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Kunstmuseum : Städels Erben

Das Städel-Museum in Frankfurt am Main Bild: Frank Röth

Das Frankfurter Städel-Museum wird 200 Jahre alt. Nicht der Staat, sondern die Bürger prägen das Haus. Dabei hatte am Anfang alles auf der Kippe gestanden.

          Christian Friedrich Mühlenbruch war wütend. Wer hatte den Frankfurtern den Tipp gegeben? Im Kollegium Mühlenbruchs, der Chefjurist der Universität Halle war, musste ein Verräter sitzen. Dabei hatte er doch alles perfekt vorbereitet. Er wollte mir Rechtsgutachten das Testament des kinderlos verstorbenen Frankfurter Millionärs Johann Friedrich Städel anfechten und sich im Erbstreit auf die Seite von dessen französischer Verwandtschaft schlagen. Städels Kunststiftung sollte nichts erben, sein letzter Wille nicht zählen. Mühlenbruch brach ein Tabu. Frankfurt, sein Gegner, reagierte.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zweihundert Jahre später wird die Kunsthistorikerin Corina Meyer sagen: „Damals stand eines der größten Vermögen Europas und eine der schönsten Sammlungen Deutschlands auf dem Spiel.“ Heute steht beides am Main. Die Stiftung und das Museum. Meyer kennt ihre Geschichte. Sie ist in die Archive gestiegen, hat Akten, Briefe und Bilanzen gelesen, einen Schatz gehoben und ein Buch geschrieben. Es geht um Kunst und Kommerz, juristische Haken und rechtliche Finten, die ersten schweren Jahre von Frankfurts berühmtestem Haus.

          Ein Fall für die Kunst-, Finanz- und Rechtsgeschichte

          „Für uns ging es um alles oder nichts“, sagt Nikolaus Schweickart. Er ist der Chef der Administratoren von Städels reichem Vermächtnis. Ein Museum am Main, getragen von einer Stiftung, von Spenden und Sponsoren. Privat und engagiert. Die Bürger lassen sich das einiges kosten. An den Wänden hängen Werke im Wert von Milliarden, in den Depots liegt Kunst aus siebenhundert Jahren. „Dabei hätte es uns fast gar nicht gegeben“, sagt Max Hollein. „Mit Mühlenbruch standen wir Spitz auf Knopf.“

          Blick in die Ausstellungssäle im Städel-Museum. Rechts das Gemälde „Goethe in der römischen Campagna“ von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein von 1787.

          Der Fall sollte Kunst-, Finanz- und Rechtsgeschichte schreiben, Generationen von Juristen beschäftigen, einen Weltbestseller inspirieren und ins Bürgerliche Gesetzbuch eingehen. Denn am Main haben sie aus dem einst umstrittenen Erbe eine Unternehmung globaler Bedeutung gemacht. Das Städel stand Pate für Privatmuseen wie das Poldi Pezzoli in Mailand oder die Morgan Library in New York. Es firmiert bis heute im Namen seines Stifters, hat 140 Mitarbeiter, ein Budget von 20 und eine Bilanzsumme von 60 Millionen Euro. Das Haus steht auf eigenem Grund und Boden in bester Lage mit Blick auf die Skyline. Im vergangenen Jahr zog es eine halbe Million Besucher an. Dieses Jahr wird es zweihundert Jahre alt.

          Chefadministrator Schweickart leitet die Stiftung; Hollein das Museum. Ein Bau aus der Gründerzeit, groß und prächtig. Ein langer Gang, zwei schwere Türen, ein hohes Zimmer, ein Tisch voller Akten. Hollein nimmt einen Stapel Bücher vom Stuhl und kommt rasch zum Punkt: Die Ausstellungen zum Jubiläumsjahr stehen, die Festschriften sind geschrieben, die Kataloge gedruckt. Im Internet fährt er eine digitale Offensive. Er hat das Haus komplett vernetzt. Multimedia im Museum. Die Party kann beginnen.

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