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Wirtschaftskrise : Amerika schöpft Hoffnung

Blick vom Rockefeller Center in New York in Richtung Empire State Building Bild: dpa/dpaweb

War das Gerede von der wankenden Wirtschaftsgroßmacht voreilig? Zum Jahresausklang kommen wieder gute Nachrichten aus den Vereinigten Staaten. Zumindest auf kürzere Sicht scheint die wirtschaftliche Lage nicht so düster wie angenommen.

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          Jeffrey Immelt hat genug von schlechter Stimmung. Der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) wollte bei einem Investorentreffen in dieser Woche gute Laune verbreiten, und passend dazu war der Veranstaltungsort gewählt: Immelt trat auf der Bühne des Fernsehstudios im New Yorker Rockefeller Center auf, in dem die Comedy-Show „Saturday Night Live“ produziert wird. Wo sonst an Samstagen Witze gerissen werden, versuchte Immelt, sein Publikum mit einem optimistischen Ausblick aufzuheitern. Auf ihm lastet großer Druck, denn das Unternehmen erholte sich bislang nur mühsam von der Wirtschaftskrise.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun aber hat Immelt die Wende ausgerufen: „Es wird definitiv besser, wir sehen das jetzt über unser ganzes Portfolio hinweg.“ Endlich verspricht Immelt einen Aufschwung in den Industriesparten, also Geschäften wie Flugzeugmotoren, Kraftwerksturbinen und Medizintechnik. Auf diese Traditionsbereiche will GE wieder den Schwerpunkt legen, während Finanz- und Medienaktivitäten zurückgefahren werden. Für das kommende Jahr sagt Immelt im Industriegeschäft ein Umsatzplus von 5 Prozent voraus. Bis zuletzt musste GE hier Rückgänge hinnehmen. Immelt zeigte sich erleichtert: Der Auftritt vor Investoren mache ihm diesmal mehr Spaß als vor zwei Jahren, sagte er.

          Der wichtigste Konjunkturmotor

          Auch Kollegen von Immelt schlagen auf einmal wieder viel optimistischere Töne an. Die in dieser Woche veröffentlichte vierteljährliche Mitgliederumfrage der Organisation Business Roundtable, zu der die Vorstandschefs amerikanischer Großkonzerne wie Exxon-Mobil, Wal-Mart oder Procter & Gamble gehören, lieferte ein erheblich aufgehelltes Bild. Ein weit höherer Anteil von Topmanagern als noch vor einem Vierteljahr erwartet für die nächsten sechs Monate ein Umsatzwachstum und stellt höhere Investitionen sowie eine Ausweitung der Belegschaft in Aussicht.

          Nicht nur Unternehmen sorgen für gute Nachrichten, sondern auch Verbraucher: Die Regierung meldete in dieser Woche überraschend gute Umsatzzahlen für den amerikanischen Einzelhandel im November. „Der Start in die Weihnachtssaison hat alle Erwartungen übertroffen“, jubelte daraufhin der Branchenverband National Retail Federation. Etliche Bankvolkswirte nahmen die Einzelhandelszahlen zum Anlass, ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal nach oben zu korrigieren. Konsumausgaben gelten in Amerika schließlich als der wichtigste Konjunkturmotor.

          Die Flut von guten Nachrichten aus den Vereinigten Staaten zum Jahresausklang mag etwas erstaunen. Bestimmte nicht bis vor kurzem Tristesse die amerikanische Wirtschaft? Nach einer zwischenzeitlichen Belebung in der ersten Jahreshälfte hatte sich wieder Ernüchterung breitgemacht. Amerikaner waren zunehmend frustriert, weil sie vom erhofften Aufschwung wenig spürten und weil sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt kaum verbesserte. Unternehmen beklagten eine wirtschaftsfeindliche Politik des Präsidenten Barack Obama und seiner Demokratischen Partei. Der Zorn auf die Politik sorgte bei den Zwischenwahlen Anfang November für eine dramatische Verschiebung der Machtverhältnisse im Kongress zugunsten der Republikaner. Unheilspropheten riefen schon das Ende der Vereinigten Staaten als Wirtschaftssupermacht aus. Die Nation der Anpacker und Optimisten sei in ihren Grundfesten erschüttert und glaube nicht mehr an sich selbst, hieß es.

          Norbert Ore hält es für verfrüht, die Vereinigten Staaten abzuschreiben. Als Führungsmitglied im Institute for Supply Management (ISM) spricht Ore mit Einkäufern in vielen amerikanischen Unternehmen, die über die Beschaffung von Maschinen und sonstiger Ausrüstung entscheiden – und spürt immer mehr Bereitschaft, Geld auszugeben. Gerade hat die Organisation eine Umfrage unter Einkaufsmanagern veröffentlicht, und dabei gaben die Befragten aus der verarbeitenden Industrie im Schnitt an, dass die Unternehmen 2011 ihre Investitionen um 14,5 Prozent aufstocken wollen, nach einem Zuwachs von 5,9 Prozent im laufenden Jahr.

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