeit der staatlichen Zulassungsbehörde FDA sowie fehlende finanzielle Anreiz für die Labore, die die Tests durchführen sollen. Ungehemmt durch enge Auflagen und finanziell abgesichert, könnten Laboratorien die gewünschte Testanzahl erreichen. „Diese Nation produziert jeden Tag 350 Millionen Dosen Cola Fanta und andere Limonaden am Tag. Wenn wir das können, können wir auch 30 Millionen Tests am Tag produzieren“, sagte Romer im CNN-Interview. 

          Romer mit seinem Nobel-Preis im Dezember 2018 in Stockholm

          Die FDA müsste schnell Verfahren zulassen, die vergleichbare Präzision zeigen wie schon genehmigte Tests. Der Staat müsste nach Romers grober Schätzung rund 100 Milliarden Dollar im Jahr bereit stellen, damit die Universitäten, Krankenhäuser und Unternehmen die amerikanische Testkapazität vervielfachen. Er hat 36 Labors in Amerika identifiziert, die für die Tests in Frage kommen auf Grund ihrer Erfahrung und ihrer Ausstattung in der DNA-Sequenzierung. Romers Ziel ist es, genügend Kapazität aufzubauen, um die 330 Millionen Amerikaner einmal in der Woche komplett testen zu können. Er würde immer wieder testen, bis jeder geimpft sei. Das geschieht nach seiner Erwartung nicht in den nächsten 15 bis 18 Monaten.            

          Leute mit Symptomen behandeln wie Kranke

          Eine Hoffnung setzt Romer auf neue Speichel-Testverfahren, die nach jüngsten Forschungsergebnisse der Yale Universität die gleiche oder sogar bessere Diagnose-Qualität zeigen als die bisher als Goldstandard geltenden Abstriche aus der Nase. Sie sind offenbar leichter skalierbar als Abstrich-Verfahren. „Die einzige Frage ist, ob der Kongress sich dazu bekennt, das Vertrauen in die Gesundheit unserer Bürger und die Wirtschaft wiederherzustellen, um die Erholung einzuleiten“, schreibt Romer wörtlich.

          Als großes Problem sieht der ehemalige Chefökonom der Weltbank, dass die Vereinigten Staaten nicht nur viel zu wenige Tests durchführten, sondern die begrenzten Ressourcen vergeudeten, indem sie falschen Leute testeten. Romer würde Leute mit Symptomen nicht testen, sondern so behandeln wie Kranke mit nachgewiesener Infektion. Die Tests würde er zunächst für Ärzte, Pfleger und Schwestern reservieren, die im Kampf gegen die Pandemie eingesetzt sind, damit die gegenseitige Ansteckung minimiert wird. Mit Anlaufen der Massenproduktion würde er Arbeitnehmer in lebensnotwendigen Berufen wie etwa Angestellte in Supermärkten oder Polizisten testen. Die positiv Getesteten, ihre Angehörigen und engen Mitarbeiten müssten isoliert werden.

          Das ökonomische Kalkül dieser Vorgehensweise sei eindeutig positiv: Jeden Monat büßten die Vereinigten Staaten 500 Milliarden Dollar Wertschöpfung ein durch den Stillstand. Die von ihm kalkulierten 100 Milliarden Dollar für den Aufbau der Massentest-Kapazität lohne sich auch deshalb, weil nach diesem Coronavirus noch tödlichere Pandemien drohten. Eine Alternativ-Strategie, die auf Antikörper-Tests setzt, um zu messen, ob jemand einmal an Covid-19 erkrankt war, lehnt Romer ab. Die Verfahren seien zu ungenau, zudem noch nicht klar, ob nicht einmal Erkrankte sich neu anstecken könnten.                             

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