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Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung : Konjunktur trübt sich überraschend weiter ein

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Bild: FAZ.NET

Erholung an den Aktienmärkten und überraschend gute Konjunkturdaten aus dem ersten Quartal haben bei Finanzfachleuten offenbar wenig Eindruck hinterlassen: In der Mai-Umfrage des ZEW äußerten sie sich so pessimistisch, dass der entsprechende Index weiter sank.

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          Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzfachleute haben sich im Mai trotz der Erholung an den Aktienmärkten überraschend weiter eingetrübt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien von minus 40,7 Punkten im Vormonat auf minus 41,7 Punkte gefallen, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit.

          Von der Nachrichtenagentur Thomson Financial News befragte Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf minus 38,0 Punkte gerechnet. Damit liegen die Konjunkturerwartungen weiter deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 29,6 Punkten.

          Refinanzierungskosten und der starke Euro

          „Die Konjunkturdynamik dürfte etwas an Fahrt verlieren, weil sich bei den Unternehmen allmählich die Folgen der steigenden Refinanzierungskosten und der starke Euro bemerkbar machen dürften“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der monatlichen Umfrage unter rund 300 Börsenfachleuten.

          Das ZEW-Konjunkturbarometer verheißt trübe Aussichten

          Die Aussichten der deutschen Exportindustrie hätten sich auf Sicht von sechs Monaten verbessert, da sich die Erwartungen der Finanzmarktexperten für die Vereinigten Staaten spürbar aufgehellt hätten, schreibt das ZEW. Andererseits sähen die Experten hohe Inflationsrisiken und erwarteten daher wenig Spielraum für die Entwicklung des privaten Konsums.

          Der Euro gab nach den ZEW-Daten leicht nach und fiel unter die Marke von 1,56 Dollar.

          Analysten mit gemischten Gefühlen

          In ersten Reaktionen äußerten sich einige Analysten nur wenig besorgt: „Es gab eine Verschlechterung bei den Konjunkturerwartungen - doch der Rückgang war nur schwach. Man kann fast schon von einer Stabilisierung sprechen“, sagte Gerd Hassel von der BHF Bank. Jörg Lüschow von der West LB sagte: „Man darf sich nicht vom Niveau des ZEW leiten lassen.“ Wichtiger sei, wie morgen der Ifo-Index ausfällt.

          Ulrich Wortreich von der Helaba befürchtet aber, dass vom Ifo-Institut auch keine positiven Daten zu erwarten sind: „Der erneute Rückgang der Konjunkturerwartungen liefert eine negative Indikation für den Ifo-Geschäftsklimaindex, der morgen zur Veröffentlichung ansteht“, sagte er. „Dazu sei erwähnt, dass die konjunkturellen Aussichten von Seiten der Unternehmen bisher noch nicht so negativ beurteilt worden sind wie von den Finanzmarktteilnehmern.“ Daher existiere beim Ifo-Index möglicherweise ein noch größeres Korrekturrisiko.

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