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20 Jahre F.A.Z.-Schülerprojekt : Scholz wirbt für Zeitungslektüre

  • -Aktualisiert am

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die drei Preisträger Bild: Matthias Lüdecke

24.000 Teilnehmer aus etwa 1260 Schulen – seit 20 Jahren läuft das F.A.Z.-Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“ schon. Schulklassen lesen gemeinsam die F.A.Z. – und schreiben selbst Artikel. Scholz findet: Zeitungen zu lesen erweitert den Horizont.

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          Er lese viel Zeitung und Zeitschriften, und das ziemlich vollständig, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) auf der Preisverleihung im Schülerprojekt Jugend und Wirtschaft, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung seit zwanzig Jahren gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet. Scholz warb dafür, dass die umfassende Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre nicht aus der Mode komme. „Eigentlich interessiert mich an der Lektüre vor allem das, was ich vorher nicht gewusst habe“, erklärte der Minister. Ständig stoße er so auf Unbekanntes. Die Schüler ermutigte er, ebenfalls auf diese Weise ihren Horizont zu erweitern. Wenn das verlorengehe, „dann verlieren wir ganz viel“, sagte Scholz.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Im Projekt Jugend und Wirtschaft lesen Oberstufenschüler ein Jahr lang den Wirtschaftsteil der F.A.Z. und arbeiten auch im Unterricht damit. Außerdem schreiben sie Artikel, vor allem über ungewöhnliche Unternehmen und spannende Branchen, von denen die besten in der Zeitung veröffentlicht werden. Die allerbesten Leistungen sind nun auf einer festlichen Veranstaltung in den Räumen des Bankenverbands in Berlin gewürdigt worden. In seiner Festrede zeigte sich Scholz beeindruckt von der Bandbreite der Artikelthemen. Er habe eine Begeisterung für innovative Geschäftsideen wahrgenommen.

          „Wir brauchen geradezu eine Revolution“

          Eine der wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre sei die „Erneuerung der technischen Basis unseres Industrielandes“, führte der Minister weiter aus. „In den beginnenden zwanziger Jahren brauchen wir geradezu eine Revolution“, sagte er. „Wenn es um digitale Technologie, das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz geht, müssen wir vorne mit dabei sein. Wir brauchen mehr Investitionen und ein attraktives Umfeld für junge Gründerinnen und Gründer“, forderte der Minister.

          Die Teilnehmer an Jugend und Wirtschaft machen im kommenden Jahr Abitur. „Für Sie stehen in Kürze berufliche Entscheidungen an“, sagte Scholz an die jungen Leute gewandt. Angesichts des schnellen Wandels der Arbeitswelt sollte es seiner Ansicht nach später im Berufsleben möglich sein, nochmal einen neuen Beruf zu erlernen. „Jeder sollte ein Recht darauf haben. Denn wenn sich die Arbeitswelt wandelt, sollte das auch für die Beschäftigten gelten.“

          Die Corona-Pandemie ist nach den Worten des Präsidenten des Bankenverbands, Hans-Walter Peters, zumindest eine gute Zeit für spannende Recherchen der Schüler gewesen. „Wie war die Lage vor Corona, wie danach?“ Er hoffe, dass jeder gemerkt habe, wie bedeutsam Wirtschaft sei.

          Schule und Wirtschaft zusammenzubringen sei sehr wichtig, sagte F.A.Z.-Herausgeber Gerald Braunberger, der die Laudatio auf die Preisträger hielt. Er nannte beeindruckende Zahlen: In den vergangenen zwanzig Jahren seien auf 289 Jugend-und-Wirtschaft-Seiten 1209 Artikel veröffentlicht worden. „Jedes Jahr nehmen etwa 60 Schulen an dem Projekt teil. Mit dem nun beginnenden 21. Durchgang zählen wir rund 24000 Teilnehmer aus etwa 1260 Schulen.“

          „Man erfährt so viel Neues“

          Drei Schüler bekamen Preise für die besten Einzelleistungen und drei Kurse für die besten Gesamtleistungen. Die Geld- und Sachpreise stiften der Bankenverband und die FAZIT-Stiftung, die Mehrheitsgesellschafterin der F.A.Z.

          Ausgezeichnet wurden Amelie Müler vom Parler Gymnasium in Schwäbisch Gmünd, Noah Akuscheska vom Eichsfeld-Gymnasium in Duderstadt und Jason Klassen vom Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal. Das Albert-Einstein-Gymnasium aus Frankenthal bekam auch einen Schulpreis für eine herausragende Gesamtleistung des ganzen Kurses, genauso wie die Max-Planck-Schule in Kiel und das Max-Planck-Gymnasium aus Lahr.

          Martin Geier, der Projektlehrer der Schule aus Lahr, hatte mit seinem Kurs schon im vergangenen Jahr einen Preis gewonnen. Jugend und Wirtschaft führe dazu, dass man mit anderen Augen durch die Welt gehe, erklärt Geier. Es mache neugierig auf die Welt, „man erfährt so viel Neues“. Geier hebt zudem den pädagogischen Wert des Projekts hervor. Es sei faszinierend zu sehen, wie die Schüler aus sich herausgingen und Hemmungen verlören, wenn sie zum Beispiel Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen interviewten. „Das macht selbstbewusst.“

          Eine tolle Lebenserfahrung und ein tolles Gefühl sei es gewesen, als er im Anzug im oberen Stockwerk der Leipziger Zentrale eines Weltmarktführers den Hauptgeschäftsführer interviewt habe, berichtet einer der Lahrer Schüler. Auf der anderen Seite lerne man auch, mit Frustrationen umzugehen, erzählen die Schüler aus Lahr. So sei es „superhart“, wenn man mehrere Male Absagen von Unternehmen bekomme und nicht wisse, ob man noch rechtzeitig geeigneten Ersatz finde. „ Es gibt eben auch Absagen, so ist das im Leben“, sagt eine Schülerin und lobt die Realitätsnähe des Projekts.

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